Gerd Ramb schreibt über bewegtes Leben

Als Kaugummi noch ein kleiner Schatz war

Gerd Ramp hat Geschichten aus seinem Leben auf Wunsch seiner Kinder und Schwiegerkinder aufgeschrieben. - Foto: bt

Jeebel - Von Heiner Büntemeyer. Gerd Ramb aus Weyhe hat ein bewegtes Leben hinter sich, denn als er in der Nähe von Ortenberg am Fuße des Vogelsberges in Hessen seine Kindheit erlebte, gehörte Hessen noch zur amerikanischen Besatzungszone.

Die Menschen in seinem Heimatdorf bemühten sich mehr schlecht als recht, über die Runden zu kommen. Das Wirtschaftswunder lag noch in weiter Ferne. Handwerk und Kleinlandwirtschaft bildeten die Grundlage fürs Überleben. Für die Kinder herrschten Zustände, die erst im Abstand von mehreren Jahrzehnten als „paradiesisch“ bezeichnet werden können. Sie bauten sich Flöße, auf denen sie sich auf der Nidder treiben ließen, und die sie erst verließen, wenn sie in den Sog eines Stauwehres zu geraten drohten.

Damit sie nicht in Vergessenheit geraten, hat Ramp solche und andere Geschichten zu Papier gebracht. Zu erzählen weiß er viel. Nach Manövern der amerikanischen Soldaten stöberten die Kinder von damals zum Beispiel unter anderem in deren Hinterlassenschaften und fanden dort Schätze wie Bohnenkaffee, Zigaretten, Kaugummi und Marmelade, die sich gut zu Geld machen ließen. Sie fanden aber auch Platzpatronen, Armeespaten und Dosen mit unbekanntem Inhalt. Dass es sich dabei um Leuchtspurmunition handelt, bemerkten sie erst, als sie die Dose öffneten und der Inhalt mit mächtigem Feuerschweif und einem Lichtblitz das Dorf erhellte und eine mächtige Detonation Fensterscheiben zersplittern ließ. Wer die Täter waren, ließ sich damals allerdings nicht ermitteln, aber sie wurden noch lange vom schlechten Gewissen geplagt.

Bei Familienfeiern erzählte Gerd Ramb immer mal wieder die eine oder andere Geschichte aus seiner Jugendzeit. Aber er erzählte sie ohne den pädagogischen Zeigefinger, um seinen Kindern und Enkeln zu zeigen, wie gut sie es in ihrer Kindheit hatten.

Doch sie bemerkten natürlich die Veränderungen, die sich innerhalb eines Menschenlebens vollzogen haben.

Vielleicht hätten sie auch Lust gehabt, aus einem Fahrrad und ein Paar Skiern einen Skibob zu basteln oder im Wald eine Höhle zu bauen – aber vielleicht hätte Gerd Ramb als „Bub“ auch gerne Spielkonsolen bedient oder mit den Eltern eine Urlaubsreise unternommen.

Vergleichen ließe sich das nicht, meint Gerd Ramb. „Aber wir hatten auch unseren Spaß in unserem kleinen Dorf“. Das empfanden auch Kinder und Schwiegerkinder und baten ihn, seine Erlebnisse aufzuschreiben. „Das geht sonst verloren“, meinte seine Schwiegertochter.

So entstanden bisher acht Geschichten, denen mit Sicherheit noch einige folgen werden, denn Gerd Ramb war unternehmungslustig. Schon als Jugendlicher unternahm er um 1960 zusammen mit seinem Freund eine Radtour mit unglaublichen Erlebnissen, auch wenn sie ihr Ziel Istanbul nicht erreichten. Aus seiner Zeit als Seemann könnte Ramb ebenfalls sicher Interessantes und Amüsantes, aber auch Nachdenkenswertes zu Papier bringen. Auch wenn er jetzt als Rentner kaum noch Zeit dazu hat.

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