Umweltfrevel?

Kahlschlag rund um das Böttchers Moor in Weyhe

Äste stapeln sich am Böttchers Moor.
+
Abgemäht: Gehölzvegetation rund um das Böttchers Moor.

Am Böttchers Moor tut sich was: Pflanzen fehlen, Bäume sind mit roter Farbe markiert und Kettenfahrzeuge haben ihre Spuren im Boden hinterlassen.

  • Die Vegetation am Böttchers Moor schwindet.
  • Spaziergänger ignorieren Verbote.
  • Wird der Naturschutz mit Füßen getreten?

Weyhe – So manch einer, der derzeit am Böttchers Moor die Idylle am Wasser genießen will, reibt sich verwundert die Augen: Dort, wo noch vor Wochen Uferpflanzen einen mehrere Meter mächtigen Gewässerrandstreifen bildeten, sind Spuren eines Kettenfahrzeugs zu sehen. Die Pflanzen, die dort gewachsen sind, gibt es nicht mehr. Der Streifen ist eingeebnet worden.

Freie Bahn für Spaziergänger, die jetzt mühelos, das Biotop-Gewässer umrunden. Auch Hundebesitzer führen dort ihre Vierbeiner aus, hat eine Stippvisite ergeben. Schilder, dass niemand das Biotop betreten soll, werden ignoriert.

Außerdem können Spaziergänger erkennen, dass es an einigen Bäumen frische Schnittkanten gibt. Andere Bäume rund um das Biotop sind wiederum mit roter Farbe markiert. Droht der Kahlschlag? Wird der Naturschutz mit Füßen getreten?

„Die Arbeiten, deren Spuren derzeit rund um das Böttchers Moor zu erkennen sind, dienten letztlich dem Naturschutz“, sagt der Weyher Umweltbeauftragte Ulf Panten auf Anfrage. Die Maßnahmen seien nicht zuletzt im Sinne der Sicherheit aller vorgenommen worden, die in diesem Bereich eben jene Natur genießen möchten. Das Ganze erfolgte in enger Absprache mit der Unteren Wasserbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Diepholz.

Umweltbeauftragter erklärt die Hintergründe am Böttchers Moor

Der Umweltbeauftragte erklärt die Hintergründe: Durch den niedrigen Wasserstand im Böttchers Moor sei im sehr breiten Randbereich in den vergangenen Jahren „sehr viel junge Gehölzvegetation“ aufgelaufen. Damit dort nicht in einigen Jahren wieder „überall Weiden und Birken einen dichten Gehölzsaum bilden, wurde dieser Bereich partiell mit Bagger und Mähkorb bearbeitet, um einmal den Raum für Röhricht-Pflanzen zu erhalten“. Es sei bei den Arbeiten auch darum gegangen, die vorhandene Biomasse, die sich dort massiv entwickelt hatte, zu reduzieren. „Bei steigenden Wasserständen würde diese Biomasse sonst im Wasser verrotten und zu erhöhten Nährstoffeinträgen führen“, erläutert Panten.

Zur Förderung der Artenvielfalt sei ein offener Randbereich sehr wichtig, erklärt Panten. Das Insekten-, insbesondere das Libellen-Vorkommen habe sich seit der Entschlammung im Jahr 2014 erheblich verbessert, und von der Aussichtsplattform sollen Besucher noch lange den schönen Blick genießen können. Der Rathausmitarbeiter erklärt ebenfalls, weshalb am Steg Weidenbüsche entfernt wurden: Diese hätten den Steg „immer mehr beschattet und hätten verhindert, dass dieser abtrocknen konnte. „Die Holzbohlen wurden dadurch rutschig, das Material leidet sehr, und der Verfallsprozess wird beschleunigt.“

Der Rathausmitarbeiter erläutert auch, weshalb Bäume beschnitten wurden. Es gehe um die Verkehrssicherungspflicht. Einige Birken entlang der Wege seien abgestorben. „Der niedrige Grundwasserspiegel war die Ursache.“ Die Wurzeln der großen Bäume hätten dem sinkenden Wasserstand im Erdreich nicht so schnell hinterher wachsen können. „Die Bäume leiden an sogenanntem Wasserstress und gehen oftmals ein.“

Insgesamt fehlte am Böttchers Moor das Wasser. Der geringe Wasserstand am Messpegel bestätigt diese Entwicklung. Die niederschlagsarmen Jahre 2018 bis 2020 hätten bei vielen Feuchtbiotopen Spuren hinterlassen. Laut Panten sei die Wasserqualität aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes mäßig. „Daher war das Abmähen der Ufervegetation so wichtig.“

Weyher Landschaftsschutzgebiet für Natur und Bürger erhalten

Der Naturschutzbund Weyhe äußert laut seines Vorsitzenden Thomas Brugger auf Nachfrage Verständnis für die Arbeiten der Gemeinde. Diese investiere seit Jahren tausende Euro, um „dieses wunderschöne Landschaftsschutzgebiet für die Natur und den Bürgern zu erhalten“. Brugger wird nicht müde, die Harzwasserwerke anzusprechen (wir berichteten). Diese seien „für den Schaden am Moor eigentlich verantwortlich“, so Brugger. Sie scheinen allerdings „nicht kompensationspflichtig zu sein“. Das Gewässer werde durch die Trinkwassergewinnung stark beeinträchtigt. „Das Moor war immer überwiegend Grundwasser gespeist. Dieses wird aber durch die Absenkung des Grundwasserspiegels um bis zu 1,5 Meter durch die Trinkwassergewinnung (18 Millionen Kubikmeter/Jahr) aber verhindert. Im Normalzustand wäre der Wasserspiegel des Moores heute rund einen Meter höher.

Den Nabu stört, dass derzeit „einige Bürger den gemähten Uferbereich als Liegewiese oder für einen Spaziergang mit oder ohne Hund für sich entdeckt hätten. Bestehende Verbotsschilder werden teilweise ignoriert oder sind dem Vandalismus zum Opfer gefallen, ärgert sich Brugger. Der Nabu fordert die Gemeinde auf, um das Moor eine Absperrung zu errichten, die Bürger in ausreichendem Abstand zur Wasserkante auf Wegen führt. Hunde müssten dort dauerhaft angeleint werden, so Brugger. Der Gemeinde kritisiere ebenfalls Spaziergänger, die im Biotop herumlaufen, so Panten. „Trotz der Hinweisschilder, die ein Betreten der Randbereiche untersagen, bilden sich gerade jetzt auf den gemähten Flächen deutliche Trampelpfade. Die wild lebenden Tiere finden somit nur bedingt Rückzugsräume und werden immer wieder durch Hunde gestört.“ Derartige Beeinträchtigungen seien in diesem Landschaftsschutzgebiet untersagt. „In der Brut- und Setzzeit wird seitens der Gemeinde dieser Biotopbereich verstärkt kontrolliert“, kündigt Panten an. Er mahnt: „Auch wenn ein Rundgang am Wasser verlockend ist, sollten Spaziergänger diesen Bereich nicht betreten.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Meistgelesene Artikel

Behälter des Bassumers Horst-Dieter Jobst sollen Tod im Altkleidercontainer verhindern

Behälter des Bassumers Horst-Dieter Jobst sollen Tod im Altkleidercontainer verhindern

Behälter des Bassumers Horst-Dieter Jobst sollen Tod im Altkleidercontainer verhindern
Ortsfeuerwehr-Mitglieder verzichten auf Vorschlagsrecht

Ortsfeuerwehr-Mitglieder verzichten auf Vorschlagsrecht

Ortsfeuerwehr-Mitglieder verzichten auf Vorschlagsrecht
Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte

Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte

Feuerwehr Diepholz: Mobbing als Begründung für Rücktritte
Landkreis Diepholz zieht keine Notbremse

Landkreis Diepholz zieht keine Notbremse

Landkreis Diepholz zieht keine Notbremse

Kommentare