Ursache vermutlich Arbeit in der Industrie

Krebs durch Asbest: Häufung in Weyhe

Weyhe - Das epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) hat die Häufung einer Krebsart in Weyhe festgestellt. Das berichtete Dr. Egbert Steffen, Leiter des Landkreis-Fachdienstes Gesundheit, am Mittwoch im Fachausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales.

Dessen Mitglieder tagten unter der Leitung von Ortwin Stieglitz (SPD) im Syker Kreishaus. Sie nahmen die Informationen mit Betroffenheit zur Kenntnis.

Wie Dr. Steffen berichtete, hatte das Krebsregister in der Zeit zwischen 2008 und 2015 insgesamt 20 Fälle sogenannter Mesotheliome registriert. Zur Erklärung: Ein Mesotheliom ist ein sehr seltener und bösartiger Tumor, der vor allem das Lungenfell befällt, so erfuhren die Mitglieder des Fachausschusses. Diese Krebsart hat eine überaus schlechte Heilungsprognose.

Betroffen sind demnach überwiegend Männer, die mit Asbest gearbeitet haben – und das schon vor Jahrzehnten. Schon der Verdacht auf eine solche Erkrankung muss der Berufsgenossenschaft gemeldet werden. „Asbest ist seit 1991 verboten“, betonte Dr. Steffen. Aber die Gefahr ist wegen der Langzeitwirkung noch lange nicht vorbei: Den Gipfel der Mesotheliom-Erkrankungen erwarten Experten für das Jahr 2020. Und: „Bremen hat mit Hamburg industriebedingt die höchsten Raten in Deutschland.“ Alle 20 in Weyhe festgestellten Mesotheliom-Erkrankten waren Männer, 19 sind verstorben. Statistisch gesehen wären im genannten Zeitraum sechs Erkrankte zu erwarten gewesen, davon eine Frau. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Nähe zu Bremen und die damals asbest-verarbeitende Industrie in der Hansestadt die Ursache für die Mesotheliom-Häufung in Weyhe ist.

Das scheine – auch angesichts der Tatsache, dass ausschließlich Männer betroffen seien – „erwartbar und plausibel“, hieß es am Mittwoch. Für eine exakte Ursachenforschung fehlen Daten und Fakten: Tote können keine Auskunft mehr geben. 

sdl

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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