Fraktionen wollen weniger Brennstellen

Künftig maximal ein Osterfeuer pro Ortsteil?

Dieser Brenngutstapel gehört zu einem Osterfeuer, das in einer nachbarschaftlichen Gemeinschaft hätte abbrennen sollen. Foto: Sigi Schritt
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Dieser Brenngutstapel gehört zu einem Osterfeuer, das in einer nachbarschaftlichen Gemeinschaft hätte abbrennen sollen.

Weyhe - Es scheint in Weyhe ein sensibles Thema zu sein: Fragen rund um Osterfeuer. Sollten sie für 2020 verschoben werden? Und falls nicht, wer übernimmt die Kosten für die Entsorgung der Brenngutstapel? Sollten ab 2021 nur noch die Brauchtumsfeuer der Ortsfeuerwehren genehmigt werden? In den zurückliegenden Jahren wurden im Schnitt etwa 80 Feuer gemeldet und auch genehmigt. Setzt sich in der Diskussion künftig Brauchtum oder der Umwelt- und Naturschutz durch?

Fest steht: Wegen der Corona-Krise und den Kontaktbeschränkungen werden in diesem Jahr die Flammen nicht gen Himmel lodern. Für dieses Osterfest sind alle in der Wesergemeinde abgesagt – somit fällt auch die beliebte Veranstaltung am Mühlenkamp aus. Naturschützer etwa vom Nabu kritisieren ohnehin den hohen Anteil von Feinstaub und sehen grundsätzlich eine Gefahr für Tiere.

Die Politik will reagieren: Für den Fraktionsvorsitzenden Rainer Zottmann (SPD) sei das aber ein „schwieriges Thema“. Er findet, dass Brauchtumsfeuer grundsätzlich zugelassen bleiben sollten, „nicht aber die Vielzahl kleinerer Partyfeuer“. Zottmann begründet das mit dem Schutz der Nachbarn vor Rauch, Staub und Gestank. Er sieht „große Feuer“ nur im Außenbereich. Grundsätzlich gilt, dass Osterfeuer „nicht zur kostenlosen Entsorgung von Strauchschnitt“ dienen sollten. Deshalb spricht sich der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten auch gegen einen Gebührenverzicht für Privatleute aus, zumal ausreichend Sammelstellen zur Verfügung stehen. Es sei unter Beachtung der Hygiene-Vorschriften dort möglich, den Grünschnitt abzugeben. „Wir sehen die Gemeinde nicht in der Pflicht, Strauchschnitt quasi beim Bürger abzuholen.“ Außerdem erteilt er eine Absage an die Personen, die sich eine Verschiebung der Brauchtumsfeuer wünschen. „Osterfeuer nachzuholen, entspricht nicht der Tradition des Brauchtums“, so Zottmann. Das sei daher abzulehnen. In privaten Bereichen dürften es ohnehin nur kleine Mengen sein, sagt er. Daher sei es den Bürgern zuzumuten, selbst zu zahlen. Für die gemeinnützigen Feuerwehren sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre Stapel gebührenfrei zu entsorgen.

CDU will dem Klimanotstand Rechnung tragen

Wie die SPD will auch die CDU, dass Bürger für ihr Brenngut entsprechende Abgaben bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft entrichten. Dafür gebe es eine entsprechende Satzung, so Dietrich Struthoff von der CDU. Auch die Christdemokraten wünschen sich eine Reduktion der Feuer – mit Augenmaß. Dem Klimanotstand möchte die CDU laut Struthoff insoweit Rechnung tragen, in dem die Anzahl der Feuer als Bürgeraktion auf den jeweiligen Ortsteil beschränkt werden könnte. „Wer das organisiert, wird sich ergeben.“ Es sei dann den Organisationen überlassen, also den Vereinen oder einer Ortsfeuerwehr, ob sie ein Feuer veranstalten will oder nicht. „Uns war nicht bewusst, dass die Gemeindeverwaltung jedes Jahr mehr als 80 genehmigt“, so Struthoff. „Die Luft ist darum an den Osterfeiertagen in der Regel sehr schlecht und eine Belastung der Atemwege.“ Diese „große Anzahl“ könne „mittelfristig nicht aufrecht erhalten werden“.

Ähnlich sieht es Antje Sengstake, Fraktionsvorsitzende der Liberalen. „80 mehr oder weniger große Feuerstellen sind einfach zu viele.“ Aber ganz auf sie zu verzichten, das will die FDP-Vertreterin im Rat aber doch nicht. Die FDP stehe nicht für Verbote, so Sengstake. Sie will den Weg der Selbstbestimmung gehen, um offenbar das gleiche Ziel zu erreichen: die konsequente Reduktion der Anzahl der Feuerstellen für 2021 in der Wesergemeinde. Die Liberale appelliert an die Vernunft und Einsicht, das Brauchtum zu überdenken. Sie kann sich mit dem Vorschlag der CDU anfreunden, die Anzahl auf je eines pro Ortsteil zu begrenzen. Durch die organisierten Brauchtumsfeuer nehmen die Ortswehren Gelder für ehrenamtliche Tätigkeiten wie zum Beispiel Jugendausbildung ein.

Aus Zeitgründen war es den Grünen nicht möglich, auf eine Anfrage dieser Zeitung bis Redaktionsschluss zu antworten.

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Bauhof sammelt Brenngut der Feuerwehren ein

Fragen dieser Zeitung rund um die geplanten und abgesagten Osterfeuer, speziell zur Entsorgung des Brennguts, hat die Gemeinde beantwortet:

Wie viele Osterfeuer waren angemeldet?

Insgesamt lagen der Gemeinde Weyhe laut dem Fachbereich Ordnung und Soziales 33 Anmeldungen für Brauchtumsfeuer vor.

Wie steht die Gemeinde zum Vorschlag, das Abbrennen der Holzstapel zu verschieben?

Bezüglich der vom Land Niedersachsen eingeräumten Möglichkeit, die Brauchtumsfeuer auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr zu verschieben, wird eine einheitliche Lösung im ganzen Landkreis Diepholz angestrebt. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte und Gemeinden wollen sich unter anderem dazu noch in dieser Woche austauschen. „Eine gemeinsame Lösung aller Kommunen im Landkreis würden wir begrüßen“, sagt Bürgermeister Frank Seidel. Der ergänzt: „Wichtig ist es so oder so, dass der Schutz der Tiere gewährleistet wird, die sich in den Holz- und Strauchhaufen befinden.“

Was soll mit den Brennholzstapeln der Feuerwehr passieren?

Die Haufen der Brauchtumsfeuer der Ortsfeuerwehren werden vom Bauhof abgetragen und entsorgt. Vielerorts ist das auch schon geschehen.

Was soll mit den privaten Stapeln passieren? 

Tipps, wie mit Strauchschnitt im heimischen Garten umgegangen werden kann, hat der Fachbereich Gemeindeentwicklung und Umwelt kürzlich gegeben. Als andere zeitnahe Möglichkeit bliebe nur die Entsorgung bei einem der Wertstoffhöfe der AWG, wenn diese wieder geöffnet sind (siehe Kreis&Region).

Müssen Bürger für die Entsorgung ihres Grünzeugs und Brennmaterials Geld bezahlen?

Stand jetzt müssen die Einwohnerinnen und Einwohner dafür bezahlen. Unter Umständen kann aber eine landkreisweite Regelung Abhilfe schaffen. Hier ist aber der Landkreis Diepholz beziehungsweise die AWG zuständig. „Eine gemeinsame pragmatische Lösung mit der AWG wäre in dieser Situation hilfreich“, so Frank Seidel. Osterfeuer werden von Naturschützern kritisch gesehen, aber auch von Menschen mit Lungenerkrankungen: Sollte die Anzahl der Osterfeuer für die nächsten Jahre eingedämmt werden? Die Gemeinde hat den Klimanotstand ausgerufen. Die Satzung müsste möglicherweise auch für Osterfeuer gelten, zumal durch das Abbrennen Feinstaub in die Umwelt abgegeben wird. Wäre es aus Sicht der Gemeinde eine Alternative, nur noch die der Feuerwehr zu gestatten?

Bürgermeister Frank Seidel: „Schon vor Wochen wurde bei der Politik nachgefragt, wie künftig vor dem Hintergrund des Klimanotstandes mit den Brauchtumsfeuern umgegangen werden soll. Die Rückmeldungen ergaben eine Verständigung darauf, dass wir dieses Jahr appellieren, weniger Feuer stattfinden zu lassen und eher die größeren Osterfeuer der Feuerwehren zu besuchen, um dann für das Folgejahr gemeinsam die weitere Vorgehensweise abzustimmen. Durch die aktuelle Corona-Lage hat sich das aber für dieses Osterfest erübrigt.“

Dies teilt die Gemeinde unter der Überschrift „Strauchschnitt-Tipp: Corona-Krise als Garten-Chance“ auf ihrer Homepage mit:

„Das Abbrennen von Osterfeuern ist durch den Landkreis Diepholz untersagt, die Grünabfall-Sammelstellen der AWG sind geschlossen und der Frühling naht in Riesenschritten. Wohin aber mit dem Strauchschnitt? Und wo bekommt man Rindenmulch? Der Fachbereich Gemeindeentwicklung und Umwelt der Gemeinde Weyhe hat Tipps für die Einwohnerinnen und Einwohner, wie aus der Not vielleicht sogar eine Tugend gemacht werden kann.

Wichtig ist zunächst: Die bestehenden Haufen für die eigentlich geplanten Osterfeuer auf Privatgrund sollten nicht weiter vergrößert werden. Auch wenn sich die Bürgermeister im Landkreis Diepholz derzeit um eine einheitliche Lösung bemühen, ist noch nicht klar, ob, wie und wann hier eine Unterstützung seitens der Städte und Gemeinden zusammen mit der AWG erfolgen kann.

Mit etwas Kreativität lässt sich diese Krise aber auch in eine gärtnerische Chance verwandeln. Möglicherweise ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um den eigenen Garten noch ökologischer zu gestalten: Ein Komposthaufen könnte neu angelegt oder ein bestehender vergrößert werden. Strauchschnitt kann im Komposthaufen als unterste Schicht verwendet werden. Locker aufgeworfen sorgt er so für eine gute Durchlüftung des später hier entsorgten natürlichen Abfalls und für eine schnellere Kompostierung.

Wenn Sie mit der Überlegung spielen, sich ein Hochbeet anzulegen, dann ist das Schnittgut dafür optimal geeignet, denn ein Hochbeet setzt sich prinzipiell aus Grünschnitt, Häckselgut, Kompost, Laub und Erde zusammen. Als unterste Schicht sollte eine Lage Strauchschnitt ausgebracht werden. Vermengt mit Laub und Wurzelwerk dient das kleingeschnittene Holz Igeln und anderen Lebewesen als Schlafstätte für den Winter, während es Vögel im Frühling gern als Nestmaterial nutzen. Schnittgut kann übrigens auch unter Hecken und Sträuchern aufgeschichtet werden, um neue Lebensräume für Kleinsäuger und Insekten zu schaffen.

Im eigenen Garten kann der Strauchschnitt auch zu Mulch gehäckselt und auf die eigenen Beete aufgebracht werden, anstatt Rindenmulch zu kaufen – zumal die Garten- und Baumärkte bekanntlich für Privatpersonen geschlossen haben. Streuen Sie das gehäckselte Holz z.B. auf Beete, auf denen kein Unkraut wachsen soll. So führen Sie wertvolle Biomasse wieder ihrem eigenen Garten zu, anstatt sie abzutransportieren.

Wer einen Kamin hat, kann groben Strauchschnitt auch zurechtschneiden, ein Jahr lang trocknen lassen und dann als Anzündmaterial nutzen. Und ganz besonders schöne Zweige machen sich gut als Dekoration in der Osterzeit – als geflochtener Kranz an der Tür oder als Osterzweig in der Vase.

Not hat immer schon erfinderisch gemacht. Gerade in einer Zeit, in der vielerorts ein Rückgang von Insekten und Vögeln zu beobachten ist, kann die Corona-Krise ein Startpunkt für die ökologische Umgestaltung des eigenen Gartens werden.

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