Kirchweyher Hartmut Schuncke ist Uni-Student / Leidenschaft: Philosophie

„Sich neu einzuschreiben ist wie ein Blind-Date“

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Seniorenstudent Hartmut Schuncke hat sich nach dem Berufsleben für die Uni entschieden. Derzeit beschäftigt er sich unter anderem mit Nietzsches Werken.

Kirchweyhe/Bremen - Von Katrin Köster. Montag ist Nietzsche-Tag. Hartmut Schuncke steuert zielstrebig auf den Raum SFG 1020 zu. Der 71-Jährige aus Kirchweyhe ist einer von 796 Seniorenstudenten, die derzeit an der Universität Bremen Vorlesungen, Seminare oder andere Veranstaltungen besuchen.

Zwei Stunden Vorlesung zu „Jenseits von Gut und Böse. Nietzsches Genealogie der Moral“ hat Hartmut Schuncke gerade hinter sich. Dann geht er erst einmal in ein Café, um etwas zu essen, später will er noch lernen. Bis zum 18. Juli läuft die Lehrveranstaltung, danach sind Semesterferien.

Der Kirchweyher sitzt zusammen mit jungen Studenten im Hörsaal, als einer von rund 58000 Erwachsenen über 50 Jahre, die in Deutschland studieren. Das berichtet der Akademische Verein der Senioren Deutschlands (AVDS) auf seiner Webseite. In Bremen besteht das Angebot für Ältere vor allem aus regulären Lehrveranstaltungen der Universität, fast alle Fachbereiche und Studiengänge stehen diesen Teilnehmern offen. Wer die 110 Euro Anmeldegebühr für ein Semester bezahlt, hat die Qual der Wahl zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Schuncke ist seit dem Wintersemester 2007 dabei und befasst sich vor allem mit Literatur und Philosophie. Schon neben seiner Arbeit hatte er sich mit diesen Disziplinen auseinandergesetzt. „Mein Traum war es schon immer, das zu studieren“, betont der Kirchweyher. Nach dem letzten Arbeitstag war es dann soweit: „Ich bin in den Ruhestand gegangen und habe mich eingeschrieben“, berichtet der ehemalige Leiter der Abteilung Wirtschaftsbetriebe am Bremer Klinikum Links der Weser. „Wenn Sie sich neu einschreiben, ist das wie ein Blind-Date“, vergleicht er. Er sei aus dem Staunen nicht herausgekommen und habe viel Neues erfahren, fasst er seine ersten Eindrücke zusammen. Auch wenn er derzeit lediglich einen Kurs in der Woche besucht, kann von einem lauen Studentenleben keine Rede sein: „Ich mache ernsthaft alles mit. Aber es war mir auch von vornherein klar, dass ich keine Scheine mache“, meint Schuncke. „Für die meisten von uns geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und mitzumachen.“ Und das bedeutet in Schunckes Fall Lesen, Lesen, und nochmals Lesen. „Wir müssen uns sehr viel erarbeiten“, meint er. „Hausaufgaben“ von Hundert Seiten Lesestoff und mehr sind da keine Seltenheit. „Aber das hat seinen Reiz, es erweitert den Horizont.“

Im Laufe seiner Gasthörer-Zeit hat sich der Ruheständler auch intensiv mit den Büchern von Christa Wolf, Johann Wolfgang von Goethe und Thomas Mann beschäftigt. „Deutsche Literatur zu lesen ist für mich immer auch, etwas über die Geschichte zu erfahren. Die wissenschaftliche Arbeit mit den Texten sei die Recherche drumherum, erläutert er. So tauchte er beispielsweise auch in Texte über das deutsche Mittelalter ein. „Da habe ich einige Vorlesungen besucht. Mir ging es darum, zu erfahren, wie die Leute damals gelebt haben, wie Verletzte versorgt wurden und welche Folgen die Auseinandersetzung von Kirche und Staat für diese Menschen hatte“, sagt Schuncke. Für seine Familie sei klar gewesen, dass er nach dem Berufsleben ins Studentenleben eintaucht. Bei Goethes Werken habe er sogar Verstärkung bekommen: „Meine Frau war bei diesem Kurs mit dabei“, erzählt Schuncke.

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