Leester Kirchengemeinde feiert Jubiläum ihrer Glocke Maria mit einem Festgottesdienst, zu dem auch der Landesbischof kommt

900 Kilo schwer und 500 Jahre alt

500 Jahre und damit älter als die Reformation ist die Maria im Leester Gotteshaus. Hat die im Ton f klingende Glocke der Gemeinde ihren Namen gegeben? Oder umgekehrt? Das ist nicht bekannt. Aber es gibt viele Fakten, die Hermann Schierenbeck ermittelt hat.

Leeste - Von Philipp Köster. Die evangelische Kirche in Deutschland bereitet sich auf das große Reformationsjubiläum im kommenden Jahr vor. Die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers im Herbst 1517 gegen den Ablass kennzeichnet den Beginn der Kirchenspaltung der nachmalig evangelisch-lutherischen Kirche von Rom. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Leeste feiert schon in diesem Jahr einen 500. Geburtstag: den ihrer Marienglocke.

Im Jahr 1516 bekam das Kirchspiel „Leste“, wie es bereits 1420 auf einer Karte verzeichnet war, eine Bronze-Glocke. „Vielleicht war es die erste“, vermutet Küster Dieter Suhling. Die Bauern hatten wohl eine Holzkirche mit steinernem Turm.

Vielleicht – vermutlich: Wenn es um die Geschichte der Marienglocke geht, kann Hermann Schierenbeck nicht mit hundertprozentiger Sicherheit die Fakten benennen. Der Leester hat sich in den vergangenen Monaten in die Historie reingekniet. Ergebnis ist eine 40-seitige Broschüre, die alles rund um die Leester Marienglocke aus vorreformatorischer Zeit zusammenträgt.

Schierenbecks und Suhlings Recherchen zufolge ist sie im Osnabrück-Mindener Raum gegossen worden, vermutlich von einem Herbert von Bibben, der Mitarbeiter in der Gießerwerkstatt Freese war. Darauf deutet das Gießerzeichen mit dem Buchstaben „H“ auf der Glocke hin, das die Hobbyhistoriker auch auf einer Glocke im Verdener Dom gesehen haben.

Den Korpus mit Cola gereinigt

Schierenbeck und Suhling entdeckten auf dem Leester Bronzekorpus neben dem Gießerzeichen auch ein Medaillon und ein sogenanntes Rundrelief. „Die drei Dinge sind im Laufe der Jahrhunderte ziemlich verpekt, darum haben wir sie mit Cola gereinigt“, sagt der frühere Metallurge Hermann Schierenbeck. Das Medaillon zeigt Jesus im Hemd. „Was das aber bedeutet, wissen wir nicht genau.“

Was sicher ist: Die Glocke heißt gemäß Inschrift Maria. Ist sie aber auch Namensgeberin für die Kirchengemeinde? „Informationen darüber sind nirgends zu finden“, bedauert Schierenbeck.

„Wir wissen auch nicht, wie die Glocke in den Turm gekommen ist“, sagt der 76-Jährige. Laut Küster Dieter Suhling hatte der frühere Pastor May Spekulationen Nahrung gegeben, dass sie aus dem Bremer Dom stammen könnte, denn das Kirchspiel „Leste“ gehörte seinerzeit zur Hansestadt.

Was das „Wesen“ des Geläuts anbelangt, ist hingegen einiges klar: „Die Erze stammen aus dem Rammelsberg (bei Goslar, d. Red.) und Elbingerode im Mansfelder Land“, so Schierenbeck. In Ilsenburg seien die Erze erschmolzen worden, wie es im Fachjargon heißt, und zwar in einem sogenannten Rennofen, Hochöfen gab es noch nicht. Die Bronzeglocke besteht zu 72 Prozent aus Kupfer und 22 Prozent aus Zinn. Der etwa zweiprozentige Bleianteil deutet auf die Herkunft aus Rammelsberg hin, hat laut Schierenbeck eine Isotopenanalyse ergeben. Der Metallurge geht in diesem Thema voll auf. Nicht nur hat er sich mit der vergleichbaren Legierung des Braunschweiger Löwen befasst, er hat die von ihm gestaltete Festbroschüre zum 500. Geburtstag der Leester Marienglocke auch in größere Zusammenhänge eingeordnet: So gibt es Abbildungen der St.-Peter-Glocke im Kölner Dom und der Zarenglocke, der größten der Welt. Ebenfalls informiert Schierenbeck über den Beruf des Glockengießers. Auch finden die „Schwestern“ der 900 Kilogramm schweren Maria Erwähnung, die beiden 2009 eingehängten, neu gegossenen sowie die dafür ausgetauschte aus dem Jahr 1957, die Meta Rumpsfeld gestiftet hatte und jetzt rechts vor der Marienkirche steht.

Im Zuge der Anschaffung des neuen Geläuts vor einigen Jahren war auch der stählerne Glockenstuhl durch einen hölzernen ausgetauscht worden. „Der aus Stahl hatte Risse im Mauerwerk verursacht“, erinnert sich Suhling.

In den alten Unterlagen findet sich auch noch eine Rechnung. Eine Werkstatt hat 1727 einen Reparaturschein für die Maria ausgestellt. Kosten: 61 Gulden.

• Die Mariengemeinde feiert das große Jubiläum ihrer Glocke am Sonnabend, 11. Juni, um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst unter Mitwirkung des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister. Im Anschluss ist ein Empfang im Gemeindezentrum geplant. Der Erlös aus dem Verkauf der Broschüre, die an diesem Tag vorgestellt wird, ist für den Förderverein der Kirche bestimmt.

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