Wo Körper und Seele versorgt werden

Helferinnen im Allerweltscafé Lahausen haben vielseitige Aufgaben

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Wiebke Claßen plaudert mit einer Familie aus Simbabwe, die seit etwa neun Monaten in Deutschland ist.

Weyhe - Von Julia Kreykenbohm. Interessiert betritt Ruth Fritsch das Gemeindehaus Lahausen, das sich jeden Mittwoch für drei Stunden in ein Café verwandelt. Auf den Tischen stehen Blumen in Vasen und Schalen mit Keksen. Kannen mit Kaffee, Tee und auch Säfte warten auf einem langgezogenen Tisch an der Seite. Daneben ein Rollwagen, auf dem das Schild „Schmutziges Geschirr“ in verschiedenen Sprachen liegt.

Fritsch kommt zum ersten Mal, nicht um Kaffee zu trinken, sondern weil sie etwas tun und unter Menschen sein möchte. „Ich bin Rentnerin und will nicht nur zu Hause sitzen“, erklärt sie. Als sie dann in der Zeitung las, dass das Allerweltscafé noch freiwillige Helfer sucht, stand für sie fest: Da schau' ich mal vorbei.

Ein Raum ohne Zwang

Sie steuert einen Tisch an, an dem drei Frauen entspannt zusammensitzen: Hannelore Leifeld, Wiebke Claßen und Gabi Skarupke sind die „Frühschicht“, Helferinnen der ersten Stunde und kommen nach wie vor gern ins Allerweltscafé. Sie alle lieben den Kontakt zu den Geflüchteten und wollten etwas für sie tun tun. „Viele sind sehr dankbar“, schwärmt Claßen. „Es ist schön, einen Raum zu schaffen, wo Menschen sich ohne Zwang begegnen können.“

Ein Programm gibt es im Café nicht. Die Aufgaben der Helferinnen bestehen hauptsächlich aus Kaffee- und Teekochen, Kekse bereitstellen, vielleicht ein bisschen Obst schneiden – kurzum, den Raum so herzurichten, dass die Gäste kommen können.

Ruth Fritsch zeigt der neunjährigen Hani ein paar Tricks beim Fingertwist. - Fotos:

Das alles erfährt auch Ruth Fritsch, die sich zu den Frauen gesetzt hat und ihr Anliegen vorträgt. Ihre – vielleicht – künftigen Kolleginnen freuen sich über das Interesse und erzählen von ihrer Tätigkeit. „Einige Flüchtlinge helfen auch beim Abwaschen, Abbauen und Fegen“, berichtet Claßen. Zu ihnen zählt der 16-jährige Moysen aus dem Iran, der die Frauen regelmäßig unterstützt und mit den Worten: „Da kommt ja unser großer Helfer“, begrüßt wird.

Leifeld erklärt: „Wenn neue Ehrenamtliche anfangen, zeigen wir ihnen, wo alles ist und was sie machen müssen. Man lernt das ganz schnell. Der Dienstplan steht online, wo sich jeder für die Schicht und den Tag eintragen kann, an dem er Zeit hat. Wenn irgendwo noch jemand fehlt, wird eine Rundmail geschrieben.“

Sprechen, gestikulieren - man versteht sich

Die Tür geht auf und ein Mann und seine Tochter kommen herein. Sie lächeln verunsichert und schauen sich um. „Herzlich willkommen, schön, dass ihr hier seid“, begrüßt Leifeld die beiden. „Wart ihr schon mal hier?“ „Ein Mal“, antwortet das Mädchen. „Wollt ihr etwas trinken oder essen?“ Die beiden schütteln den Kopf. „Ramadan“, lautet ihre Erklärung. „Ach ja!“, rufen die Helferinnen – und alle müssen lachen. Den heiligen Fastenmonat der Muslime haben sie ganz vergessen. „Dann werden wohl heute nicht so viele kommen“, meint Leifeld.

Sie irrt. Nach und nach füllt sich der Raum. Eine Familie aus Simbabwe und eine aus Afghanistan lassen sich an den Tischen nieder. Auch die, die fasten, sind gekommen, weil sie Kontakt suchen und plaudern möchten – untereinander und mit den Helferinnen. Denn auch das gehört ein bisschen mit zu deren Aufgaben: Die Menschen in Empfang nehmen, zuhören und reden – damit nicht nur der Körper versorgt wird. Manche bringen auch amtliche Schreiben mit, die sie nicht verstehen und bitten um Hilfe. Wenn die Frauen können, übersetzen sie oder geben Tipps, an wen die Flüchtlinge sich wenden können. Sie sprechen langsam, gestikulieren und irgendwie versteht man sich. Aber das ist keine ihrer vordergründigen Aufgaben.

Plötzlich mittendrin

Während sich die Erwachsenen unterhalten, laufen die Kinder umher und erfüllen das Café mit Leben. Vom Kickertisch im Vorraum erklingt begeisterters Jubeln. Einige wuseln in das Zimmer nebenan, um dort mit Helferinnen zu basteln, zu spielen und zu malen. Einige Frauen kommen so gern zum Café, weil sie es lieben, sich mit den Kleinen zu beschäftigen. Aber sie haben den Eltern auch klar gemacht: „Wir sind keine Erzieherinnen und nicht für die Kinder verantwortlich. Die Eltern müssen auch aufpassen, dass die Kleinen beispielsweise nicht auf die Straße laufen.“

Ruth Fritsch steht auf und verabschiedet sich von den Frauen. Gerade, als sie gehen will, kommt Hani angehüpft. Die Neunjährige aus Afghanistan spricht bereits sehr gut deutsch und hat Fingertwist für sich entdeckt, doch so ganz will es noch nicht gelingen. „So ist das falsch“, bemerkt Fritsch lachend. Keine drei Sekunden später steht Hani vor ihr und lässt sich ein paar Tricks zeigen. „Kommst du öfter her?“, fragt Fritsch. Hani nickt. „Ja? Ich komme jetzt auch öfter“, verspricht die Ältere.

Hinter ihr kommt Irene Maertins herein. Sie hat heute keinen Dienst, schaut aber trotzdem vorbei, denn sie hat einen besonderen Gast im Schlepptau, dem sie das Allerweltscafé zeigen will: Lorivo Haack. Seine Familie stammt ursprünglich aus dem Hunsrück und wanderte vor rund 200 Jahren nach Brasilien aus, weil es in Deutschland weder Essen noch Arbeit gab.

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