Eine Ära endet nach 120 Jahren

Jürgen Wiechmann übernimmt den Traditionsbetrieb Gieseke & Bösche zum Jahresende

Dieses Gruppenbild zeigt die Mitarbeiter des Unternehmens Gieseke & Bösche: Ralf und Birgit (vorne rechts) scheiden in wenigen Tagen aus dem Betrieb. Er soll weiterhin in Leeste angesiedelt bleiben. Meister Jürgen Wiechmann (vorne, 3.v.l.) wird neuer Inhaber. Seine Frau Britta (2.v.l.) wird das Büro leiten, und mit Sohn Finn-Luca (l.) steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern.
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Dieses Gruppenbild zeigt die Mitarbeiter des Unternehmens Gieseke & Bösche: Ralf und Birgit (vorne rechts) scheiden in wenigen Tagen aus dem Betrieb. Er soll weiterhin in Leeste angesiedelt bleiben. Meister Jürgen Wiechmann (vorne, 3.v.l.) wird neuer Inhaber. Seine Frau Britta (2.v.l.) wird das Büro leiten, und mit Sohn Finn-Luca (l.) steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern.

Vor 120 Jahren hat Wilhelm Gieseke seinen Klempnerei-Betrieb in Weyhe gegründet. Bis zum Jahresende noch wird dieser ein klassischer Familienbetrieb sein, ehe Ralf Bösche die Firma Gieseke & Bösche an seinen Nachfolger Jürgen Wiechmann übergibt – und der schickt sich bereits an, die Tradition fortzuführen.

Weyhe – 1901: In der September-Ausgabe eines Vorläufers dieser Zeitung gibt Wilhelm Gieseke eine Geschäftseröffnung bekannt: „Sämtlichen Einwohnern von Leeste und Umgebung zur gesl. Kenntnißnahme, daß ich mich im Hause Nr. 40 als Klempner etabliert habe.“ Und weiter heißt es dort: „Es wird mein Bestreben sein, sämtliche Arbeiten prompt, billig und gut herzustellen, um meine geehrte Kundschaft in jeder Weise zufrieden zu stellen.“

Das ist mehr als 120 Jahre her. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Betrieb von Wilhelm Gieseke zu einem modernen Unternehmen in Sachen Sanitär und Heizung entwickelt. Die Ära des familiengeführten Traditionsunternehmens Gieseke & Bösche endet in wenigen Tagen – an Silvester.

Vieles bleibt beim Alten

Jürgen Wiechmann, Gas- und Wasserinstallateur- und Heizungsbaumeister, ist einer von neun Mitarbeitern und übernimmt die Firma. Der 55-Jährige will sie ebenfalls als Familienbetrieb fortführen. Seine Frau Britta und Sohn Finn-Luca werden künftig für den Empfang sowie für das Büro samt Rechnungswesen verantwortlich sein, kündigt Jürgen Wiechmann an. Der künftige Inhaber behält alle Mitarbeiter. Ralf Bösche (69) und Ehefrau Birgit (65) scheiden aus. Beide wechseln gemeinsam in den verdienten Ruhestand.

Es wird sich also am Henry-Wetjen-Platz, gegenüber der Leester Marienkirche, nicht viel verändern. Das Noch-Inhaber-Paar werde weiter im kombinierten Wohn- und Geschäftshaus leben. Und den Namen der Firma wolle Jürgen Wiechmann ebenso beibehalten wie die bekannten Möglichkeiten der Kontaktaufnahme.

Früher war alles anders

Was bleibt dem aktuellen Inhaber-Paar? Jede Menge an Erinnerungen, Bilder und Unterlagen aus vergangenen Jahrzehnten: Wilhelm Gieseke hatte nicht nur eine Klempnerei, sondern 1901 auch ein kleines Haushaltswarengeschäft eröffnet. „Dort kauften die Leester Petroleumlampen und Töpfe“, sagt Ralf Bösche. Der Gründer bot hauptsächlich Bauklempner- und Pumpenarbeiten an. Als es in Leeste und der Umgebung noch kein fließendes Wasser gab, schlug Wilhelm Gieseke im Haus und im Garten nämlich Pumpen. „Die Menschen damals konnten das Grundwasser problemlos trinken. Schmeckte es nicht, wurde einfach tiefer gebohrt“, so Bösche. „So war das damals.“

Ein Blick in die alte Werkstatt.

Ob Zinkwanne oder Waschkessel – der Leester Betrieb hat alles angeschlossen. Der Waschkessel sei damals sehr wichtig gewesen, weil er mehrere Funktionen erfüllte. Er diente einerseits dazu, die Textilien zu waschen, andererseits wurde er für die Hausschlachtung eingesetzt. Der Kessel wurde mit Holz oder Kohle befeuert.

Wie aus Gieseke die Firma Gieseke & Bösche wurde

Der Firmengründer heiratete. Eines der Kinder, Friedrich Wilhelm, Fritz genannt, arbeitete in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit. Mit Fahrrad und Anhänger und mit Dachrinnen auf den Schultern zog er los, um diese an den Häusern anzubringen. Dieser Sohn heiratete Henny Behrens aus Stuhrbaum und bekam 1931 eine Tochter: Elfriede. Sie wiederum vermählte sich mit Heinz Bösche und übernahm 1961 das Haushaltswarengeschäft von ihrer verstorbenen Mutter. So ist der Name Bösche in den Firmennamen hereingekommen.

Das Paar bekam zwei Kinder – unter anderem Ralf Bösche, den jetzigen Firmeninhaber. „Mein Vater war ein großer Sportler und hatte bei Borgward Werkzeugmacher gelernt“, sagt Ralf Bösche. Doch dieser habe seinen Beruf nach langer russischer Gefangenschaft nicht mehr ausüben können und eine Anstellung bei Ralfs Großvater bekommen.

Aufgabenspektrum wuchs stetig

Das Aufgabenspektrum in den 50er-Jahren war erheblich größer geworden. So wurden zum Beispiel angelieferte Fleischprodukte der Kunden mit einer Dosenmaschine für zehn Pfennige pro Stück geschlossen.

Im Leeste der Nachkriegszeit wurden die ersten Bäder eingerichtet und auch die ersten Hauswasseranlagen angeschlossen. „Viele hatten damals noch einen Donnerbalken“, so Bösche. Die Arbeit sei damals besonders schwer gewesen. Kunden hätten mitanpacken müssen, als gusseiserne Wannen in die Häuser gebracht wurden.

Ralf Bösche sei in den Betrieb hineingewachsen. Geboren 1951 in Bremen, brauchte er keine Berufsberatung. Früh stand fest: „Ich musste was Handwerkliches machen. Deshalb hat er 1967 eine Lehre als Gas- und Wasserinstallateur bei einer kleinen Firma im Bremer Ostertor absolviert. 1978 und 1979 legte er Meisterprüfungen als Gas- und Wasserinstallateur sowie als Lüftungs- und Heizungsbaumeister in Stade sowie in Bremen ab.

Zeigt eine Meisterarbeit: Ralf Bösche.

1985 heiratete er die Krankenschwester Birgit Dreier, die das Büro nach einer erfolgreichen Umschulung ab dem Jahr 2000 leitete. Die Söhne Christoph und Philipp entschieden sich für Berufe des Bankkaufmanns und des Architekten.

Sohn steht bereits in den Startlöchern

Ralf Bösche hat der Beruf des Sanitär- und Heizungsfachmanns als den vielseitigsten Beruf im Bauhandwerk empfunden. Bereits vor über 40 Jahren war die Leester Firma ein Pionier in Sachen Solaranlagen. Denn das Leester Unternehmen kooperierte Anfang der 80er-Jahre mit der Firma Reinhard Solar. Damals wurden teilweise Heizkörper mit schwarzer Farbe bespritzt, isoliert und in einem Gehäuse aufs Dach gebracht.

Das Wort Wärmewende gab es noch nicht, aber die Firmen seien von der Innovation begeistert gewesen. Und die Geschichte zeigt, dass sie richtig lagen. Später wurden Wärmepumpen verwendet, dann folgte die Brennwerttechnik.

Jürgen Wiechmann führt die Firma weiter in die Zukunft. Er hatte bereits vor zehn Jahren einen Sterlingmotor in Weyhe verbaut, der gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt. Jetzt geht es um Heizungshybrid-Anlagen und Brennstoffzellen, erläutert der 55-Jährige.

Jürgen Wiechmann, geboren 1966, freut sich auf die neue Aufgabe. Der Leester ist seit der Lehre 1983 im Unternehmen und kennt die Firma in- und auswendig. Er habe ebenfalls seinen Traumjob gefunden. Das gilt offenbar auch für den Sohn Finn-Luca, der nach dem Abitur 2015 an der Kooperativen Gesamtschule in Leeste eine kaufmännische Ausbildung im Sanitärgroßhandel sowie eine Lehre als Anlagenmechaniker im Sanitär- und Heizungsbereich bei der Firma Gieseke & Bösche mit besten Noten erfolgreich absolviert hat. Die nächste Generation steht also schon bereit. „Handwerk ist viel Technik“, erklärt Wiechmann und „hat goldenen Boden“.

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