Laden war jahrelang Institution

Streetfashion findet keinen Nachfolger: Fachgeschäft für Kindermoden schließt in Weyhe

Geben ihr Geschäft auf: Claudia Köhnenkamp-Weidler und Stefan Weidler.
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Geben ihr Geschäft auf: Claudia Köhnenkamp-Weidler und Stefan Weidler.

Seit der Eröffnung der Marktpassage Kirchweyhe im Jahr 1998 ist dort das Kindermoden-Fachgeschäft Streetfashion angesiedelt. Jetzt ist Schluss: Claudia Köhnenkamp-Weidler und Stefan Weidler haben angekündigt, den Laden aufzugeben. Als Grund nennt das Paar die erfolglose Nachfolger-Suche.

Weyhe – Nach fast einem Vierteljahrhundert in Weyhe schließt das Kindermoden-Fachgeschäft Streetfashion Ende Oktober. Das hat das Unternehmerpaar Claudia Köhnenkamp-Weidler (55) und Stefan Weidler (56) angekündigt. Im Rahmen des Räumungsverkaufs will das Paar aus Riede dabei auch die bei Mädchen und Jungen beliebte Villa Kunterbunt meistbietend versteigern. Ein Tischler hatte das zweigeschossige Holzhaus einst maßangefertigt. Den Erlös möchte das Ehepaar an den vom Weyher Gewerbering initiierten Hilfsfonds zugunsten der Weyher Bürger in Not stiften.

Das Geschäft Streetfashion ist seit der Eröffnung der Marktpassage Kirchweyhe im Jahr 1998 im Geschäfts- und Ärztehaus am Marktplatz ansässig. Es laufe gut, aber es werde mangels Nachfolger nicht weitergeführt. Das Paar habe sich vor zwei Jahren an die Gemeindeverwaltung gewandt. Der Wirtschaftsförderer konnte jedoch auch keinen Interessenten herbeizaubern, der Laden und Kundenstamm übernehmen wollte. Das Paar habe nach eigener Aussage nichts unversucht gelassen.

Dabei sei der Bedarf in Weyhe und der Umgebung durchaus da, sind die Ladeninhaber überzeugt. „Es gab mal drei Kinderfachgeschäfte in Weyhe“, sagt Stefan Weidler. Die Mitbewerber waren an der Bahnhofstraße und am Ruschkamp. „Heute gibt es nur noch uns. Wir haben lange versucht, motivierte Menschen zu finden, die dieses spezielle Einzelhandelsgeschäft weiterbetreiben wollen“, sagt Weidler. Ohne Erfolg.

„Ein guter Einkauf ist der halbe Verkauf“

„Wenn man sorgfältig arbeitet, kann man davon gut leben, aber man darf keine Luftsprünge erwarten“, ergänzt Claudia Köhnenkamp-Weidler. „Ein guter Einkauf ist der halbe Verkauf“, ergänzt sie. Sie und ihr Mann hätten in den vergangenen Jahren regelmäßig Mode- und Spielzeugwaren-Messen besucht und für ihr Weyher Geschäft stets auf Markenware gesetzt. In Hamburg-Schnellsen und in Neuss gibt es Modecenter, in denen 300 bis 400 Firmen sitzen. Aktuelle Sachen seien in riesigen Show-Räumen ausgestellt. Die Weyher seien der Mode immer ein halbes Jahr voraus gewesen. Derzeit seien Naturtöne im Trend. Großen Wert hätten sie immer auf hochwertige Ausführung gelegt. Genau das hätten die Kunden geschätzt. „Wir haben für Neuheiten bestimmter Marken Listen geführt und die Kunden angerufen. Dann hieß es: ,Ich schick’ meinen Mann‘“, erinnert sich Köhnenkamp-Weidler. Und das, obwohl ihre Kundinnen die Ware noch nicht einmal gesehen hätten. „Das Vertrauen unserer Kunden war gewaltig.“ Das komme nicht von alleine. „Man darf sich nicht ausruhen, sondern muss präsent sein – auf Messen ebenso wie im Büro und im Laden.“ Vor der Eröffnung des Geschäftes in Kirchweyhe hatte das Paar einen Laden in Sudweyhe und davor teilweise parallel noch einen in Habenhausen betrieben.

Wie es dazu kam, sich auf Kinder zu spezialisieren? Der Vater von Stefan Weidler hatte in Bremen einen Windelexpress ins Leben gerufen, für den in einer Wäscherei Baumwollwindeln gewaschen und diese dann vermietet wurden. Dann sei das Holzspielzeuggeschäft seines Sohnes dazugekommen. Bekleidung ergänzte das Angebot.

Wird versteigert: Dieses Kinderhaus aus Holz.

„Die Zeiten, in denen viel Geld für Kinderkleidung ausgegeben wurde, sind vorbei.“ Man achte jetzt mehr auf den Geldbeutel. Allerdings gebe es nach wie vor Kunden, die hochwertige Trendartikel oder herausstehende Sachen suchen. „Kinderhosen müssen sitzen“, sagt Claudia Köhnenkamp-Weidler. Markenunternehmen legen Wert auf den Schnitt, manche Schnäppchen aber nicht.

Ihr Geschäft sei jahrelang eine Art Institution gewesen. Während die Eltern zum Arzt gegangen seien, hätten sie die Kinder in ihrem Laden „abgegeben“. Eltern vertrauten den Unternehmern den Nachwuchs an. Umgekehrt vertraute das Unternehmerpaar ihren Kunden Kleidungsstücke an, damit die sich die Sachen in aller Ruhe daheim anschauen konnten.

Hat das Paar je Probleme mit Diebstählen gehabt? Ab und zu vor Weihnachten. „Es waren meist Kleinigkeiten. Es kam nie was Größeres weg.“

Von Sigi Schritt

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