Willkommensgeschenke für Neugeborene

Kleine Socken für kleine Füße

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In gemütlicher Runde stricken die Damen für Babys. Ute Jarzak (r.) bringt die Ergebnisse regelmäßig nach Bremen.

Leeste - Von Katharina Schmidt. In einem Raum im Obergeschoss der Alten Wache in Leeste klappern Stricknadeln und Kuchengabeln. Rund zehn Frauen stricken, plaudern und essen Johannisbeer-Baisertorte.

Auf einem Tisch in ihrer Mitte liegen winzige, in Handarbeit gefertigte Socken und Mützen. Manche Strümpfe sind gerade mal so groß wie eine Pflaume. Die mit Bommeln und Schleifen liebevoll verzierten Kleidungsstücke sollen Köpfe und Füße von Neugeborenen wärmen.

Die Frauen gehören zu der Gruppe „Quatschen-Stricken-Häkeln“ des Seniorenvereins Alte Wache. Jeden dritten Donnerstag im Monat treffen sie sich ab 15.30 Uhr. Anfangs hat jeder sein eigenes Projekt mitgebracht. Mittlerweile arbeiten sie gemeinschaftlich an der wohltätigen Aktion „Stricken für Frühchen“. 

Ein Titel, der laut Organisatorin Ute Jarzak mittlerweile nicht mehr so ganz stimmt. „Das Krankenhaus hat uns gebeten, nicht nur für Frühchen, sondern für alle Neugeborenen zu stricken“, erzählt sie und nippt an einer Tasse Tee.

Für das St.-Joseph-Stift in Bremen

Bei dem Krankenhaus handelt es sich um das St. Joseph-Stift in Bremen, in dem im Jahr 2017 insgesamt 2112 Kinder auf die Welt gekommen sind. Die Mitarbeiter vergeben die Kleidungsstücke zum Beispiel beim Bonding. Dabei wird das Baby nach der Geburt auf die Brust der Mutter gelegt, um die Mutter-Kind-Bindung zu stärken. 

„Wenn die Kinder noch nasse Haare haben und die Temperatur allein noch nicht halten können, kriegen sie schnell ein Mützchen auf, um sie warmzuhalten“, berichtet Anja Ladewig, Pressesprecherin der Klinik, auf Anfrage. Die gestrickten Geschenke kommen ihr zufolge sehr gut an. Das bestätigt Schwester Manuela, Teamleiterin der Integrativen Wochenbettstation: „Die Eltern sind ganz erstaunt, dass wir so etwas vorrätig haben, und freuen sich sehr, wenn wir ihnen von unseren Strick-Omis erzählen. Es ist eine so tolle Aktion.“

Die Mitglieder der Weyher Gruppe stricken eigenen Aussagen zufolge, weil es ihnen einfach Spaß macht. „Und weil wir schon alle 28 Schals zu Hause haben. Und mindestens genauso viele Paar Wollsocken“, ergänzt Teilnehmerin Renate Haufe. Die anderen Frauen blicken zu ihr und schmunzeln, während ihre Finger weiter Masche für Masche abstricken.

Ein Schritt Richtung Neubeginn

„Meine Familie hat auch schon 40 Paar Socken“, stimmt Maria ihr zu. Sie ist zum ersten Mal in der Alten Wache dabei, ebenso wie Renate. Für Renate ist das Treffen ein Schritt Richtung Neubeginn. „Mein Mann ist vor einem halben Jahr gestorben. Für ihn habe ich immer Socken gestrickt“, erzählt sie. Seit dem schweren Verlust hat sie ihre Stricknadeln nicht wieder in die Hand genommen – bis zu diesem Tag. 

Sie hat alte, mit Erinnerungen verbundene Reihen aufgeribbelt, um in Gemeinschaft daraus etwas Schönes für Neugeborene zu zaubern. Während sie genau das tut, erinnert sie sich lächelnd, dass sie früher sogar im Auto beim Warten vor Bahnübergängen gestrickt habe.

Die Mitglieder der Handarbeitsgruppe – insgesamt sind es etwa 15 – produzieren nicht nur bei den monatlichen Treffen kleine Willkommensgrüße für Babys. „Alle sind auch zu Hause fleißig“, berichtet Jarzak. Zum Beweis deutet sie auf die Kleiderstücke auf dem Tisch. Gerade im Winter widmeten sich viele den Wollknäueln. 

„Da fällt nicht so viel Gartenarbeit an, man hat mehr Zeit.“ Lange Zeit seien Handarbeiten außer Mode gewesen. Jetzt erfahre das Hobby eine Renaissance. Einen Teil der für ihr Projekt benötigten Wolle bekommen die Damen von „Quatschen-Stricken-Häkeln“ durch Spenden. Den Rest finanziert der Seniorenverein.

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