Anfänge der Firma Wehrmann Ziegel reichen bis 1859 zurück

Das Ziegel-Know-how kam von den Lippischen Ziegeleimeistern

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Auf dem Bild wird deutlich: Backsteine sind zeitlos schön.

Sudweyhe - Von Sigi Schritt. Die Kunst, aus dem Weserton einen guten Stein zu brennen, haben die Keramiker der letzten Ziegelei im Landkreis Diepholz in vielen Jahrzehnten beherrscht. Der frühere Inhaber Hans-Heinrich Meier blickt auf die Anfänge des Traditionsunternehmens Wehrmann zurück, die bis in das Jahr 1859 reichen. Mit Kunst hatte der Baustoff aber nichts zu tun. Er war eine wichtige Versicherung für so manches Dorf.

Auf diesem historischen Bild posieren der Ziegeleimeister und seine Angestellten für die Kamera. Zum aufwendig arrangierten Gruppenbild durften Produktionsmittel wie Schubkarren und Pferde nicht fehlen. Später übernahm eine Feldbahn den Transport der Steine. - Repro: Ehlers

Mitte des 19. Jahrhunderts, so berichtet Meier, waren die Fachwerkhäuser mit Lehm verschmiert und standen in den Dörfern nah beieinander. „Brannte ein Haus, war das ganze Dorf oftmals ausgelöscht“, so Meier. Im Zuge der Industrialisierung fing man an, dort Ziegeleien zu bauen, wo es Rohstoffe gab. „In nächster Umgebung entstanden zehn Ziegeleien: in Ahausen, Dreye, Leeste und Syke sowie drei in Arsten.“ Doch die Eigentümer der tonhaltigen Flächen waren keine Fachleute. Die gab es auch sonst nicht im norddeutschen Raum. Die Bauern wurden dennoch fündig: in Ostwestfalen-Lippe. In der Stadt Lage war die Schule, in der die Ziegelmeister ausgebildet wurden, so Meier. Einer davon war sein Vorfahre.

Damals trafen die Meister auf Ziegeleibesitzer, um eine Jahresproduktion zu besprechen. Ein Fachmann sollte für seinen Auftraggeber eine bestimmte Anzahl an Steinen brennen, dafür wurde ein Preis festgelegt. Jeder Meister musste auch sein Team zusammenstellen. Der Ziegeleibesitzer übernahm den Verkauf der Steine auf eigene Rechnung.

Statistik beginnt 1859/60

Die Lipper Wanderziegler teilten sich daraufhin das Geld nach Abzug der Ernährungskosten anteilig auf. „Der erste statistische Bericht an den König von Hannover thematisiert die Produktion in den Jahren 1859/1860“, sagt Meier.

„Mein Urgroßvater Heinrich Wehrmann war ein solcher Meister. Er hatte den Betrieb ab 1884 gepachtet.“ Von den Anfängen an produzierte das Unternehmen nicht nur Steine, sondern bis 1968 auch Hohlpfannen.

Diese historischen Steine hat Hans-Heinrich Meier fürs Kreismuseum zusammengestellt. - Foto: Ehlers

Die hohe Flexibilität der Formate hätten die Baufirmen zu jeder Zeit geschätzt, blickt der Sudweyher zurück. Die Ziegelei konnte das alte Reichsformat, das der preußische König 1873 genormt hatte (250 Millimeter Länge, 120 Millimeter Breite und 65 Millimeter Höhe) genauso produzieren wie das spätere und heute gebräuchliche Bundesformat (240, 115, 71). Allerdings waren die Maße des Reichssteins für die Kirchen und Rathäuser anders: 285, 123, 85. Im Jahr 1920 hatte Wehrmann den Betrieb gekauft. In beiden Weltkriegen stand die Produktion still. „Mein Großvater galt nach dem Kriegsende jedoch als unbelastet, weil er nicht in die Partei eingetreten war. Deshalb hatte er südöstlich von Moskau im Rang eines Hauptmanns und nicht als Major als Versorgungsoffizier fungiert. Eine Beförderung blieb aus.“ Zurück in heimischen Gefilden baute der damals 50-Jährige mit seinen Kriegskameraden und seinen vier Töchtern das Sudweyher Unternehmen wieder auf. Ton vor der Haustür gab es schließlich reichlich.

1967 tut ein Ringofen seinen Dienst

Der Grundstoff blieb, die Technik dahinter veränderte sich. Musste der in Form gepresste Lehm in Hunderte Meter langen Schuppen bis 1960 getrocknet werden, heizte die Firma 1961 den ersten Trockner an. Ab 1967 sorgte ein Ringofen für die Hitze.

Ein Blick in die Halle, in der derzeit nur noch eine Produktionsstraße übrig geblieben ist. - Foto: Ehlers

Als sein Vater an Gelbsucht erkrankte, musste Meier junior einspringen – im Alter von 17 Jahren. Hans-Heinrich Meyer, 1953 in Bremen geboren, hatte die Schule in Dreye absolviert. Er wollte aber nach einem Besuch der Realschule in Thedinghausen und der höheren Handelsschule in Bremen Keramik studieren. Daraus wurde nichts. „Entweder kommst du her, oder wir machen den Laden dicht“, erinnert sich Meier an die Worte seiner Mutter. Er kam. Der Optimist und gläubige Christ nahm die Herausforderung an, mit einem Team den Ton aufzubereiten, dann die Steine zu verpressen, zu trocknen und zu brennen – und sorgte für einen florierenden Vetrieb.

Der Christdemokrat engagierte sich auf höchster Ebene als Vizepräsident in seinem Berufsverband sowie im Gemeinderat. Auch war er Vize-Bürgermeister in Weyhe.

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