Hinter Aufstellung mobiler Blitzer steckt System

Mit 60 Messstellen auf der Jagd nach Temposündern

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Schlägt die Radarfalle zu, kann es für Temposünder schnell teuer werden. Diese Speed-Displays (im Bild eines an der Brinkumer Straße) zeigen, wie schnell ein Verkehrsteilnehmer unterwegs ist. Ist das Limit unterschritten, so erscheint der Zahlenwert grün.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Verschwörungstheorien gibt es viele, und eine kursiert sogar in Weyhe, Thema: Verkehr. Ein Kirchweyher Leser, der sich an die Kreiszeitung gewendet hat, behauptet, mobile Radarfallen und stationäre Geschwindigkeitsmessgeräte befinden sich auf besonderen Wunsch ehemaliger Hauptverwaltungsbeamter in der Nähe deren Wohnorte.

Hinter dieser Aussage soll der Vorwurf mitschwingen, an diesen Stellen werde der Verkehr gebremst und somit der Lärm gemindert. Umgekehrt gilt nach dieser Darstellung: Anderswo in Weyhe müssen andere Anwohner mehr Verkehrslärm erdulden als in der Nachbarschaft dieser Ex-Verwaltungsmitarbeiter.

„Das ist blanker Unsinn“, entgegnet Udo Petersohn, Leiter des zuständigen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung im Weyher Rathaus. Er nimmt dies zum Anlass, um einmal grundsätzlich zu erklären, welches System hinter dem Aufstellen der Blitzer steckt. Insgesamt gibt es laut Petersohn in der Wesergemeinde rund 60 Standorte, an denen die Radarfallen überhaupt aufgestellt werden. Die Gemeinde habe die Standorte mit der Landkreis-Verwaltung besprochen und festgelegt.

Der Messgeräte-Einsatz – das bestätigt Wolfgang Nogga, zuständiger Fachdienstleiter der Landkreisverwaltung – sei mit einem Vertrag besiegelt worden. Der Landkreis schickt also seine Mitarbeiter – speziell geschulte Mess-Beamte – los. Sie fassen laut Udo Petersohn aber wirklich nur Orte ins Auge, an denen das Unfallgeschehen hoch oder zum Beispiel die Schulwegsicherung ein Thema sei. „Außerdem spielen Art und Anzahl der Verstöße eine Rolle“, so Petersohn.

In der „Scharmarsch“ wird oft geblitzt

Einer der vielen Orte, an denen rasende Autofahrer mit einem Foto festgehalten werden, sei die Straße „Scharmarsch“ in Kirchweyhe, berichtet Udo Petersohn. Das ist eine „öffentliche Hauptverkehrsstraße“, auf der das Tempo 30 gilt. Verkehrsteilnehmer schlagen diesen Weg als Abkürzung ein und überschreiten regelmäßig die Geschwindigkeit. Es sei völlig unerheblich, ob dort ein ehemaliger Spitzenbeamter wohnt oder nicht. „Sollten wir feststellen, dass die Verkehrsteilnehmer sich an die Regeln halten, werden wir die Stelle aus der Liste streichen“, kündigt Petersohn an. Zunächst werden die Messintervalle größer. „Statt einmal im Monat gilt dann nur noch einmal im Quartal.“

Und jede andere Stelle, an der geblitzt wird, habe ebenfalls ihre Besonderheit, so Petersohn. Es sei stets völlig unerheblich, ob dort ehemalige Verwaltungsführungspersonen leben oder nicht. Es gehe stets darum, geltende Limits sowohl an Schulen als auch an Kitas und Seniorenheimen zu kontrollieren, ergänzt Wolfgang Nogga. „Seit zwei Jahren können in der Nähe dieser Einrichtungen Tempo-30-Zonen ausgewiesen werden – es sei dann auch völlig egal, ob diese sich auf Gemeinde- oder auf Kreis-, Landes- oder Bundesstraßen befinden, so Nogga weiter.

Zwei Fahrzeuge vom Landkreis im Einsatz

Um zu blitzen, stellt der Landkreis seinen Mitarbeitern für Stuhr und Weyhe sogar zwei Fahrzeuge zur Verfügung: Neben einem konventionellen Messgerät, könne ein neues die Geschwindigkeiten in Kurven bestimmen. „Das war vor ein paar Jahren noch nicht möglich“, so Petersohn.

Neben den mobilen Geräten gibt es außerdem auch sogenannte Speed-Displays, die, solarbetrieben, das Wege-Zeit-Verhältnis der Fahrzeuge ermitteln. „Diese Geräte befinden sich zum Beispiel an den Ortseingängen“, so Petersohn. Eine Vielzahl von Menschen hatten sich auch in diesen Fällen immer wieder über Raser beschwert.

Obgleich es laut Udo Petersohn noch keine Evaluation gab, so glaubt die Verwaltung anhand von Anwohnerreaktionen, dass diese Geräte „eine tiefenpsychologische Wirkung“ entfalten.

„Autofahrer drücken rechtzeitig auf die Bremse, bevor sie in die geschlossene Ortschaft hineinfahren“, sagt der Rathausmitarbeiter. Derzeit seien sechs Geräte im Einsatz. Diese Anzahl will die Gemeinde ausbauen.

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