Kirchweyher Schützen befürworten erstmals öffentlich Zusammschluss der örtlichen Vereine zu einem großen

Aufgabe? Noch gehen die Ideen nicht aus

Das Bild aus dem Jahr 2007 zeigt die erfolgreichen Endler-Zwillinge Carina und Pirkko (r.) vor dem Kirchweyher Schützenhaus. In der Mitte hält der Schütze Aron Rathkamp die Vereinsfahne. Archivbild: Schaumann
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Das Bild aus dem Jahr 2007 zeigt die erfolgreichen Endler-Zwillinge Carina und Pirkko (r.) vor dem Kirchweyher Schützenhaus. In der Mitte hält der Schütze Aron Rathkamp die Vereinsfahne. Archivbild: Schaumann

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Die Kirchweyher Schützen dürfen bis Januar 2018 in ihrem Domizil auf dem Dörgeloh-Areal bleiben. Der neue Eigentümer des Geländes, das Unternehmen Creativ Bau, hält am Mietvertrag fest, den der Verein mit der ehemaligen Eigentümerfamilie abgeschlossen hatte. Im Grundbuch war das Nutzungsrecht für die Schützen allerdings nicht eingetragen. Vorsitzender Herbert Jung will den Verein retten und spricht erstmals öffentlich von einer Fusion mit anderen Vereinen.

Denn Jung glaubt, dass die Kirchweyher Schützen nach Ablauf der Mietzeit am jetzigen Standort keine Zukunft mehr haben. „Sobald der Vertrag abläuft, wollen die dort ein Doppelhaus bauen“, sagt er. Den neuen Eigentümern das Grundstück abzukaufen, sei eine winzige Chance, um das Überleben an diesem Standort zu sichern. Doch derzeit könne der Verein diese aus Liquiditätsgründen nicht ergreifen, so Jung. Es gehe dabei um eine Summe von rund 180000 Euro. Wenn am Jahresende die Bagger anrollen, um auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Reihenhäuser, Garagen und einen Erdwall zu errichten, wird der Verein mit den Veränderungen leben. Das Schützenhaus bekommt neue Anschlüsse. „Strom- und Gaszuleitungen werden ebenso modifiziert wie die Abwasserleitung.“ Dass das Schützenhaus an den Leitungen des ehemaligen Gasthauses angeschlossen ist, habe die Baufirma von dieser Zeitung erfahren, sagt Jung.

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit verschwindet der Verein, der momentan 100 Mitglieder hat, sogar komplett. „Wir sind kein Riesenverein. Uns gibt es aber immerhin seit 1909.“ Jung erinnert an herausragende Erfolge. So gewannen die Endler-Zwillinge Carina und Pirkko in den Jahren 2004 bis 2007 mehrfach die Deutsche Meisterschaft. „Um den Verein aber weiterbestehen zu lassen, brauchen wir Perspektiven“, so Jung. Politik und Verwaltung seien an der Rettung interessiert, doch in erster Linie sei der Verein selbst gefordert. „Grundsätzlich ist die Situation des Pachtvertrags des Schützenvereins, der offenbar ja noch gilt, eine Privatangelegenheit. Gleichwohl hoffen wir, dass es für den traditionsträchtigen Schützenverein eine vernünftige Lösung für ein Domizil gibt, und werden sie dabei unterstützen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Seidel. „Wenn sich Vereinsfragen wie Standort und weitere Perspektiven stellen, sind das selbstverständlich ebenfalls in erster Linie interne Angelegenheiten des Vereins und nicht der Politik und der öffentlichen Hand. Wir möchten jedoch, dass Vereine in Weyhe eine Zukunft haben. Das gilt insbesondere für einen solchen Verein, der auf eine 105-jährige Geschichte zurückblicken kann“, so Seidel weiter.

Sowohl Dietrich Struthoff (CDU) als auch Günther Borchers (FDP) raten dem Verein, Anträge an die Politik zu richten. Die Gemeinde könne Vereine bei ihren Vorhaben, etwa einem Domizilneubau anteilig finanziell helfen, so Borchers. Auf diese Möglichkeit verweist auch der Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Andreas Bovenschulte. „Die Schützen leisten eine wichtige Arbeit. Wir kennen das Problem. Aber es gibt noch keine Lösung, die auf der Hand liegt.“

Indes bringt der Vorsitzende Jung ein Grundstück nahe des Trafo-Gebäudes ins Spiel. Er wünscht sich einen Clubraum mit Luftgewehrstand. „Wir sind ein leiser Verein und schießen schon seit vielen Jahren nicht scharf. Nur mit Luftdruck. Öffentliche Feste in großen Zelten veranstalten wir ebenfalls nicht mehr.“ Deshalb glaubt Jung, keine Probleme mit Nachbarn zu bekommen.

Jenseits der Bahnlinie spricht sich erstmals Herbert Jung öffentlich für eine Fusion aus – wie zuvor Werner Hinners, Ex-Vorsitzender aus Leeste. Jung kann sich den Zusammenschluss der Vereine Kirchweyhe (100 Mitglieder), Lahausen (200) und Sudweyhe (100) zu einem großen Weyher Schützengesellschaft gut vorstellen, um im zweiten Schritt auch die weiteren Vereine der Wesergemeinde, Erichshof (120), Melchiorshausen (120) und Leeste (170), einzubinden. Jung ist selbst Mitglied in Lahausen, Sudweyhe und Melchiorshausen. Und die Vorstände hätten in den vergangenen Jahren laut Jung immer wieder über Fusionen, über gemeinsame Schützenfeste gesprochen und diese Idee in Einzelgesprächen befürwortet.

Was die Vorstände aber hinter vorgehaltener Hand laut Jung gut finden, scheuten in letzter Konsequenz die Mitglieder, weil sie noch nicht den Leidensdruck verspürten, den die Kirchweyher akut hätten – eine Mischung aus Mitgliederschwund, Nachwuchsmangel und Geldnot für einen möglichen Grundstücksneuerwerb.

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