Kirchweyher Volksschüler haben Reise 1951 nach Norderney dokumentiert – und das Büchlein dem Archiv vermacht

Eine unvergessliche Klassenfahrt

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Gute Stimmung beim gemeinsamen Kartoffelschälen, während Heiner Bösche (li.) mit seinem Akkordeon dazu musiziert.

Kirchweyhe - Von Wilfried Meyer. Die Kinder der achten Klasse der Kirchweyher Volksschule unternahmen im Juni 1951 eine sechstägige Klassenfahrt nach Norderney. Sechs Jahre nach Kriegsende, war es für alle die erste größere Reise. Die Jugendherberge auf der Nordseeinsel war damals für viele Schulklassen der Region Reiseziel.

Wohl selten haben Schüler ihren Ausflug so umfangreich mit Aufsätzen, Zeichnungen und Fotos dokumentiert, wie diesen. Sogar ein kleines gebundenes Büchlein mit allen Originalen blieb erhalten. Während eines Klassentreffens im Mai 2014 beschlossen die Ehemaligen, diese Sammlung dem Gemeindearchiv zu übergeben, damit es der Nachwelt erhalten bleibt.

Es ist in dieser Form tatsächlich ein wertvolles Zeitdokument, wie Klassenfahrten in der Nachkriegszeit über die Bühne gingen.

Der damalige Klassenlehrer Werner Pertzel brauchte dazu drei weitere Begleiter, denn es waren immerhin 40 Mädchen und Jungen, die es zu beaufsichtigen galt. Männer fand er dafür nicht, allerdings machten seine Frau Liese-Lotte und die beiden „Fräuleins“ Lieselotte Brauns und Hildegard Lamping (später Keil) mit.

Die Reisekosten lagen bei 25 Mark, was für einige Familien schon problematisch war. Man organisierte deshalb Altpapiersammlungen, um sie zu unterstützen, trotzdem konnten einige Kinder nicht mitfahren.

In allen Einzelheiten schildern die Mädchen und Jungen die Abreise mit dem Bus von Frost-Warneke beim Gasthaus Rohlfs: „Alle waren pünktlich, und so ging es los in Richtung Leeste, danach kannten wir die Gegend noch nicht.“ Und weiter: „Zum Abschied sangen wir alle ,Nun ade, mein lieb Heimatland‘.“ Für heutige Generationen schwer vorstellbar, waren die Erlebnisse während dieser sechs Tage vor 64 Jahren für die Kinder prägende und unvergessene Eindrücke. In Schönschrift schildern sie alles: Die Schiffe, die „Weiße Düne“, den Badestrand und die Brandung, das Wetter, das Wellenbad, ein Schiffswrack, Leuchtturm und den Wasserturm, wo der Eintritt 10 Pfennige kostete. Den Frühsport mit anschließendem Muskelkater, das Kartoffelschälen, Abwaschen und Stube fegen. Immer wieder erwähnen sie, dass sie dabei Lieder sangen und Gisela Floer (Meyer) oder Heiner Bösche sie mit ihrem Akkordeon begleiteten.

Helga Helmers (Hartgen) feierte während der Fahrt ihren 14. Geburtstag. Sie schreibt: „Es lohnte sich doch, in Norderney Geburtstag zu haben – die vielen Geschenke, und Frau Pertzel hat mir einen Blumenkranz ins Haar gesteckt.“ Im Kurpark hatte Helga Vorderbrügge (Wienberg) eine besondere Begegnung: „Ein Kinderwagen mit ganz großen Rädern, der von einem Mann geschoben wurde. Das kam mir lächerlich vor, doch dann merkte ich, dass es ein Engländer war.“ Und nach einer stürmischen Dampferfahrt schreibt Klaus Burchard: „Viele werden die Fahrt nicht vergessen und auf kein Schiff so leicht wieder gehen!“ Sein Mitschüler Werner Göldner stellt zum Schluss mit Bedauern fest: „Leider gibt es in Kirchweyhe keine Dünen.“

Natürlich gehörten die üblichen Streiche zum Programm, darunter das Zunähen des Schlafanzugs ihres Klassenlehrers Pertzel. Doch mit dessen Reaktion hatten sie nicht gerechnet: „Darauf habe ich schon lange gewartet“, sagte er, nahm eine Schere und löste das Problem.

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