Mit der Kraft einer engagierten Familie

Klimanotstand für Weyhe? Malin Uhlhorn kämpft gegen Erderwärmung

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Malin Uhlhorn, Schulsprecherin der KGS Leeste, kann auf die Unterstützung ihrer Eltern rechnen. Uta und Jens Uhlhorn sind ebenfalls engagiert – regional und bundesweit.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, heißt es in einem Sprichwort. Und so verhält es sich auch mit Malin Uhlhorn. Die 18-jährige Abiturientin, die an der Spitze der Schülervertretung der KGS Leeste steht, zeigt als Klimaaktivistin und Mitorganisatorin des ersten Fridays-for-Future-Protests im Landkreis wie ihr internationales Vorbild Greta Thunberg Zähne.

Weyhe –  Mit der ganzen Kraft einer engagierten Familie folgt die 18-Jährige den Fußstapfen ihrer Eltern Uta und Jens. Sie kämpfen seit vielen Jahren sowohl regional als auch bundesweit unter anderem erfolgreich für bessere Arbeitsbedingungen mehrerer Berufsgruppen. Beide unterstützen die Forderung ihrer Tochter, dass die Politik in Weyhe den Klimanotstand ausrufen soll.

Der Protest geht weiter, sagt Malin Uhlhorn. Am Freitag, 24. Mai, folgt die nächste Fridays-for-Future-Demo. Foto: Sigi Schritt

Malin Uhlhorn hat wie die junge Schwedin Greta Thunberg zuerst ihre Eltern von der Notwendigkeit überzeugt, mehr als bislang für das Klima zu tun. Der Einsatz für eine konsequente Klimapolitik fange nämlich bei sich selbst an. Das hatte auch Greta Thunberg erlebt, bevor sie die Schulstreiks für das Klima auslöste, die zur globalen Fridays-for-Future-Bewegung avancierten. Der einflussreiche Teenager hatte ihre Mutter und ihren Vater dazu bewogen, mehr auf den Zug statt auf das Flugzeug zu setzen. Statt Konzerte in Übersee gibt es nur welche in Europa, lautet eine der Konsequenzen. Das schränkt ein, ist aber gut fürs Klima. 

Malins Vater Jens Uhlhorn hat die bundesweite Bewegung „Therapeuten am Limit“ ins Leben gerufen. Foto: Sigi Schritt

Nun sind Malins Eltern Uta und Jens weder internationale Opernsängerin noch Schauspieler, sondern beide Physiotherapeuten. Doch die Diskussionen im Hause der Weyher Familie hatten ebenfalls Veränderungen zur Folge. So steigen die Uhlhorns längst nicht mehr in ein Flugzeug, wenn sie innerhalb Deutschlands unterwegs sind. Vater Jens stellte die Ernährung um, isst nicht mehr so viel Fleisch und verzichtet sogar auf Fast-Food-Burger. Damit vermeidet er viel Verpackungsmüll. Außerdem werden in der Küche der Uhlhorns hauptsächlich regionale und saisonale Lebensmittel verarbeitet.

Malins Mutter Uta Uhlhorn kämpft aktuell dafür, dass angehende Heilmittelerbringer für ihre schulische Ausbildung kein Geld bezahlen müssen. Foto: Sigi Schritt

Es gebe zudem einen Konsens in der Familie, dass die Gesellschaft erheblich mehr tun müsse, um das Klima zu retten. Wer verhindern will, dass die weltweite Durchschnittstemperatur um zwei Grad steigt, dürfe eigentlich gar nicht mehr mit dem Flugzeug fliegen und müsse das Auto abschaffen. „Wir hauen pro Person im Jahr 8,7 Tonnen Kohlendioxid hinaus. Wir müssen diesen Wert auf zwei Tonnen reduzieren“, ergänzt Vater Jens. Er lobt seine Tochter, radikale Forderungen aufzustellen, um nichts anderes als die globale Erderwärmung und eine Umweltkatastrophe mit Ansage zu verhindern. Malin Uhlhorn spricht sich dafür aus, dass Weyhe wie zuvor Konstanz den Klimanotstand ausruft. Die Kommune am Bodensee hatte Anfang des Monats als erste deutsche Stadt den Klimanotstand beschlossen und sich dabei verpflichtet, Ratsentscheidungen auf Klima-Auswirkungen zu untersuchen.

Am 24. Mai folgt nächste Fridays-for-Future-Demo

Der jüngste Fridays-for-Future-Protest auf dem Weyher Marktplatz zeigte, dass die Kinder von Sozialdemokraten, Christdemokraten, Grünen und den Liberalen gemeinsam in der guten Stube der Gemeinde für Veränderungen demonstrierten – unter den Augen von Kommunalpolitikern und Vertretern der Verwaltung. Die müssten jetzt liefern, so die 18-Jährige. Sie verspricht, dass der Protest weitergeht: Am Freitag, 24. Mai, folgt die nächste Fridays-for-Future-Demo, die sie erneut mit dem Studenten Siard Schulz vorbereitet. Die Oberstufenschülerin hofft, dass sie und Schulz weitere junge Menschen anstecken, sich für die gute Sache einzusetzen.

Uta Uhlhorn gründete Verein Gesundheitssport Weyhe

Von ihren Eltern habe Malin Uhlhorn gelernt, dass es erfüllend sei, Probleme anzusprechen und zu schauen, wo man sich engagieren kann, um Situationen zu verbessern. Was ihre Mutter verändern möchte? Derzeit kämpft Uta Uhlhorn, geboren 1970 in Hamburg, dafür, dass angehende Heilmittelerbringer für ihre schulische Ausbildung kein Geld bezahlen müssen. Als Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beim Zukunftsdialog zu Gast in Weyhe war, nutzte sie die Gelegenheit, um für ihr Anliegen zu werben. Zwar gilt das in Niedersachsen ab Sommer für Anfänger, aber eben nicht für den zweiten und dritten Jahrgang. Obgleich Niedersachsen dafür 1,5 Millionen Euro bezahlt, müsse nachgebessert werden. 

Neben dem berufspolitischen Engagement hatte die 48-Jährige vor Jahren den Verein Gesundheitssport Weyhe gegründet und fungiert als deren Vorsitzende. „Es geht darum, Menschen an den Sport heranzuführen, um Lebensqualität zu erhalten. Darum dreht es auch bei ihrer Arbeit im Vorstand des Bundesverbandes Rehasport Deutschland. Dieser Verband ist laut Uhlhorn Bindeglied zwischen Politik, Krankenkasse und Anbieter vor Ort. Es gehe um Menschen, die von Behinderung bedroht sind oder Einschränkungen haben.

Ihr Ehemann Jens, geboren 1968 in Bremen, will ebenfalls die Situation von Heilmittelerbringern verbessern. Er hatte im vergangenen Jahr die Bewegung „Therapeuten am Limit“ mitgegründet. Der bundesweite Protest hatte laut Uhlhorn immerhin bewirkt, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zugehört und für eine bessere Vergütung gesorgt hat. Außerdem habe die Bewegung eine Entbürokratisierung des Jobs der Physiotherapeuten durchgesetzt. Die Erhöhung der Honorare um 30 Prozent ist laut Uhlhorn zwar „gigantisch“ gewesen. Sie müssten jedoch weiter steigen, weil das Einkommen längst nicht auskömmlich sei, um eine künftige Altersarmut zu verhindern.

Jens Uhlhorn ist gespannt, wohin sich seine meinungsstarken Kinder entwickeln. Er erinnert daran, dass er vor dem damaligen Beginn seines Jura-Studiums als Sprecher aller Jahrgänge seine Schule als „atomwaffenfrei“ ausgerufen hatte. Ob Malins Schwester Mette (16) den aktuellen Protest fortsetzt, werde sich zeigen. Denn Jens Uhlhorn sieht auch in seiner jüngsten Tochter viel Potenzial: Wie Malin sei auch Mette Mitglied der DLRG. Beide übernehmen im Sommer Wachdienst am Steller See und im Freibad Weyhe. Während Malin in wenigen Wochen die Schule verlässt, kann Mette, so alt wie Greta Thunberg, aus Schülersicht verfolgen, welche Konsequenzen sich aus den Fridays-for-Future-Aktionen ergeben und eigene Akzente setzen.

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