Hunderte Schüler streiken auf dem Marktplatz

„Fridays for Future“-Demo: Klimaproteste erreichen Weyhe

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Die Kreativität der jungen Demonstranten kennt keine Grenzen. Nach dem Vorbild von Greta Thunberg protestieren sie in Weyhe.

Kirchweyhe - Von Luka Spahr. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, schallt es über den Kirchweyher Marktplatz. Rund um die Welt fordern derzeit Millionen von Schülern und jungen Menschen mehr Umweltschutz von der Politik. Die Bewegung „Fridays for Future“ mit ihrer Galionsfigur Greta Thunberg ist ein globales Phänomen. Jetzt sind die Proteste in Weyhe angekommen.

Am Freitag um 12 Uhr sieht der Marktplatz so viele junge Leute gleichzeitig, wie wohl schon lange nicht mehr. „Die Jugend ist politisch!“, ruft Organisator Siard Schulz von einem kleinen Podest aus in ein Mikrofon. Lautes Klatschen und Jubeln. Vor ihm: ein Wall aus Plakaten und Transparenten. Darauf geschrieben sind Forderungen und Sprüche wie dieser:

Alle wollen zur Natur zurück, aber keiner geht zu Fuß.

Während der Himmel sich hinter einer dicken Wand aus Wolken versteckt und die Ansprache von Schulz über den Marktplatz schallt, ticken acht kleine Zeigefinger immer wieder verschiedene Demonstranten an. „Möchtest du ein Flugblatt haben?“ Die Klasse 5b von der KGS Kirchweyhe verteilt eine handgeschriebene Liste. 

Siard Schulz ist einer der Hauptorganisatoren der Demo.

„Fahren Sie mit dem Fahrrad statt dem Auto“, steht zum Beispiel darauf. 80 Kopien hat ihr Lehrer von der Liste gemacht, erzählen die Kinder. Warum sie nur zu acht da seien? „Die anderen wollten lieber Sport machen. Aber es geht um unsere Zukunft!“ Auf der Tribüne ist gerade Pause und Die Ärzte singen aus den Lautsprechern: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Tut endlich was! Wir wollen zur Schule!

Regen setzt ein. Siard Schulz, der mit seinen 22 Jahren in Bremen Politik studiert, ruft von der Bühne: „Wir lassen uns nicht vorschreiben, wann wir zu demonstrieren haben.“ Das sei „keine nette Freizeitbeschäftigung“, was sie da gerade machen. Nachdem er neben der zunehmenden Umweltverschmutzung auch den Rechtsdruck in Deutschland kritisiert hat, erklärt er außerdem: Die Ursache vieler Probleme sei der Kapitalismus. Seine Forderung: „Eine neue Form des Wirtschaftens“.

Warming! Warming!

Sonja Eden steht ein wenig abseits und lächelt. Sie ist keine Schülerin mehr. Es sei schön, dass so viele gekommen sind und die Demo sei ein „guter Anfang“. Auch wenn sie Mitglied im Förderkreis der KGS Leeste ist: An diesem Tag ist sie als Interessierte da. Ein wenig weiter steht Ulrike Kunze. Die Kirchweyherin ist wegen ihrer Kinder da. Eine Demo an einem Schultag? Damit habe sie kein Problem. „Ich bin froh, dass es jetzt auch in Weyhe losgegangen ist.“

Gönnt uns doch auch eine Zukunft.

Trotz des Regens stehen die Schüler weiterhin um die kleine Bühne. Gerade noch haben Vertreter von Greenpeace und des Nabu sowie einige Schüler gesprochen. Dann wurde zusammen ein Lied gesungen. In der Mitte des Platzes stehen zwei Polizisten. Sie sagen, sie seien zum Schutz der Versammlung da. Zwischenfälle habe es noch nicht gegeben. Dafür eine sehr gute Zusammenarbeit im Vorfeld.

Lass mich, ich kann das...oh kaputt.

Nach eineinhalb Stunden leert sich der Platz langsam und die letzten Redebeiträge gehen zu Ende. Siard Schulz und Mitorganisatorin Malin Uhlhorn zeigen sich nach einer ersten Schätzung von 500 Teilnehmern zufrieden. „Das ist eine absolut gute Zahl fürs erste Mal“, so Schulz. Die Polizei berichtet später von rund 350 Demonstranten und nennt keine besonderen Vorkommnisse.

„Fridays for Future“ in Weyhe: 350 Menschen auf dem Marktplatz

 © Jantje Ehlers
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Planet Earth First.

Zwei Wochen vor den Osterferien hatten die Organisatoren damit begonnen, die einzelnen Schülervertretungen aus dem Umland miteinander zu vernetzen. „Es war ein Mordsaufwand, aber es hat sich gelohnt“, erzählt die 18-jährige, die gerade mitten im Abi-Stress steckt. Neben der Beschaffung der Technik für die Demo haben die Organisatoren auch die Osterferien vor Probleme gestellt. „So wie es jetzt war, geht es nicht nochmal“, sagt Uhlhorn. Wird es noch einmal eine Demo in Weyhe geben? „Es wäre dumm, sowas nur einmal zu machen“, findet Schulz. Auch weiterhin umstrittenerweise an einem Schultag? „Ich glaube, dass Protest immer wehtun muss.“

Während der letzten Redebeiträge zeigt sich auch die Sonne wieder. Allen Wetterkapriolen zum Trotz ragt ein Plakat die ganze Zeit in der ersten Reihe nach oben:

Es ist noch nicht zu spät.

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