Tagesmütter bieten Alternative an

„Krippen sprießen wie Pilze aus dem Boden“

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Tagesmutter Ilona Mirzad betreut in ihrer „Krümelkiste“ fünf Kinder. Besonders beliebt ist bei ihnen das Trampolin. Neben Mirzad schaut auch Hündin „Amy“, die vor einem Jahr als Welpe zu der Gruppe stieß, nach dem Rechten.

Kirchweyhe - Von Katharina Schmidt. Nach den Sommerferien nehmen Tagesmütter in Weyhe wieder Kinder auf. Auch bei Ilona Mirzad aus Kirchweyhe bringen dann neue Gesichter frischen Wind ins Haus. Eigentlich ist die 38-Jährige gelernte Bankkauffrau.

Doch statt mit Zahlen zu hantieren, spielt sie lieber mit Kindern. Daher hat sie sich vor zehn Jahren entschieden, als qualifizierte Tagesmutter zu arbeiten. Einen Entschluss, den sie nicht bereut.

Zwei Jungs springen auf dem Trampolin. Wenige Schritte entfernt schwingt ein Mädchen auf einer Schaukel hin und her. Kinderlachen schallt durch den Garten an der Birkenstraße. Mirzad betreut dort, in „Ilonas Krümelkiste“, zurzeit fünf Jungen und Mädchen. „Kinder machen mir Spaß“, sagt sie, schaut zu ihren Schützlingen und lächelt. Als Tagesmutter könne sie mit ihnen singen, basteln und spielen.

Mirzad hat drei eigene Kindern. Während ihrer Elternzeit vor einigen Jahren absolvierte sie einen Qualifikationskurs zur Tagesmutter, um den Nachwuchs ihrer Nachbarin offiziell betreuen zu dürfen. Es dauerte nicht lange, bis weitere Eltern bei ihr anklopften. 

„Dann bin ich da so reingerutscht“, erzählt sie. Zurück zur Bank wollte die einstige Ristedterin nicht. Trotzdem hat sie die Kündigung zunächst vor sich hergeschoben. Letztlich hat sie den beruflichen Neuanfang dann doch in Gänze gewagt. Ihr Arbeitsplatz ist somit seit zehn Jahren gleichzeitig ihr Zuhause – in ihren Augen ein Vorteil. „Mir fällt noch nicht die Decke auf den Kopf.“

Garten gleicht einem Spielplatz

In einem Jahrzehnt kann sich viel verändern. Erst vor wenigen Monaten ist Mirzad an die Birkenstraße gezogen. Dort soll demnächst ein neuer Gruppenraum mit Kuschelecke entstehen. Der Garten gleicht schon jetzt einem Spielplatz.

Nicht nur die Umgebung, auch der Alltag hat sich für die 38-Jährige gewandelt. Sie biete den Kindern mittlerweile mehr so etwas wie ein festes Programm an, berichtet sie. Als Beispiel nennt sie einen Morgenkreis. Auch Ausflüge gehören zu ihrem Angebot dazu. Am beliebtesten sind Mirzad zufolge Abstecher in die Natur. „Das ist für alle immer am schönsten.“

Schon die Mutter der Kirchweyherin betreute ein Pflegekind. Was sind die Schwierigkeiten in diesem Job? Mirzad überlegt – findet aber keine Antwort. „Ilona, Ilona!“, ruft ein Junge in diesem Moment. Schnell schaut die Betreuerin nach dem Rechten. Die Jungen und Mädchen sind nicht die Einzigen, die ihre Aufmerksamkeit verlangen. Da gibt es noch die beiden Meerschweinchen „Snoopy“ und „Minou“ sowie die junge Australian-Shepherd-Hündin „Amy“. Letztere stieß vor einem Jahr als Welpe zur „Krümelkiste“-Gruppe hinzu.

18 Personen in Weyhe qualifiziert

Zurzeit sind 18 qualifizierte Tagespflegepersonen in der Gemeinde Weyhe tätig. Sie betreuen 55 Kinder. Mirzad nimmt in der Regel Kinder im Alter von ein bis drei Jahren auf, betreute aber auch schon vier Monate alte Babys. Ihre jetzigen Tageskinder sind alle „kindergartenreif“, wie sie liebevoll sagt. Im Sommer muss Mirzad zum ersten Mal alle Kinder einer Gruppe auf einmal verabschieden. ,„Das ist schon schwer“, meint sie.

Ruhe kehrt bei ihr zu Hause aber nicht ein: In ihrer neuen Gruppe ab August ist nur noch ein Platz frei.

Mirzads eigene Kinder sind mittlerweile 8, 11 und 14 Jahre alt. Die Tagesmutter will ihren Job trotzdem noch weiter ausüben. Eines bereitet ihr allerdings Sorgen: „Krippen schießen wie Pilze aus dem Boden.“ Für viele Eltern sei es selbstverständlich, ihr Kind in eine solche Einrichtung zu geben, so ihr Eindruck. Alternativen seien vielen nicht bekannt.

Wer sein Kind zu einer Tagesmutter gebe, macht das Ilonas Mirzrads Erfahrung nach aus Überzeugung. Sie hofft, „dass es weiter Eltern gibt, die sich bewusst für eine Tagesmutter entscheiden.“

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