Junge Mediatoren suchen gemeinsam Lösungen

Seit zehn Jahren läuft das Streitschlichter-Programm

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Junge Streitschlichter und solche, die es mal waren, haben eines gemeinsam: Sie scheuen sich nicht, für Konflikte unter Schülern Lösungswege zu suchen. Sie rahmen Rektorin Ingrid Lühmann (Mitte) und Lehrerin Angela Schumacher (vorne) ein.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Gründe für einen Konflikt sind zahlreich: Der Platz auf der Vogelnestschaukel ist besetzt, es gibt Anrempeleien, mal einen unkontrollierten Schuss mit dem Ball oder eine Gruppe oder Person will eine andere nicht mitspielen lassen. Damit diese und andere Probleme nicht ausufern und nicht jedes Mal ein Lehrer eingreifen muss, übernehmen zu Streitschlichtern ausgebildete Grundschüler Pausendienste, um anderen Kindern zu helfen, bei einem Konflikt eine gemeinsame Lösung zu finden.

Dass sich aus der sprichwörtlichen Mücke kein Elefant entwickelt, ist regelmäßig ein Verdienst eines jungen Mediatorenteams. Amy und Frieda gehören derzeit dazu. Wenn sie eingreifen, halten die selbstbewussten Mädchen sich stets an den klaren Ablauf, den sie in ihrer Ausbildung gelernt haben. Sie verdeutlichen ihr Vorgehen an einem Beispiel: Jungs spielen Fußball, dabei verfehlt ein Schuss sein Ziel. Der Ball trifft eine Mädchengruppe. Von einer Minute auf die andere haben einige Mädchen mit anderen Jungs auf dem Schulhof plötzlich Stress – ein Fall für die die Streitschlichterinnen.

Alle Jungen und Mädchen, die dazu gehören, sollen zunächst ihre Namen nennen. Dann erklären Amy und Frieda die Regeln. „Niemand wird beleidigt. Alle hören zu. Jeder lässt den anderen ausreden.“ Anschließend ermitteln die jungen Streitschlichterinnen den Sachverhalt. In der nächsten Stufe möchten sie von den Betroffenen wissen, wie sie sich fühlen, und ob sie sich in die Gefühlslage der anderen Person hineinversetzen können. Als Nächstes möchten Amy und Frieda wissen, ob dem Konflikt etwas anderes vorausgegangen war. Dann soll jeweils ein Vertreter für die jeweilige Gruppe reden. Zum Schluss vereinbaren die Streitschlichterinnen Lösungsvorschläge.

Streitschlichter haben das Miteinander verinnerlicht

„Vor elf Jahren haben die Schüler erstmals im Rahmen des Buddy-Programms der Vodafone-Stiftung Strategien der Konflikt-Bearbeitungen kennengelernt“, sagt Ingrid Lühmann, Rektorin der Grundschule. „Wir hatten damals das Streitschlichterprogramm erfolgreich erprobt, deshalb gehört es auch seit 2007 zum festen Bestandteil des Schulprogramms.“ Die Schule habe insgesamt rund 100 Streitschlichter im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft ausgebildet, sagt Lühmann. „Das hat dazu geführt, dass sich das Miteinander und das Schulklima erheblich gebessert haben“, sagt die Rektorin der Grundschule. „Wir sind stolz, eine Buddy-Schule zu sein. Denn unsere Schüler lernen Strategien der konstruktiven Konfliktbearbeitung kennen.“

Die Streitschlichter hätten das Motto dieses Programms, „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“, verinnerlicht. „Streitschlichter übernehmen Verantwortung und erleben, dass sie von den anderen Kindern akzeptiert werden“, ergänzt Angela Schumacher, die von Beginn an die Ausbildung übernommen hat. „Die Ausbildung stärkt die soziale Kompetenz, Kooperations- und Konflikt- sowie Kommunikationsfähigkeit“, nennt Schumacher die Vorteile.

Abiturientin erinnert sich gern an die Ausbildung

Kurz vor den Ferien hat die Schule ehemalige Streitschlichter eingeladen, um mit den aktuellen den Erfolg des Programms zu feiern.

Abiturientin Denise Raquel Zafra Vicente erinnert sich noch gern an die Zeit. „Ich war stolz darauf, dass man mir diesen Job zutraute“, schrieb sie als Grußwort. Sie glaubt, dass diese Ausbildung einen positiven Einfluss darauf hatte, dass sie sich zu einem sozialen Menschen entwickelt hat. Anna Pioch hat gelernt, dass es wichtig ist, bei einem Streit gerecht zu bleiben, den anderen zu respektieren und nicht zu beleidigen. „Es ist wichtiger, einen Kompromiss einzugehen, als stur seine Meinung durchzusetzen“, so Pioch. Für die Ehemalige Finja Rimek waren die Momente schön, in den sich „die Streithähne die Hand zur Versöhnung“ gaben.

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