Stiftung erwirbt die Tabakbörse und will internationale Großmeister einquartieren

In Kirchweyhe entsteht das erste „Schachschloss“ im Land

+
In den oberen Räumen über der Tabakbörse, in denen bis vor kurzem noch eine Computerfirma beheimatet war, sollen einmal Schachgroßmeister übernachten. Peter Orantek schaut sich das Gebäude an, die seine Stiftung erworben hat.

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Wer in andere Bundesländer schaut, entdeckt nur wenige Schachvereine, die überhaupt über ein eigenes Domizil verfügen, sagt Peter Orantek, Vorsitzender des Kirchweyher Clubs. In der Wesergemeinde will er bald das Nobelste entstehen lassen, das zudem sehr zentral gelegen ist.

Die „127Schach-Stiftung“, der Orantek vorsitzt, hatte kürzlich das in den frühen 1980er-Jahren für den Künstler Herbert Bodzin gebaute Haus erworben. Da das Gebäude runde Wände hat und es sehr herrschaftlich wirkt, nennt es Orantek „Schachschloss“. „Es ist das Einzige in Deutschland.“

Übernachtungsräume für Großmeister

Wo im Untergeschoss noch einen halben Monat lang die Tabakbörse beheimatet ist, will Orantek die 145 Quadratmeter zu einer Wettkampfarena umwandeln, zumal für den Verein der Wesergemeinde internationale Großmeister spielen. Wenn keine Trainingsabende oder Wettkämpfe anstehen, sollen auch andere Vereine und Organisationen die Möglichkeit bekommen, sich dort zu treffen. Wo einst – auf 175 Quadratmetern im ersten Stock – einmal Hirdler-Immobilen ebenso untergebracht waren wie das Unternehmen Weyher Krankenpflege und die Werbeagentur "20grad Celsius", sollen künftig fünf Schlaf- sowie ein bis zwei Gemeinschaftsräume entstehen. „Die Großmeister spielen in mehreren Ländern und Ligen und reisen für mehrere Tage aus dem Ausland an. Sie sollen im ,Schachschloss’ übernachten“, erklärt der Vorsitzende.

In diesem Gebäude werden bald Schachturniere ausgerichtet.

„Die Planungen hören sich sehr vielversprechend an“, sagt der Bürgermeister Andreas Bovenschulte. „Eine stärkere Präsenz des Schachsports in Weyhe ist sehr zu begrüßen.“

Bundesligasaison kostet bis zu 250.000 Euro

Auch wenn der Kirchweyher Verein nicht wie Werder Bremen in der Schach-Bundesliga, sondern fünftklassig spielt, sei ein Aufstieg in die Spitzenklasse nicht ausgeschlossen. Das kann aber laut Orantek frühestens in fünf Jahren passieren. „So eine Saison in der ersten Bundesliga kostet nämlich bis zu 250.000 Euro“, sagt der ehemalige Lehrer. Das sei der Grund, weshalb viele Clubs im Land hoch verschuldet oder gar insolvent seien.

Ähnlich dem DFB-Pokal des Deutschen Fußball Verbands gibt es beim Schach Wettkämpfe, bei denen sich auch Vereine einer niederen Ebene mit Bundesligisten messen können. Eine entspechende Qualifikation hatten die Weyher im vergangenen Jahr für sich entschieden. Der Club möchte für solch ein Duell das Heimrecht für sich beanspruchen. Da für die Wettkampfräume besondere Quadratmeterzahlen vorgeschrieben sind, hat sich der Vorsitzende der „127Schach-Stiftung“ umgesehen.

Er hatte sich ursprünglich für ein Mehrparteienhaus interessiert, das derzeit in Kirchweyhe entsteht. Eine mögliche Kraftstoff- oder Öl-Altlastenproblematik habe ihn im letzten Moment beim Notar abgeschreckt. „Ich wollte dann das Bauernhaus an der Kleinen Heide für die Stiftung erwerben und hätte eine halbe Million Euro ausgegeben, um die schimmeligen Wände zu erneuern und das Strohdach neu einzudecken. Doch ich kam zu spät. Der örtliche Apotheker kaufte das Haus.“

„127Schach-Stiftung“ fördert alle Kirchweyher Schachspieler

Der Pensionär Peter Orantek, der in Celle wohnt, lebt für den Schachsport. „Ich bin ein alter Kirchweyher und habe damals im Gymnasium Syke die Schach-AG gegründet, die es noch gibt.“

Orantek ist in jungen Jahren dem Verein in seiner Heimatgemeinde beigetreten und hat sich auch im Pädagogikstudium und im Berufsleben als Lehrer in Gifhorn, Wolfsburg, Lohne und Braunschweig stehts dem Denksport rund um König, Dame, Pferd und Turm beschäftigt. Er sieht im Schach Berührungspunkte von Mathematik, Physik, Astronomie und Geografie. Deshalb habe er sein Vermögen in die Stiftung gegeben und sie nach der Primzahl benannt, die Astronomen dem Planeten Jupiter zugesprochen haben: 127. Die gemeinnützige Stiftung fördert unter anderem alle Kirchweyher Schachspieler: Sie müssen weder eine Clubmitgliedschaftsgebühr zahlen noch Antrittsgelder für Wettkämpfe bezahlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Intensives Training am Donnerstag

Intensives Training am Donnerstag

„Tag der Menschen mit Behinderungen“ auf dem Freimarkt

„Tag der Menschen mit Behinderungen“ auf dem Freimarkt

Nachgefragt: Das sind die beliebtesten Gewinne auf dem Freimarkt 

Nachgefragt: Das sind die beliebtesten Gewinne auf dem Freimarkt 

Diese Gewinne liegen beim Freimarkt voll im Trend

Diese Gewinne liegen beim Freimarkt voll im Trend

Meistgelesene Artikel

„Sperrung könnte auch länger dauern“

„Sperrung könnte auch länger dauern“

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Kommentare