150 Teilnehmer folgen Aufruf des Bündnisses gegen Rechts

5. Jahrestag: Gedenken an Daniel S. verläuft friedlich

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Rund 150 Teilnehmer erinnern an Daniel S., der vor fünf Jahren das Opfer einer Gewaltattacke geworden war, als er einen Streit schlichten wollte. Zugleich protestieren sie gegen Hass und Rechtsextremismus.

Kirchweyhe - Die Uhr schlug gerade 15 Uhr, da trafen am Samstag die ersten Menschen auf dem Kirchweyher Bahnhofsvorplatz ein. Schon eine Stunde bevor die Mahnwache des „Runden Tischs gegen Rechts und für Integration“ begann, füllte sich der Platz allmählich. Dort wurde Daniel S. Opfer eines Gewaltverbrechens. Nach einem Diskobesuch hatte der damals 25-Jährige Zivilcourage gezeigt und einen Streit schlichten wollen. Aktivisten aus dem rechten Spektrum hatten im Nachgang auf die türkischen Wurzeln des zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilten Täters insistiert.

Zum fünften Jahrestag der Ereignisse sollte seiner bei einer Mahnwache gedacht werden. Fast aus jeder im Gemeinderat vertretenen Partei waren Repräsentanten gekommen. Und auch aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, wie den Streetwatchern und dem Seniorenbeirat, beteiligten sich zahlreiche Weyher.

Laut Polizei zog es gut 150 Menschen auf die Straße vor dem Kirchweyher Bahnhof. Eine, wie der stellvertretende Bürgermeister Frank Seidel befand, beeindruckende Zahl, habe das Bündnis doch erst wenige Tage zuvor anfangen können zu mobilisieren. Das war nötig geworden, da Anfang der Woche eine weitere Veranstaltungsanmeldung einer Privatperson aus dem rechten Lager bei der Gemeinde eingegangen war. Darauf sah sich der runde Tisch gezwungen, zu reagieren.

„Wollten Daniels still gedenken“

Der Versammlungsleiter Berthold Groeneveld erklärte dazu: „Eigentlich wollten wir Daniels still und ehrlich und abseits jeglicher Politik gedenken. Das war dann aber nicht mehr möglich. Auf die Instrumentalisierung von rechts mussten wir reagieren und unsere Veranstaltungsform überdenken.“ Eine Einschätzung, die auch der Sprecher gegen Rechtsextremismus der SPD-Landtagsfraktion, Deniz Kurku, in seinem Redebeitrag teilte. Kurku machte deutlich, man habe sich vor allem für etwas und besonders für jemanden versammelt und nicht nur gegen etwas. Das gehe in der Diskussion oft unter.

In die gleiche Kerbe schlug Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Im Mittelpunkt solle das Gedenken an Daniel sowie die Gewaltfreiheit und Friedfertigkeit der Weyher Bürger stehen. Doch neben diesem Gedenken habe es auch schon in den Jahren zuvor eine politische und gesellschaftliche Diskussion gegeben, angefacht von denjenigen, die kein echtes Interesse am Gedenken hätten. Sie würden diese Tat zum Anlass nehmen, alle in Deutschland lebenden Türken auf dieses Ereignis zu reduzieren. Sein Appell: „Das machen wir nicht mit. Wir lassen uns nicht spalten. Wir stehen für das Füreinander, nicht für das Gegeneinander“.

Kleine Schar Rechter

Auf der anderen Seite des Bahnhofs und durch die Polizei klar von der Mahnwache und der weiter entfernt anwesenden Antifa getrennt, tummelte sich ab 17 Uhr der Gegenprotest. Die Anzahl der Teilnehmer betrug knapp ein Zehntel der Weyher Demonstranten: So schafften von den maximal 50 angemeldeten Teilnehmern laut Polizei 16 Personen den Weg nach Weyhe. Bürger der Wesergemeinde waren offenbar nicht unter ihnen. 

Dafür kamen der AfD-Kreisvorsitzende Andreas Iloff, der Bremer AfD-Landeschef und Bundestagsabgeordnete, Frank Magnitz sowie der Vegesacker AfD-Beiratspolitiker Marvin Mergard. Die weiteste Anreise hatte der Initiator des Gegenprotests, Lars Steinke. Der Göttinger habe nach Einschätzung der anwesenden Journalistin und Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke Verbindungen zum neonazistischen „Freundeskreis Niedersachsen/Thüringen“.

Demo gegen Rechts in Weyhe

Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann
Etwa 150 Menschen nahmen an einer Mahnwache am Bahnhof teil. Anlass war der 5. Todestag von Daniel S. © Heinfried Husmann

In seinem Redebeitrag vertrat Steinke die – wie von Andreas Bovenschulte vermutet – Kollektivthese, nach der eine Anpassung der in Deutschland lebenden Türken als Ergebnis einer verfehlten Zuwanderungspolitik nicht stattfände und solche Ereignisse hervorrufe.

Beide Veranstaltungen verliefen nach Angaben der Polizei friedlich und wurden gegen 17.30 Uhr beendet.

ard

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