Start und Landung per Joystick

„Flight Kids“ Ben Denker (13) und Jolina Beermann (15) steuern Airbus A 320

Landet fehlerfrei auf dem Bremer Flughafen: Jolina Beermann (15) aus Brinkum.
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Landet fehlerfrei auf dem Bremer Flughafen: Jolina Beermann (15) aus Brinkum.

Ein Siebtklässler aus Leeste und eine Neuntklässlerin aus Brinkum streben eine Karriere als Berufspilot an. In ihrer Freizeit absolvieren die „Flight Kids“ am Flughafen Bremen ein dreijähriges Training, in dem sie die Grundlagen der Fliegerei erlernen und diese in einem Airbus-Flugsimulator anwenden. Fliegen ist angewandte Physik und Mathematik.

Weyhe/Bremen – Ein Airbus A320 im Endanflug der Piste 09 des Flughafens Bremen: Er schwebt bereits über den Stuhrer Wiesen, wenn alles glatt läuft, wird er in wenigen Momenten aufsetzen. Das ist das Bild, was Jolina Beermann (15) aus Brinkum sowie Ben Denker (13) aus Leeste im Cockpit haben. Sie gehörten zu den sogenannten „Flight Kids“, die in drei Jahren das Rüstzeug für eine Berufspiloten-Ausbildung bekommen.

Fliegen und Abbremsen mit Gefühl

Die 15-Jährige wirkt sehr konzentriert. Sie soll die Maschine wieder einmal landen. Mit ihrer rechten Hand dirigiert sie einen Joystick, dessen Bewegung das Flugzeug steuert. Eine Computerstimme nennt Höhenangaben: 200, 100, 50, 40, 30, 20, Retard. Die Schubhebel hat Beermann in die Leerlaufstellung gezogen. Die Brinkumerin hebt kurz vor dem Aufsetzen mit dem Joystick die Nase des Flugzeugs leicht an. Das Fahrwerk berührt schließlich die Landebahn. Es folgt der Umkehrschub. Mit ihren Beinen drückt Beermann die beiden Pedale im Fußraum, um das Flugzeug abzubremsen. Alles mit Gefühl: Die Räder blockieren nicht.

Landung „gelungen“

Die Brinkumerin legt eine Landung hin, die Pilot und Instruktor Till Borngräber als „gelungen“ bewertet. Jolina Beermann und Ben Denker sitzen zwar in einem richtigen Cockpit eines A320, der einmal für die Air France geflogen ist, aber wenn sie aus dem Cockpit-Fenstern sehen, sehen sie eine durch drei Beamer projizierte Landschaft. Hochleistungscomputer erzeugen die Bilder. Wenn die junge Cockpit-Crew die Hebel und Knöpfe bedient, wirkt sich das auch auf das gezeigte Bild aus.

Langzeitprojekt des Unternehmens flugsimulator.com

Die beiden Gymnasiasten nehmen an einem Langzeitprojekt des Unternehmens flugsimulator.com, eine Tochtergesellschaft von Proflight teil. Diese Firma nutzt Flugsimulatoren in verschiedenen Städten, auf denen auch Piloten der Lufthansa trainieren. Es gibt sie – wie jetzt der im Bremer Flughafen, in dem die „Flight Kids“ sitzen – in verschiedenen Ausführungen und sogar mit Bewegung des Cockpits.

Joline Beermann will nach dem Abi ins Cockpit eines großen Frachtflugzeugs

Joline Beermann arbeitet bereits jetzt daran, ihren großen Traum zu verwirklichen. Die junge Brinkumerin will nach ihrem Abi einmal riesengroße Frachtmaschinen fliegen. Sie würde gerne „eine Beluga-Maschine“ steuern, sagt sie. Ihr Großvater habe sie vor Jahren mit zum Flughafen mitgenommen. „Dort habe ich ein Beluga-Flugzeug gesehen.“ Dieses Flugzeug, das Bremer Teile für die Airbus-Fertigung nach Toulouse brachte, habe sie mit dem Virus Fliegen infiziert. „Das Flugzeug sah wie ein Delfin aus. Das wollte ich fliegen.“

Theorie und Simulatortraining wechseln sich ab

Ihre Eltern haben ihr in den Ferien die Teilnahme an einem Schnupperkurs im Simulator finanziert, um das Cockpit eines Flugzeugs kennenzulernen. Und dann sei für die 15-Jährige klar gewesen, dass sie sich mit der Materie Fliegen beschäftigen will. „Der Kurs am Bremer Flughafen dauert drei Jahre. 2,5 Jahre habe sie noch vor sich. Theorie und Simulatortraining wechseln sich ab.“ Ihr Ziel: eine Funklizenz und die Grundlagen, um später schnell eine Berufspilotenlizenz zu bekommen.

In 2000 Fuß über die Hansestadt Bremen

Ähnlich geht es auch Ben Denker. Der 13-Jährige sprüht vor Energie. Er hatte zuvor den Flieger startklar gemacht, rollte mit dem Airbus zum Abflugpunkt der Piste 09 und arbeitete umfangreiche Checklisten ab. Schließlich drückte Ben Denker die Schubhebel nach vorne, und der Flieger setzte sich in Bewegung. Bei Tempo 120 Knoten zog er mit dem Joystick die Nase hoch, bei Tempo 140 auf der rund 2,5 Kilometer langen Bremer Startbahn verlor das Fahrwerk den Bodenkontakt. Kurz nach dem Start, nach Erreichen einer Sicherheitshöhe, schwenkte Ben nach links und flog in 2 000 Fuß über die Hansestadt.

Mit A320 Anflug auf den Flugplatz von Ganderkesee

Seine spontane Aufgabe ohne vorbereitende Besprechung: Er sollte den Flugplatz Ganderkesee, Kennung EDWQ, anfliegen, dort aufsetzen und durchstarten. Nach einer kurzen Zeit sah er schon die Ganderkeseer Piste 26 und schwenkte vom Queranflug in den Endanflug ein. Für eine größere Maschine ist die Aufgabe ambitioniert, wenn man das zum ersten Mal und ohne Briefing machen soll. Ben Denker ließ den Airbus sinken, aber der benötigte mehr Platz zum Ausholen.

Instruktor Till Borngräber lobt seinen jungen Schützling

Der Siebtklässler brach den Landeversuch ab und bekam dafür prompt ein Lob des Instruktors. Der 13-Jährige habe eine kluge und richtige Entscheidung getroffen, so Till Borngräber. Anschließend ging es zurück nach Bremen.

Von Sigi Schritt

Bereitet das Cockpit des A320 für den Start vor: Ben Denker (13) aus Leeste.
Ist beeindruckt, wie professionell die „Flight Kids“ im Simulator agieren: Pilot und Instruktor Till Borngräber.

Das Projekt „Flight Kids“ von flugsimulator.com

Das Projekt „Flight Kids“ von flugsimulator.com ist ein von der Europäischen Union gefördertes Programm zur Bildung und beruflichen Orientierung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Kurse sind für die Dauer von drei Jahren konzipiert. Der Unterricht in Bremen ist alle zwei Wochen in den Räumen des Flughafens und im A 320-Simulator vorgesehen. Besuche auf einem Segelflugplatz sowie in Betrieben der Luftfahrt ergänzen das Angebot. Die Teilnehmer lernen themenrelevante Inhalte wie Meteorologie, Funken, Physik, Geografie und wenden dies im Anschluss im Original-Cockpit des Airbus A 320-Flugsimulators an. 

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