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Jugendhaus Trafo in Weyhe: Rückblick auf Corona, Vorfreude auf Konzerte

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Von: Dierck Wittenberg

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Trafo-Mitarbeiter Till Wörner steht vor der Graffiti-Wand am Jugendhaus Trafo. Seit der Coronazeit haben sich am Jugendhaus Trafo viele Angebote draußen abgespielt.
Vor der Graffiti-Wand. Trafo-Mitarbeiter Till Wörner blickt auf die Coronazeit zurück, in der sich am Jugendhaus Trafo viele Angebote draußen abgespielt haben. © Wittenberg

Blick zurück, Blick nach vorn: Für das Trafo ist die Pandemie noch nicht überstanden. Aber es soll wieder Konzerte am Kirchweyher Jugendhaus geben, darunter ein Bandcontest.

Weyhe – Die Plexiglas-Wand am Kickertisch ist immer noch da. Mit dem Trenner und neuen Regeln – Tischfußball nur noch eins gegen eins – sollte es im ersten Pandemie-Jahr trotz Corona weitergehen. „Unbeschwertes erschwert möglich“, hatte die Kreiszeitung dazu im August 2020 nach ihrem Besuch im Jugendhaus Trafo geschrieben.

Haustürkonzerte am 7. und 21. Mai

Mit Veranstaltungen im Mai startet das Jugendhaus Trafo nach der Coronapause wieder in die Konzertsaison – wegen Covid vor der eigenen Haustür. Den Auftakt bildet am Samstag, 7. Mai, ab 19 Uhr, das Konzert mit Unsparrow, Roy the Boi sowie Paratulli & Friese: einmal Alternativ Rock/Punk und zwei Hip-Hop-Acts. Am Samstag, 21. Mai, gibt es ab 19 Uhr einen Bandwettbewerb für das Aufmucken-Festival mit je 15-minütigen Auftritten. Wer Jury und Publikum am meisten überzeugt, darf auf dem diesjährigen Aufmucken-Festival spielen. Die Bewerbungsphase läuft bis 11. Mai.

Mehr als anderthalb Jahre später ist die Covid-Pandemie nicht überstanden, aber das Jugendhaus ist weitgehend zum Normalbetrieb zurückgekehrt. Unter gewissen Einschränkungen: Drinnen gilt weiterhin Maskenpflicht und, für über 18-Jährige, 3G.

Eine Bühne vor der Tür ermöglicht wieder Konzerte am Jugendhaus Trafo

„Die Jugendarbeit steht auf zwei Beinen“, sagt Till Wörner vom Jugendhaus Trafo: Einerseits die Offene Tür, andererseits Veranstaltungen. Auf Konzerte und Partys im Innenraum wird nach wie vor verzichtet. Aber draußen soll nun wieder losgehen (siehe Kasten), mit einer Bühne vor der Eingangstür, die die benachbarte Jugendwerkstatt eigens gebaut hat.

Das Konzert am 7. Mai wird das erste seit Februar 2020 sein. „Wir freuen uns richtig darüber“, sagt Wörner, stellvertretend für seine beiden Kollegen und alle Beteiligten: „Wir sind aufgeregt, wieder in den Veranstaltungsmodus zu kommen,“ bekennt er.

Beim Bandcontest winkt der Eröffnungsslot des „Aufmucken“-Festivals

Hierzu zählt auch der Bandcontest am 21. Mai, bei dem der Eröffnungsplatz auf dem „Aufmucken gegen Rechts“-Festival winkt. Für Wörner ist der Bandwettbewerb eine „super Brücke“ zur politischen Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus, die das Jugendhaus anbietet.

Fragt man ihn nach der Jugendarbeit in den vergangenen zwei Jahren fragt, betont Wörner: „Es gibt nicht den Jugendlichen“. Er verweist auf die unterschiedlichen Lebenswelten, Jugendkulturen und Fan-Szenen, in denen sich die Jugendlichen bewegen.

Rückblick auf Jugendarbeit in den vergangenen zwei Corona-Jahren

Rückblickend unterteilt der Erziehungswissenschaftler die Pandemie in drei Phasen. Wörner erinnert an die ersten Pandemie-Monate, als das Virus neu und über seine Verbreitungswege noch wenig bekannt war. Aus dieser Zeit stammen die Plexiglas-Trenner an Supermarktkassen – oder eben am Tischkicker. Heute wisse man, dass Aerosole sich durch so ein Hindernis kaum aufhalten lassen. Aber die durchsichtigen Trennwände hätten damals ein gewisses Maß an Sicherheit versprochen.

„Angst und Verunsicherung spielen eine ganz große Rolle“, sagt Wörner, wenn er an die Kinder und Jugendlichen in dieser Phase zurückdenkt. Jugend, betont er, sei etwas, das die Jugendlichen selbst und unterschiedlich gestalteten, mit neuen Freundeskreisen, ersten Liebesbeziehungen, Veränderungen im Elternhaus. Da habe die Pandemie für einen Bruch im Alltag gesorgt.

Virtuelles Stadt-Land-Fluss und Online-Vorträge in der Zeit der Kontaktbeschränkungen

In einer zweiten Pandemie-Phase wusste man allmählich, wie man sich infiziert. Der Staat reagierte mit Kontaktbeschränkungen. Hierfür hat Wörner auch Unverständnis registriert. „Nicht, um das Virus zu verharmlosen.“ Eine Frage sei zum Beispiel gewesen: „Warum geht die Arbeit im Betrieb weiter, während ich abends nicht herausgehen darf?“

Im Jugendhaus wurden in dieser Zeit Veranstaltungen ins Virtuelle verlegt. Weil man sich physisch nicht treffen konnte, habe man per Videokonferenz über rechte Verschwörungsmythen diskutiert. Stadt-Land-Fluss wurde über Skype gespielt. Unterhaltungen, die Wörner sonst am Tresen geführt hätte, fanden andere Wege. Er denkt etwa an Telefonate zurück, in denen es um gerade gesehene Youtube-Videos ging: „Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich mit Jugendlichen telefonieren würde.“

Tag für ukrainische Jugendliche war ein Erfolg

Von den Impfungen – auf die Jugendliche länger warten mussten als andere Gruppen – sieht Wörner die dritte Phase geprägt. Aber auch von Long-Covid. Deshalb hätten Jugendliche nach wie vor Angst, sich anzustecken.

Mit Einschätzungen dazu, wie sich die Einschränkungen während der Pandemie sich auswirken werden, hält sich Till Wörner zurück: „Das lässt sich schwer sagen, das wird sich noch zeigen.“

Offen ist auch, wie viele Jugendliche aus der Ukraine in nächster Zeit Zuflucht in Weyhe suchen werden. Einen – auf Russisch und Ukrainisch beworbenen – Willkommenstag am 7. April beschreibt Wörner als Erfolg – der auch emotional bewegend war. „Über 20 ukrainische Geflüchtete waren da.“ Auch wenn man sich vorher nicht kannte, habe man sich untereinander mit anderen austauschen können, getanzt, Billard gespielt. Und die Jüngeren, erzählt Wörner, die konnten „einfach mal Kind sein“.

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