Jungen und Mädchen besprühen Hauswand

Keine Grenzen, keine Gesetze

Dank der Teilnehmer des Graffiti-Workshops ist die Wand des alten Hauses nun bunt. - Foto: Ehlers

Kirchweyhe - Von Katharina Schmidt. Eine Gruppe junger Menschen hat eine Hauswand an der Kirchweyher Straße besprüht. Ein Fall für die Polizei? Nein. Bei den „Graffiti Days“ des Jugendhauses „Trafo“ zeigte der Bremer Kunststudent Pit acht Jungen und Mädchen, dass Graffiti viel mehr sein können als Vandalismus.

Die Teilnehmer des zweitägigen Workshops, der am Dienstag endete, waren zwischen neun und zwölf Jahren alt. Erst ließen die Kinder ihrer Kreativität im Jugendhaus mit Stiften und Papier freien Lauf. Später zogen sie mit Sprühdosen bewaffnet ein Grundstück weiter und verzierten die Fassade des Gebäudes an der Kirchweyher Straße 53.

Das alles geschah völlig legal. Die Gemeinde will das nun bunt besprühte Gebäude eh bald abreißen lassen. Es soll einem neuen Mehrfamilienhaus weichen.

Ob Schriftzug oder Comichelden: Die jungen Sprayer durften selbst entscheiden, was sie malen. „Es gibt bei der Gestaltung keine Grenzen, keine Gesetze“, ermutigte der Künstler Pit.

Wenn es darum geht, den passenden Ort für Graffiti zu finden, gibt es hingegen Regeln – zum Beispiel den Paragrafen „Sachbeschädigung“ des Strafgesetzbuches. Wände zu finden, auf denen sich Künstler bedenkenlos austoben dürfen, ist Pit zufolge gar nicht so einfach. „Es wäre schön, wenn es mehr davon geben würde“, merkt er an.

„Die Sprühdose übt eine Faszination auf junge Menschen aus“, hat der 31-Jährige beobachtet. „Es ist ein interessanteres Gerät als ein Pinsel oder ein Bleistift. Und man kann relativ schnell relativ gute Ergebnisse erzielen.“ Zudem sei Graffiti stark mit der Hip-Hop-Szene verbinden – das reize viele.

„Graffiti ist eine anerkannte Kunstform“, betont Pit. Gesprühte Bilder würden in Galerien in Mailand, Paris oder Berlin hängen. „Graffiti als Vandalismus zu verteufeln ist nicht mehr zeitgemäß.“

Der Student selbst hat sich schon in jungen Jahren für diese Art der Kunst interessiert – genau wie die Schüler, die bei seinem Workshop gegen einen Beitrag von drei Euro mitgemacht haben. „Ich gucke mir ständig neue Motive an“, erzählte zum Beispiel Claas aus Weyhe. Während er sprach, verpasste er Buchstaben auf einem Blatt Papier einen dicken Schatten.

Dass nicht immer alle Graffiti gut aussehen, merkte der elfjährige Ilya an. „Ich laufe an der Schule immer an hässlichen Graffiti vorbei. Die gehen nicht so leicht ab.“

Damit ihre Werke nicht hässlich werden, gaben sich die Workshop-Teilnehmer beim Sprühen größte Mühe. Pit half ihnen, ihre Vorstellungen zu verwirklichen. „Man muss ein Gespür für die Dose entwickeln, sonst läuft die Farbe einfach nur an der Wand herunter“, sagt er. Außerdem gebe es viele Möglichkeiten, den Farbnebel aufzutragen – manche Künstler würden lieber mit harten Kanten arbeiten, andere mit sanften Farbverläufen.

Wie auch immer die Werke am Ende aussehen: Meistens sind sie schnell wieder weg. Auch das Graffito an der Kirchweyher Straße wird nur solange bleiben, bis die Abrissbagger anrücken. „Graffiti ist keine langlebige Kunst“, so Pit. Auch auf legalen Flächen würden die Motive übersprüht. „Es ist nicht für die Ewigkeit. Es geht um den Moment – und um Spaß.“ Den hatten die Jungen und Mädchen in Kirchweyhe.

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