Jugendliche bringen per Video-Livestream ihre Ideen ein

Für die Kirche von Morgen

Stehen Sonntagabend im Scheinwerferlicht vor der Kamera: Lars Korfmann und Mika Zorn.
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Stehen Sonntagabend im Scheinwerferlicht vor der Kamera: Lars Korfmann und Mika Zorn.

Es sind zahlreiche Zukunftsthemen, mit denen sich Jugendliche aus Weyhe beschäftigen. Wo sehen sie sich zum Beispiel im Jahr 2030? Welche Sorgen und Ängste haben sie? Auf diese und weitere Fragen suchen fünf junge Christen der evangelischen Jugend im Alter von 15 bis 17 Jahren Antworten. Ein großes Thema ist zum Beispiel, ob die Kirche für die kommenden Jahre gerüstet ist.

Weyhe – Die Jugendlichen der beiden beiden lutherischen Kirchengemeinden in Weyhe wollen nicht nur Fragen stellen und Kritik üben, sondern in den nächsten Monaten ihre Ideen und Vorschläge einbringen, Gäste einladen und mit ihnen möglicherweise auch kontrovers diskutieren. Julia Schindler, Mika Zorn, Lars Korfmann, Ole Baumann sowie Jolina Just möchten eine Plattform schaffen, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Dabei setzt die Gruppe auf moderne TV- und Videotechnik.

Livestream mit dem Titel „2030 – Roboter und Reformation“

Am Sonntag haben sie im Gemeindehaus der Leester Kirchengemeinde ihre erste selbst konzipierte Sendung produziert und auf Facebook gestreamt. Knapp 2000 mal innerhalb von 24 Stunden wurde dort der Beitrag angeklickt. Der Titel lautet: „2030 – Roboter und Reformation“.

Jugendliche wandeln Gemeindehaus Leeste in ein Studio umgewandelt

Die Jugendlichen hatten das Gemeindehaus in ein Livestreaming-Studio umgewandelt: Zwei Stehtische an zwei gegenüberliegenden Wänden bildeten die beiden Moderationsplätze. Kameras und Scheinwerfer wurden aufgebaut und Kabel verlegt. Ole Baumann bezog dabei die Schaltzentrale mit dem Ton-Mischpult und hatte ebenso die Videoregie im Blick. Er setzte seinen eigenen Rechner ein, auf den er mehrere Programme aufgespielt hatte, die das Livestreaming ermöglichen. Sein Rechner war per Kabel mit dem Internet verbunden. Darüber schickte Ole Baumann die Bild- und Ton-Signale auf die Facebook-Seite der Kirchengemeinde. Gleichzeitig sorgte er mit seinem Rechner dafür, dass die Sendung aufgezeichnet wird. Sie soll laut Julia Schindler und Mika Zorn in Kürze ebenso auf anderen Plattformen wie Youtube und Instagram zu sehen sein.

Junge Christen vermissen in Gottesdiensten fröhliche Gesichter beim Singen

In der Sendung schildern die jungen Christen unter anderem, welche Erfahrungen sie bei Gottesdienstbesuchen gemacht haben. Die jungen Weyher vermissen zum Beispiel in den Kirchen fröhliche Gesichter – beim Singen und Beten gleichermaßen. Lars Korfmann empfindet kirchliche Abläufe mal als traurig, mal als streng. Unterm Strich sei das Image der Kirche aus Sicht junger Menschen nicht gut, glaubt der Schüler.

Die Gruppe kritisiert weiterhin, dass Jugendliche in der Regel nicht in den kirchlichen Entscheidungsgremien sitzen, die es auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene gibt. Sie hätten aber den Eindruck, dass gerade jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Vor dem Hintergrund, dass mancherorts zum Beispiel Kirchengebäude entwidmet werden und die Anzahl der Kirchenmitglieder permanent schrumpft, möchten sich die Jugendlichen aus Weyhe gegen diesen aus ihrer Sicht negativen Trend stellen.

Wenn nichts passiert, ist die Kirche „einfach weg“

Was passiert mit der Kirche, wenn sich nichts verändert? „Ich glaube, die ist dann einfach weg“, sagt Lars Korfmann. „Wir haben alle Zukunftsvisionen, und wir sind fest entschlossen, dass die Kirche auch so aussehen kann, sonst hätten wir die Hoffnung schon aufgegeben“, sagt Julia Schindler. „Wir könnten unsere Zeit auch anders investieren“, sagt sie. Als Alternativen nennt sie Freunde besuchen, auf Partys gehen oder Hausaufgaben machen. Die Jugendlichen wollen Mitstreiter finden, um das Eisen der Zukunft gemeinsam zu schmieden. Sie hegen den Wunsch, die Kirche zu erhalten sowie die Strukturen und Inhalte zu verändern, die aus ihrer Sicht nicht gut laufen. Deshalb wollen sie es nicht bei einer Sendung belassen und planen Fortsetzungen, wenn Schule oder Ausbildung es zulassen. Sie sprechen sich vor der Kamera auch für eine „internationale Vernetzung“ aus.

Mehr als 30 Arbeitsstunden ehrenamtlich investiert

Für diese Sendung haben die Jugendlichen in den Weihnachtsferien unterm Strich mehr als 30 Arbeitsstunden investiert – unterstützt wurden sie dabei unter anderem durch den Pop-Kantor Sören Tesch am E-Piano und Pastor Ulrich Krause-Röhrs, der beratend im Hintergrund blieb.

„Die Kirche liegt mir am Herzen“

„Die Kirche liegt mir am Herzen“, sagt Mika Zorn. Und deshalb möchte er die Kirche in die eine oder andere Richtung verändern und aktuellen Entscheidern dafür wichtige Impulse liefern. Es sei schon jetzt ein gutes Gefühl, sich einzubringen.

Forderung: Kirche muss digitaler werden

Kirche müsse digitaler werden, finden die Schüler. „Warum können sich die Menschen in den Altenheimen nicht die Weyher Gottesdienste live ansehen?“, fragt Ole Baumann. Die Jugendlichen begrüßen es, dass die Leester Kirchengemeinde insbesondere die Pastoren Holger Hiepler sowie Ulrich Krause-Röhrs daran interessiert seien, weiter in moderne Technik zu investieren. Sie wünschen sich Glasfaser für die Marienkirche. „Wir werden unterstützt von der Hanns Lilje Stiftung sowie von der Heinrich Dammann Stiftung“, so Pastor Krause-Röhrs. Alle Kameras seien derzeit noch geliehen, zwei sind im Privatbesitz, zwei weitere kommen von der Medienstelle des Landkreises Diepholz.“ Er arbeite daran, dass die Kirchengemeinde Produktionsmittel erhält, so Pastor Krause-Röhrs.

Eines sei für die Gruppe der jungen Christen jetzt schon klar: Durch die Technik und durch das Internet „können wir unsere Botschaften schnell verbreiten und erreichen auch unglaublich viele Menschen“, sagt Ole Baumann.

Für die nächsten Sendungen könne sich die Gruppe vorstellen, Gäste aus dem Kirchenkreis Syke-Hoya und Politiker aus Hannover einzuladen.

Weitere Infos

www.facebook.com/KircheLeeste/live

Von Sigi Schritt

Jugendliche haben das Gemeindehaus der Kirchengemeinde Leeste zu einem Film- und Livestream-Studio umgebaut: Sie produzieren eine Sendung zum Thema Zukunft. Ole Baumann sorgt für die Sendeabwicklung und bedient den Videomischer.

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