Die AfD kann sich bei den Leester Schülern nicht durchsetzen

Juniorwahl an der KGS: Tevfik Özkan vor Axel Knoerig

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Insgesamt 316 Schüler ab der neunten Klasse haben ihre Stimmen abgegeben.

Leeste - Von Sigi Schritt. Bei der Juniorwahl in der Kooperativen Gesamtschule in Leeste haben Schüler ab der neunten Klasse die Bundestagswahl simuliert.

Entgegen dem Wahlergebnis in der Wesergemeinde hätten die Schüler nicht den Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig (CDU) aus Kirchdorf erneut in den Bundestag geschickt, sondern den SPD-Kandidaten Tevfik Özkan, Ratsmitglied in Weyhe. 177 KGS-Schüler votierten für den Sozialdemokraten, 77 für den Christdemokraten. Beide hatten das Abitur im Gymnasium Syke abgelegt.

Klaus Joachim Schmelz (Grüne) kam mit 56 Stimmen auf Platz drei und der Liberale Alexander Carapinha Hesse (25) auf Rang vier. 19 Schüler stimmten für den ehemaligen Leester und Kirchweyher KGS-Lehrer Karl-Heinz Breternitz (AfD). Jürgen Abelmann (Linke) vereinte insgesamt zwölf Stimmen. Von den 498 hatten 316 Wahlberechtigte am Computer die Kreuze gesetzt. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 63,45 Prozent, teilt die zuständige Fachbereichsleiterin der KGS, Annika Nickel, mit. Bei den Zweitstimmen war eine ungültig – bei der Erststimme waren es zehn.

Die Grünen haben bei den Zweitstimmen die Nase vorn. Auf den weiteren Plätzen folgen SPD, CDU und Die Partei. Die AfD liegt an fünfter Stelle, gefolgt von der Linken und der FDP. Die Schlussplätze belegen mit je einer Stimme die NPD und MLPD.

Der Didaktische Leiter der Schule Wolfram Boberski äußerte sich zum Ausgang der Juniorwahl an der KGS zufrieden. „Das Ergebnis spiegelt unsere Schulkultur wider.“ Erschreckender seien die Wahlen in Thüringen ausgegangen. Er habe bei der jüngsten Weimar-Fahrt Vorab-Ergebnisse erfahren. Zwar stehe die CDU an erster Stelle, die AfD folge jedoch dicht an der zweiten. „Das sollte der Bildungspolitik zu denken geben.“

90 Prozent wünschen sich Fortsetzung der GroKo

Für welche Regierung haben sich KGS-Schüler ausgesprochen? Bei der Wahlprognose hatten seine Leistungskursschüler sich zu 90 Prozent die Fortsetzung der großen Koalition gewünscht. Sie habe gute Arbeit gemacht. Die schnelle Absage des Kanzlerkandidaten Martin Schulz, die SPD werde für die nächste Wahlperiode nicht mehr für die Regierung zur Verfügung stehen, um mit der Union zu koalieren, sei nachvollziehbar. So bilde die AfD nicht die stärkste Opposition, sondern die SPD, und die Sozialdemokraten hätten Zeit, ihr Profil zu schärfen.

Das Spektrum, welche Parteien sich für eine Regierungsbildung zusammenschließen, ist laut Boberski stark eingeschränkt. Nur zwei Schüler prognostizierten eine Jamaikakoalition. Turbulenzen seien auch von der CSU zu erwarten, so der Lehrer. Es werde spannend sein, wie die Kanzlerin die Christsozialen und die Grünen zusammenbringe.

„Moderne Parteien haben keine Parteisoldaten mehr“

Derweil diskutieren die Schüler die Thesen des im vergangenen Jahr verstorbenen Parteienforschers Peter Lösche. Er glaubte, dass das Ende der Volkspartei gekommen sei. Durch die neue Vielfalt seien Wahlen zum Lotteriespiel geworden, sagte er. In der Vergangenheit hätten die Wähler gewusst, welche Koalition sie bekommen, wenn sie ihre Kreuze bestimmten Parteien geben. Die Parteien könnten sich nicht mehr auf ihre Wählerstämme verlassen, skizzierte Boberski Lösches Beobachtungen.

Die jüngste Wahl sieht der KGS-Lehrer als Beleg. „Moderne Parteien haben keine Parteisoldaten mehr, sondern setzen auf professionalisierte Marketingagenturen. Strategiepapiere würden nicht mehr in einem basisdemokratischen Prozess, sondern in den Köpfen von Eliten erarbeitet“, so der Lehrer. Als Probleme sieht Boberski „die fehlende Informiertheit“ der Bevölkerung und mangelnde Kenntnisse der Tagespolitik. Wer eine oder mehrere Tageszeitungen regelmäßig lese, erfahre Fakten, um etwa auf verschiedenen Ebenen mitzureden, sagt Boberski.

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