Klaus Kasimirs arbeitet nach plötzlicher Entlassung als freiberuflicher Berater

Aus tiefem Loch Schritt in Selbstständigkeit gewagt

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Nicht am Akkordeon, sondern am PC: Klaus Kasimirs hat sich mit über 60 Jahren als IT-Berater selbstständig gemacht, nachdem er als leitender Mitarbeiter freigestellt worden war.

Weyhe - Von Philipp Köster. Als sich die insolvente IT-Firma im Dezember 2014 von etlichen älteren Mitarbeitern trennen wollte, dachte Klaus Kasimirs nicht im Traum daran, dass auch er dazu zählen würde. So kam es aber. Für den leitenden Mitarbeiter war das ein Schlag ins Kontor.

„Das trifft einen eiskalt. Ich habe nicht damit gerechnet“, sagt der Lahauser. Er sei in ein tiefes Loch gefallen, habe sich mit Selbstzweifeln geplagt: „Mich will doch eh keiner, denkt man sich. Und es fällt einem fort-an schwer, selbst die einfachsten Aufgaben zu lösen.“

Dazu kommen die finanziellen Einbußen. Gutverdiener liegen deutlich über der Beitragsbemessungsgrenze, vergleicht man ihr Gehalt mit der Unterstützung in der Arbeitslosigkeit.

Somit war für den heute 62-Jährigen klar, dass es beruflich weitergehen muss. Klaus Kasimirs hatte nebenberuflich schon eine Firma. Und er holte sich Hilfe von außen: zum einen über die Auffanggesellschaft, in die er nach der Freistellung gekommen war, zum anderen bei der Existenzgründerberatung des Bremer Senior- Service im Weyher Rathaus.

Dort bekam er von Berater Frank Rönz die Unterstützung, die er für die Umwandlung seines zuvor nebenberuflich betriebenen Unternehmens in die Vollzeit-Selbstständigkeit benötigte.

Allerdings stieg Kasimirs nicht etwa tief ins Musikgeschäft ein – er unterhält viele Weyher und Auswärtige als Teil des Akkordeonduos Cornelia und Klaus –, sondern machte sich als Berater für SAP-Fragen selbstständig.

„Aller Anfang ist schwer“, bilanziert er die ersten Monate. Durch den Ausfall aller Server bei einer Oldenburger Firma ist Kasimirs unlängst ein Auftraggeber weggebrochen, gleichwohl ist ihm um die Zukunft nicht bange.

Frank Rönz vom Senior-Service hat beobachtet, dass in der jüngeren Vergangenheit viele ältere Ratsuchenden ab 50 plus sein Angebot nutzen. Darunter sind Rönz und Gemeinde-Wirtschaftsförderer Dieter Helms zufolge nicht wenige, die vormals eine gehobene Stellung hatten. „Die ehemaligen Manager wollen dann oft gern als Berater tätig sein“, sagt Rönz. Das sei aber nicht immer ratsam. Zu viele tummelten sich im Berater-Becken. Und gerade wer in großen Konzernen gearbeitet habe, werde vom Mittelstand oft schlichtweg nicht verstanden.

Viele Ältere müssten sich auch deshalb selbstständig machen, weil sie schlichtweg keine oder nur geringe Chancen auf eine neue Anstellung bekommen. „Man scheitert wegen des Alters schon in der Personalabteilung, nicht in der Fachabteilung“, sagt Kasimirs.

Die Selbstständigkeit dient laut Rönz als Einkommensbrücke bis zur Rente. Probleme für ältere Gründer seien unter anderem zu geringes Startkapital, weniger Zeit für die Kreditzurückzahlung, veraltetes Wissen und die starke Belastung. Demgegenüber stünden das hohe Maß an sozialer Kompetenz und Lebenserfahrung sowie an besonnener und zielgerichteter Strategie. „Ältere haben zudem Branchenerfahrung und gute Kontakte“, sagt Frank Rönz.

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