Tafel in Leeste: Zahl der Kunden sinkt 

150 Kisten voll Lebensmittel für bedürftige Menschen

+
Elke Schmidt (r.) und Berit Olsen helfen ehrenamtlich und mit Spaß bei der Tafel-Ausgabestelle in Leeste.

Leeste - Von Katharina Schmidt. Freitag, 13 Uhr. In dem ehemaligen Reformhaus an der Leester Straße treffen Helfer der Tafel letzte Vorbereitungen für die Lebensmittelausgabe. Sie stapeln grüne Plastikkisten aufeinander, in denen sich Obst, Brot, Kekse und mehr türmen. Vor dem Gebäude bildet sich währenddessen eine Schlange aus Menschen. Es sind Männer und Frauen, Junge und Alte, Migranten und Einheimische. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind so arm, dass ein Einkauf im Supermarkt nicht mal eben so möglich ist.

Die 54-jährige Berit Olsen aus Lahausen gehört zu den Helfern, die die Lebensmittelausgabe vorbereiten. Sie blickt nach draußen und sagt: „Viele Weyher denken, dass man hier eine Tafel gar nicht braucht. Dass es hier solche Armut nicht gibt.“ Mit einem Seufzen zeigt sie auf die Schlange. „Doch, das gibt es.“

In Weyhe und Stuhr besitzen aktuell knapp Hundert Menschen einen Tafelausweis. Das sind deutlich mehr als vor zehn Jahren, aber weniger als 2016. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Tafelkunden laut Carla Pfitzner, Koordinatorin der Leester Ausgabestelle, „dramatisch hoch“. Nicht zuletzt aufgrund der Flüchtlingswelle hätten sie und ihre Kollegen bis zu 150 Ausweise gezählt. Hinter jedem können bis zu zehn Personen stecken – in der Regel holt eine Person Essen für die ganze Familie.

Dass sich die Situation nun wieder entspannt, führt Pfitzner vor allem auf Familienzusammenführungen und damit verbundene Umzüge zurück. Ein Ausweis ist ein halbes Jahr gültig.

Neue Gesichter aus fremden Ländern bewegten Olsen vor zwei Jahren dazu, bei der Tafel ehrenamtlich mit anzupacken. Sie war neugierig und wollte schauen, wer da so nach Weyhe kommt, erzählt sie munter, während sie Brötchen griffbereit auf einen Tresen vor sich legt. Wie sich manche Leute gegenüber Flüchtlingen und Bedürftigen verhalten, findet sie „einfach nur peinlich“. Schon öfter hat sie erlebt, dass Menschen, die selbst genug Geld haben, Tafelempfängern misstrauen, weil sie angeblich mit teuren Autos zur Ausgabestelle fahren würden. Dabei parken ihr zufolge vor dem ehemaligen Reformhaus zumeist nicht die Wagen der Bedürftigen, sondern die der Helfer.

Elke Schmidt aus Leeste, 67, hilft Olsen beim Sortieren der Brötchen. Sie ist bereits seit neun Jahren Teil des Teams. „Irgendetwas Sinnvolles wollte ich tun“, sagt sie. Ihr macht die Arbeit Spaß. „Hier kommen so viele Menschen und Kulturen zusammen. Allein die Sprachen, die die Kunden sprechen.“

Vor dem Ándrang: Die Helfer laden die Kisten mit den Lebensmitteln aus einem Kleintransporter aus. Gäbe es die Tafel nicht, wäre das meiste Essen voraussichtlich im Müll gelandet. - Foto: Husmann

Insgesamt ist das Team der Leester Ausgabestelle rund 40 Personen stark, aber nicht jeder ist immer im Einsatz. Pro Essensausgabe sind 15 Helfer nötig. Generell sei die personelle Lage in Weyhe derzeit gut, berichtet Koordinatorin Pfitzner. Allerdings suche die Syker Tafel, die neben der Leester Ausgabestelle auch in Syke und Bruchhausen-Vilsen Essen verteilt, händeringend Fahrer.

Sprinter steuern fast täglich Supermärkten und Co. an, um Spenden für die Tafel abzuholen. Dabei handelt es sich um Waren, die gut, aber nicht mehr verkaufbar sind. Zum Beispiel braun gescheckte Bananen oder Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist. Die Syker Tafel ist ein Projekt des Kirchenkreises Syke-Hoya.

Zurück zur Ausgabe in Leeste: Mittlerweile gehen die ersten Bedürftigen in einer Reihe an den grünen Kisten – an diesem Tag sind es, grob überschlagen, 150 Stück – vorbei und füllen ihre Einkaufstaschen. Die Helfer geben ihnen die Lebensmittel an. So können sie die Portionen gerecht aufteilen.

Pfitzner Bananen sehr beliebt

Am beliebtesten sind laut Pfitzner Bananen und anderes Obst. „Und was immer alle wollen, sind Süßigkeiten.“ Alte und behinderte Menschen dürften zuerst in den Ausgaberaum. Wer danach kommt, entscheidet das Los. Nicht jeder kann alles bekommen, aber jeder bekommt genug. „Sie wundern sich oft, wie viel sie bekommen“, erzählt Pfitzner. Sie schätzt, das die Bedürftigen jedes Mal Waren im Wert von 70 bis 80 Euro mit nach Hause nehmen.

Olsen und Schmidt haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute, die von der Tafel Essen bekommen, sehr dankbar sind. „Die sollen aber gar nicht dankbar sein“, sagt Schmidt. Zu helfen, sei selbstverständlich. Im Gespräch mit ihr wird schnell klar, dass sie das nicht nur so dahinsagt. „Ich bin kein Gutmensch, ganz bestimmt nicht“, sagt sie, lacht, winkt ab und widmet sich wieder den Backwaren vor sich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Terroropfer sollen mehr Entschädigungen und Hilfe bekommen

Terroropfer sollen mehr Entschädigungen und Hilfe bekommen

Weihnachtskonzert der Rotenburger Kantor-Helmke-Schule

Weihnachtskonzert der Rotenburger Kantor-Helmke-Schule

Zwei Tote nach Unfall in Schweizer Gotthardtunnel

Zwei Tote nach Unfall in Schweizer Gotthardtunnel

Diese drei Eintöpfe sind die Antwort auf den Winter

Diese drei Eintöpfe sind die Antwort auf den Winter

Meistgelesene Artikel

„See Sicht“-Skulpturen bereichern das Dümmer-Ufer

„See Sicht“-Skulpturen bereichern das Dümmer-Ufer

Großzügiger Spender: 250 .000 Euro für die Stiftung der Lebenshilfe

Großzügiger Spender: 250 .000 Euro für die Stiftung der Lebenshilfe

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Kommentare