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Junge Apfelbäume tragen alte Sorten

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Die Paten Waltraud und Wolfgang Meier (r.) begutachten mit Jürgen Heyn und Ehefrau Barbara Brinkmann den weißen Klarapfel.
Die Paten Waltraud und Wolfgang Meier (r.) begutachten mit Jürgen Heyn und Ehefrau Barbara Brinkmann den weißen Klarapfel. © Mediengruppe Kreiszeitung / Sandra Bischoff

Leeste - Von Sandra Bischoff. Das erste Treffen hielt eine kleine Überraschung bereit: „Der trägt ja schon“, sagt Waltraud Meier erfreut, als sie die fünf grünen Äpfel an ihrem Baum sieht.

Mit ihrem Ehemann Wolfgang hat sie die Patenschaft für eine der 41 seltenen Apfelbaumsorten übernommen, die Jürgen Heyn, seine Frau Bärbel Brinkmann und ein befreundetes Ehepaar im vergangenen November in der Leester Marsch gepflanzt hatten (wir berichteten). Gestern trafen sich die Paten zum ersten Mal und viele von ihnen sahen auch zum ersten Mal „ihren“ Baum.

In knapp zwei Wochen können die Meiers mit der Ernte ihres „Weißen Klarapfels“, beginnen. „Ich werde Apfelmus daraus machen. Die frühen Sorten eignen sich gut zum Einkochen“, sagt Waltraud Meier, die aus Hatterwüsting kommt. Die Idee, eine Patenschaft zu übernehmen, sei durch den Initiator Jürgen Heyn, ihren Nachbarn, entstanden. „Es ist eine tolle Sache, diese Sorten aufleben zu lassen. Das sind Äpfel wie ich sie aus meiner Kindheit kenne.“

36 Paten hat Heyn für seine 41 Bäume bereits gefunden. Eine Leesterin, die gestern Nachmittag zufällig an der Wiese an der Straße „Am Weidufer“ vorbei radelte, entschied sich spontan, ebenfalls eine Patenschaft zu übernehmen. „Jetzt haben wir nur noch vier patenlose Bäume“, sagt Heyn erfreut.

Die Paten seien notwendig, um die Unterhaltung der Wiese zu finanzieren. Neben dem Pachtpreis für das Land schlagen auch der Frühjahrsschnitt und das Mulchen der Fläche zweimal jährlich zu Buche. 14 Euro zahlen die Paten pro Jahr für einen Baum. Ab dem dritten Jahr verdoppelt sich der Preis. „Dann erhöhen sich aber auch die Erträge“, so Heyn. Im Gegenzug dürfen die Paten ihre Äpfel pflücken und mit nach Hause nehmen.

„Die Sorten sind zum Teil 300 bis 400 Jahre alt uns sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten“, erklärt der Pomologe Dankwart Seipp, der Heyn bei der Auswahl der Bäume geholfen hatte und gestern Nachmittag über alte Obstbaumsorten informierte. Bei Kaffee, Kuchen und Apfelsaft hatten es sich die Paten auf der Wiese an langen Tischen bequem gemacht und kamen miteinander ins Gespräch.

Heyn indes will die Wiese um rund 5.000 Quadratmeter erweitern. Dort sollen ab Herbst noch weitere Apfelbäume, aber auch andere alte Obstsorten wie die Birne Nordhauser Winterforelle, Zwetschen, Pflaumen, Mirabellen und Renekloden wachsen. Und für den Herbst 2014 plant er das erste Apfelfest, für das er auch eine Presse organisieren will. „Dann kann jeder Pate seinen eigenen Apfelsaft herstellen.“

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