Serie Friedhofsleben

Kirchengemeinde Weyhe strebt nach parkähnlicher Friedhof-Gestaltung

Steht am ehemaligen Lesepult, das viele Jahre in der Felicianus-Kirche eine Heimat hatte: Gerd Brüning. Frauke Wetjen und Hans-Heinrich Meier erläutern das Konzept der Kirche unter freiem Himmel.
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Steht am ehemaligen Lesepult, das viele Jahre in der Felicianus-Kirche eine Heimat hatte: Gerd Brüning, Frauke Wetjen und Hans-Heinrich Meier erläutern das Konzept der Kirche unter freiem Himmel.

Die Kirchengemeinde Weyhe will ihren Friedhof verändern und ist schon kräftig dabei: Er soll nicht nur ein stiller Ort für Trauende sein, sondern insbesondere auch Erholungssuchende ansprechen – mit Open-Air-Andachtsplatz.

Weyhe – Das neue Konzept erläutern Gerd Brüning, Frauke Wetjen und Hans-Heinrich Meier für den Kirchenvorstand. „Entweder ging man früher auf den Friedhof, um Menschen zu beerdigen, oder um zu trauern“, blickt Gerd Brüning zurück. „Wir verfolgen nun den kommunikativen Aspekt. Denn wir möchten einen Ort der Begegnung schaffen.“ Das Konzept soll auf das ganze gesamte Friedhofsareal angewendet werden. Mit einer Größe von 4,2 Hektar Fläche sei es in der gesamten Ausdehnung größer als vier Fußballfelder. Würden alle Wege aneinandergereiht, ergebe sich rechnerisch eine Länge von mehr als drei Kilometern.

Ehemalige Altar-Elemente laden zu Open-Air-Andacht ein

„Wir wollen in eine parkähnliche Gestaltung übergehen“, sagt Gerd Brüning. Im hinteren Teil kann man schon sehen, was auf den weiteren Flächen passieren soll. Dort gibt es eine Besonderheit, die es auf vielen Friedhöfen so nicht zu finden ist. Die Gemeinde hat einen Open-Air-Andachtsplatz angelegt und dazu ehemalige Altar-Elemente aus der Felicianus-Kirche verwendet. Es sei der erste Platz dieser Art in der Region, sagt Frauke Wetjen. Das alte Lesepult aus der Kirche aus Obernkirchner Sandstein trotzt seit einiger Zeit Wind und Wetter. Ein Kreuz aus dem gleichen Material befindet sich in der Nähe. Bänke bieten Platz, um sich für eine Andacht zu setzen.

Überblick zur Serie „Friedhofsleben“

Viele verdrängen das Thema am liebsten so lange es geht, aber irgendwann muss sich jeder damit beschäftigen. In einer crossmedialen Serie beleuchtet die Mediengruppe Kreiszeitung das Thema Sterben, Abschied nehmen und Bestattung. Von jüdischen Grabstellen und den Bestattungstrends der Zukunft. Hier geht‘s zum Überblick zur Serie „Friedhofsleben“.

Das Pult stand seit 1960 über viele Jahre in der Kirche, berichtet Frauke Wetjen. An jenem Pult standen viele Pastoren und Lektoren. Nun habe das Pult eine vernünftige Nachnutzung bekommen. Im Sommer konnten an jener Stelle corona-konforme Trauerfeiern unter freiem Himmel veranstaltet werden. Die Outdoor-Kirche komme an. Der Platz am Rand des Ellernbruchs werde auch zu Andachten genutzt.

Frauke Wetjen und Hans-Heinrich Meier schauen sich die Sammelgrabanlage an, die die Form eines Fisches hat. Dort gibt es einen zentralen Ablageort für Blumen.

In der Nachbarschaft des Andachtsplatzes befindet sich eine besondere Urnengrabstelle, die die Form eines Fisches hat. Es ist eine Gemeinschaftsgrabanlage für Urnen unter Bäumen. „Wir bieten unterschiedliche Bestattungsarten an“, so Wetjen. Es gehe nicht nur um Sarg- und Urnen-Plätze, die die Angehörigen selbst pflegen müssen. Sie hätten auch die Möglichkeit, in größeren Anlagen die Urnen einzusetzen. In dem Blumen- und Pflanzenbeet, die wie ein Fisch aussieht, gebe es eine begrenzte Anzahl an festgelegten Plätzen. Angehörige hätten die Möglichkeit, an Stelen ein Metallschild anzubringen.

Kirche: Dem Fakt Rechnung tragen, dass viele sich eine Grabstelle nicht leisten können oder wollen

Auch das Material für jene Stelen kommt aus dem Altar-Raum der Kirche. Es sei nach einem Umbau in der Kirche eine gute Wiederverwertung der Materialien. Wiederum ein paar Meter weiter befindet sich eine weitere Sammelanlage für Urnen. Um ein Beet in der Mitte können in einem kreisförmig angelegten Streifen Urnen eingesetzt werden. Davor und dahinter befindet sich Rasen, der vom Friedhof kurz gehalten wird. Der Pflegeaufwand für Angehörige sei auch hier überschaubar, so Wetjen. Eine ganz andere Anordnung von Urnen befindet sich auf einer Fläche im älteren Teil des Friedhofs: Um einen Baum herum gibt es ein Beet, in dem ebenfalls die Asche von Verstorbenen eingesetzt werden kann.

Ein Platz der Begegnung auf einem älteren Friedhofsteil: Dieser Baum soll einmal den Besuchern Schatten spenden. Drum herum dürfen Urnen eingesetzt werden.

Wie Gerd Brüning, Frauke Wetjen und Hans-Heinrich Meier berichten, sei die Felicianus-Gemeinde, sie heißt offiziell Kirchengemeinde Weyhe, in Sachen Friedhof sehr modern aufgestellt. Man wolle mit der Zeit gehen und dem Umstand Rechnung tragen, dass sich beispielsweise manche Kinder die üblichen Grabstellen für ihre verstorbenen Eltern nicht leisten wollen oder können. Auch die Pflege sei ein Problem, wenn die Angehörigen in Süddeutschland wohnen. So eine Grabstelle besteht für 30 Jahre, berichten die Kirchenvorsteher. Und in einer Zeit, in der auch andere Bestattungsformen zunehmen, müsse die Kirche ihre Bestattungskultur anpassen.

Das ist eine Rasenanlage für Urnen: Die Pflege ist im Vergleich zu üblichen Gräbern für Särge nicht so aufwendig.

Ein weiteres Pflanzbeet mit Stauden, Kiesellauf samt Sprudelstein und Wasserpumpe sei geplant. Alle Gräber werden durch Wege verbunden, die im hinteren Teil des Friedhofs teilverdichtet wie in öffentlichen Parks angelegt werden. Bäume und Bänke wurden gesetzt, um Plätze zu schaffen, um sich auszuruhen und um sich zu unterhalten. Das Konzept komme offenbar an. Hans-Heinrich Meier habe manche Paare gesehen, die ihre Abendspaziergänge auf dem weitläufigen Areal unternommen hatten.

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