Steine werden umgesetzt, Inschriften korrigiert

„Kriegsgräberstätte muss überarbeitet werden“

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Der Altkreis Grafschaft Hoya hat die Kriegsgräberstätte in Leeste als eine Sammelstätte angelegt. 

Weyhe - Von Sigi Schritt. Es klingt nach einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen: Die Kriegsgräberstätte in Kirchweyhe gibt nach den Recherchen des Weyher Gemeindearchivars Hermann Greve ein falsches Bild ab und müsse überarbeitet werden. Acht Steine müssen umgesetzt und zwölf Inschriften korrigiert werden. Er will die Erinnerungsstätte ins richtige Licht rücken, sagte er kürzlich im Ausschuss für Bildung und Freizeit. Dafür muss die Gemeinde einen fünfstelligen Betrag ausgeben.

In den 1950er-Jahren ist die Stätte in der Nähe des Trafo-Gebäudes neu gestaltet worden. Seit dieser Zeit sei nichts verändert worden, obwohl es seit den 1970er-Jahren neue Erkenntnisse gegeben habe. Auf einer Fläche, so groß wie ein Klassenzimmer, befinden sich 26 Grabkreuze in Buntsandstein, außerdem steht dort ein Findling. Ursprünglich waren es Kreuze aus Birkenholz mit Stahlhelm, die an die Verstorbenen erinnern, so Greve.

Der Gemeindearchivar gibt ein Beispiel, was falsch gelaufen ist. So ist dort ein Ernst Feix mit diesen Daten aufgeführt: Geburtsdatum 27. Januar 1927, gestorben am 9. April 1945. Doch ein Schreiben der sogenannten Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht geht von einem anderen Sachverhalt aus: Ernst Feix, geboren in Neudorf im Kreis Gablonz, hat überlebt. Er ist außerdem drei Tage früher als angegeben geboren, geht aus dem Schreiben hervor. „Aber wer ist dort begraben?“, fragt Greve. Dort liege nach neuesten Erkenntnissen eine „unbekannte Person“.

Eine Antwort darauf, weshalb eine lebende Person für tot erklärt wurde, konnte Greve nicht geben, doch er weiß, wo der Verstorbene gedient hatte.

„Er war beim Ausbildungs- und Ersatzbataillon der 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division ‘Horst Wessel’. Das war eine Truppe aus über 15-Jährigen und Facharbeitern über 40 Jahren, die sich in den letzten Kriegstagen in Sudweyhe erbitterte Kämpfe mit Engländern geliefert haben“, so Greve. Die Kreisstadt Syke war einen Monat vor Kriegsende bereits kampflos besetzt worden „Die Soldaten wurden in Hamburg ausgebildet und zur Verteidigung Bremens hier eingesetzt.“ Sie hätten sich auf der Insel des Gutshofes, die von der Hache umschlossen war, eingegraben und wild geschossen. Die kampferfahrenen britischen „Desert Rats“, die Erfahrungen in Afrika und in der Normandie gesammelt hatten, rechneten laut Greve nicht mit Widerstand. Die Britten schossen nach Darstellung Greves von oben in die Ein-Personen-Löcher hinein und waren darüber geschockt, was sie getan hatten – nämlich Kindersoldaten des NS-Regimes getötet. Aber Ernst Feix war nicht unter den Toten.

Für die Steinsetzer hat der Archivar eine Tabelle mit Korrekturen angefertigt. Außerdem wirft der Rathausmitarbeiter die Frage auf, ob die schwere Kette eine zeitgemäße Begrenzung sei. Sie müsse gewartet und gepflegt werden. „Und ein Poller neigt sich bereits den Gräbern zu“, mahnt Greve.

Ist diese Kette noch zeitgemäß? Diese Frage wirft der Gemeindearchivar Greve auf. 

Eine weitere Kriegsgräberstätte gibt es in Leeste, wenige Meter von der Marienkirche entfernt. Dort hatte Greve ebenfalls zahlreiche Beanstandungen gehabt. Der damalige Kreis Grafschaft Hoya hatte diese laut Greve als Sammelstätte angelegt, die Gebeine von Menschen aus Einzelgräbern anderer Friedhöfe exhumiert und dorthin verlegt. In Leeste liegen die Gebeine von 106 Menschen unterschiedlicher Nationen, unter anderem auch aus Holland, Belgien, Polen, Russland und Jugoslawien.

Wie Dokumente belegen, war beispielsweise die Schreibweise des Nachnamens von Gerhard Lübcke ein anderer. „Es musste Lübke heißen“, so Greve. Auch Sterbedaten müssten verbessert werden. So sei Hermann Blaas nicht am 15. April, sondern am 5. April 1945 gestorben. Das seien wichtige Details, so Greve.

Der Fall Leeste ist aber geklärt. Das sei eine seiner ersten Aktionen gewesen. Der Historiker ist zwar im Januar 1978 zum ehrenamtlichen Gemeindearchivar ernannt worden, doch erst 2011 stellte ihn die Gemeindeverwaltung ein.

„Mit Kosten in Höhe von 15 000 Euro waren die Korrekturen preiswert“, sagt der Gemeindearchivar, der seit vier Jahrzehnten für die Wesergemeinde forscht.

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