Premiere von „Schwere Jungs“ im Weyher Theater

Knackis entdecken ihr Talent für die Schauspielerei

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Schwere Jungs dürfen auch mal Spielkinder sein und sich mit Ken und Barbie beschäftigen.

Weyhe - Von Regine Suling. Eigentlich sind sie richtig schwere Jungs. Aber in ihnen steckt auch Talent. Sie sind mehr als nur Verbrecher, die ihre Strafe hinter schwedischen Gardinen absitzen. „Sie sollen sich spielend neu erfahren“, findet die Gefängnispsychologin Dr. Viola Weiß (Nathalie Bretschneider) und startet ein Experiment. Sie will die Handwerkerszenen aus Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ auf die Gefängnisbühne bringen, und vier Knackis sollen die Hauptrollen spielen.

So wurde die Premiere der Komödie „Schwere Jungs“ von Frank Pinkus am Freitagabend im Weyher Theater gleichzeitig auch ein stückweit zu einer Shakespeare-Inszenierung – und zu einer besonders gelungenen und umjubelten noch dazu.

„Ich hab‘ mal ein halbes Bürohaus in die Luft gesprengt, und jetzt lese ich Shakespeare“, stöhnt der überaus schüchterne Klaus, genannt Knille, und blättert im Textbuch. Er soll den Handwerker Zettel spielen, der im Stück den Pyramus darstellt. Eine Rolle, die ihm gar nicht behagt. Selbstbewusst muss er sich dabei geben, aus sich herausgehen.

„Theater spielen ist so gar nicht meins“, sagt auch Christian, genannt Roy, der nur zu gerne Roy Black-Songs intoniert. Der Heiratsschwindler teilt seine Zelle mit dem schwulen Robert, genannt Robby, dessen größte Freude es ist, mit seinen Knacki-Kollegen unter die Dusche zu gehen und mit Barbie-Puppen zu spielen.

„Ich spiele keine Weiberrolle“

Letzterem kann sich auch Christian nicht erwehren: „Hey Puppe, ich bin nur hier, um mit dir in den Büschen zu verschwinden“, sagt Christian als Ken zu Robbys Barbie. In Shakespeares Sommernachtstraum spielt er den Handwerker Peter Squenz und eine Wand, während Robby den Handwerker Schnauz und den Löwen geben soll. Beiden gefallen diese Rollen ganz und gar nicht.

Macho Sven, genannt Pienza, soll als Handwerker Flaut die Thisbe verkörpern, also eine Frauenrolle übernehmen. „Ich spiele keine Weiberrolle“, stellt er lautstark klar. „Hier spielt jeder das, was er auf den ersten Blick nicht mag“, sagt die Gefängnispsychologin, die von allen nur liebevoll die „Olle“ genannt wird.

Rollen sind perfekt besetzt

Sie behält recht, denn das Ensemble des Weyher Theaters überzeugt. Die Rollen des von Kay Kruppa inszenierten Stücks sind perfekt besetzt: Hermes Schmid liefert als schwuler Robby eine grandiose schauspielerische Leistung ab. Genauso wie Thorsten Hamer, der vom schüchternen Knacki zum selbstbewussten Mann mutiert und seinem Zellenkumpan Sven zeigt, wie man als Frau geht: „Hintern raus und los und ein bisschen mehr in der Hüfte drehen.“

So unterrichtet, legt Marco Linke als Sven die perfekte Verwandlung zur Frau hin – und Christian (Patrick Michel) lernt, mal nicht zu singen und in der Rolle der Wand ruhig zu bleiben. Auch der Gefängnisdirektor Dietmar Spangenberger (Joachim Börker) wird Teil der Aufführung. So ist es fast wie in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, wo der Auftritt der Handwerker ebenfalls ein Stück im eigentlichen Stück bildet.

„Schwere Jungs“ sind kurzweilig und lustig, sympathisch und liebenswert, treiben einem mitunter die Lachtränen in die Augenwinkel – und sind garantiert einen Theaterbesuch wert.

www.weyhertheater.de

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