Drei Anbieter treiben in Weyhe den Glasfasernetz-Ausbau voran / Neue digitale Karte

„Jetzt ist Musik im Markt“

Werden derzeit in der Bahnhofstraße in Kirchweyhe verlegt: Verbundleerrohre, durch die Glasfaserleitungen eingeblasen werden sollen. 
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Werden derzeit in der Bahnhofstraße in Kirchweyhe verlegt: Verbundleerrohre, durch die Glasfaserleitungen eingeblasen werden sollen. Foto: Sigi Schritt
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Weyhe – Wer plötzlich wegen der Corona-Krise im Homeoffice arbeitet, oder zum Beispiel wegen Kurzarbeit daheim ist und auf ein schnelles Internet zurückgreifen will oder muss, hat in den vergangenen Wochen schnell so manche Grenze der Infrastruktur entdeckt: Verbindungen werden schlechter, Bilder ruckeln, und es dauert manchmal, bis es weitergeht. Die Geschwindigkeit im Netz sinkt, weil Videokonferenzen, Homeschooling, Online-Spiele sowie hochauflösende Filme etwa von Amazon, Disney, Netflix oder den Online-Mediatheken von ARD und ZDF hohe Datendurchsätze benötigen. Wirtschaftsförderer Dennis Sander kennt das Problem und auch die Lösung: Breitbandausbau.

Bis die Wesergemeinde aber flächendeckend mit Breitband versorgt ist, dauert es noch. Einen seriösen Zeitraum, wann das der Fall sein wird, kann die Gemeinde auf Nachfrage nicht nennen. Das hänge vom Markt ab. Bürgermeister Frank Seidel hat gestern im Rahmen einer Pressekonferenz aber versichert, dass es ihm und der Gemeinde ein zentrales Anliegen sei, dass flächendeckend die Voraussetzungen für bessere Internetverbindungen geschaffen werden. „Wir wollen alles dafür tun, dass jedem Weyher schnelles Surfen ermöglicht wird, damit niemand abgehängt wird.“ Die Gemeinde setzt dabei auf eine moderne Infrastruktur. Konkret: Jedes Grundstück soll einen eigenen Glasfaseranschluss erhalten.

Jetzt wird es für den Bürger und für Firmen etwas kompliziert: Derzeit treiben drei Anbieter in Weyhe den Glasfasernetz-Ausbau voran. Ein Akteur verursacht Irritationen durch seine Werbung in Ortsteilen, weil dieser seinen Schwerpunkt in ganz anderen hat. Wer nun genau wissen will, welches Unternehmen für seine Straße zuständig ist, kann auf einer neuen digitalen Karte der Gemeinde nachschauen. Außerdem zeigen unterschiedliche Farben an, wie groß das Zuständigkeitsgebiet ist.

Der Reihe nach: Das Unternehmen Deutsche Glasfaser wird auf dieser interaktiven Karte in Blau dargestellt. Es hat in Dreye laut Dennis Sander bereits ein flächendeckendes Netz geschaffen und Privathaushalte und Firmengrundstücke mit Breitband versorgt. Jetzt will das Unternehmen sein Netz auf Erichshof, Leeste, Melchiorshausen und Lahausen ausdehnen. Laut Sander will dieser Anbieter erst starten, wenn 40 Prozent ihr Interesse bekunden.

Ein weiterer Akteur ist der Zusammenschluss von EWE und Deutscher Telekom zum Unternehmen Glasfaser Nordwest. Diese Firma will insgesamt 2500 Haushalte östlich der Bahntrasse anbinden. Es wird auf der Weyhe-Karte in Gelb dargestellt.

In Grün sind Teil-Areale von Kirchweyhe, Lahausen und Sudweyhe dargestellt, für die sich noch kein Anbieter konkret gefunden hat. Die Gemeinde führe bereits Verhandlungen. Bürgermeister Frank Seidel habe nichts dagegen, wenn weitere Anbieter wie etwa Vodafone sich um den Glasfaser-Netzausbau bemühen.

Ein weiterer Player auf dem Markt ist das kommunale Unternehmen Nordischnet. „Das kümmert sich um die weißen Flecken, die komplett unterversorgt werden.“ Diese Firma sei ihm „vom Herzen her am nächsten“ Seidel betont, dass ihm jedoch alle lieb seien, die sehr hohe Internet-Geschwindigkeiten ermöglichen. „Jetzt ist Musik im Markt“, findet Wirtschaftsförderer Dennis Sander.

Die Firmen gehen unterschiedliche Wege: Der Telekom/EWE-Verbund verlegt derzeit zum Beispiel in Lahausen in der Heerstraße und Espenstraße sowie in Kirchweyhe in der Bahnhofsstraße Leerrohre. In diese Leerrohre sollen dann Glasfasernetz-Kabel hineingeblasen werden, erläutert ein Projektleiter, der für die Baustellenabwicklung zuständig ist. Es werden für ganze Straßenzüge kleine Verteilerkästen gesetzt und ein kleines Röhrchen vom Durchmesser eines Bleistifts in ein Privat- oder Firmengrundstück geschoben und die Stelle dann auf einer Karte vermerkt. Erst im Herbst startet das Unternehmen dann den Vertrieb – vorher gebe es keine große Marketing-Aktion, hieß es. Die Deutsche Glasfaser geht einen ganz anderen Weg: Das Unternehmen organisiert zum Beispiel Infoveranstaltungen, plakatiert an Straßenlaternen und lässt Beauftragte von Haus zu Haus gehen, um im entsprechenden Gebiet nachzufragen, ob Interesse an einem Vertragsabschluss besteht. Erst bei besagter Quote erfolge der Ausbau. Es sei zwar ein Bürgermeister-Brief rausgegangen, räumt Frank Seidel ein. Niemand sei aber zu diesem Thema im Auftrag der Gemeinde unterwegs. „Wir greifen nicht in den Wettbewerb ein“, betont Seidel.

Von Sigi Schritt

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