„Iron Man“ Günther Borchers engagiert sich seit mehr als 40 Jahren in verantwortlicher Position in der Weyher FDP

Er läuft und läuft und läuft

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FDP-Chef Günther Borchers strebt eine weitere Amtszeit im Gemeinderat an. Foto/Repros: Ehlers, Archiv: GB

Kirchweyhe - Von Philipp Köster. Im Gemeinderat ist FDP-Fraktions- und Parteichef Günther Borchers mittlerweile häufig ein Einzelkämpfer. Sein liberaler Parteikollege, Landtags- und Kreistagsabgeordneter Marco Genthe, ist wegen seines Mandats oft verhindert, also bestreitet Borchers Ausschuss- und Ratssitzungen mit den entsprechenden Vorbereitungen nicht selten allein. Doch das juckt ihn nicht: Zum einen hat der Triathlet schon fünf Mal den „Iron Man“ absolviert – 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42 Kilometer laufen – und damit ganze Rudel von inneren Schweinehunden überwunden. Zum andern blickt Borchers auf mehr als 40 Jahre Arbeit an der Spitze der Weyher FDP zurück.

Jetzt erstmal einen Espresso. Der 69-Jährige kommt gerade von der KGS Kirchweyhe zurück. Alle 14 Tage schmiert Borchers mit einigen Müttern in der Cafeteria Brötchen. „Das macht Spaß, wir sind ein tolles Team.“ Vor allem sitzt er dort an der Quelle aktueller schulpolitischer Entwicklungen.

Die KGS Kirchweyhe sieht er ohnehin als eines seiner Kinder. „Wir haben uns damals entscheidend für die zweite Gesamtschule in der Gemeinde eingesetzt“, schreibt er seiner Partei den Bau der KGS in den 1990er-Jahren gut.

Borchers stammt nicht aus Kirchweyhe: 1972 verschlug es den frisch Verheirateten aus Brinkum in die Heimat seiner Frau Waltraut. „Wir haben gebaut und 1973 wurde unsere Tochter Claudia geboren. Doch ,nur‘ Beruf und Familie – das war mir zu wenig, ich wollte mich politisch engagieren.“ Über seine Frau knüpfte er Kontakte zu ihren früheren Lehrern Fritz Röhrbein und Erich Rendigs sowie Heinrich Warneke senior, damals führende Köpfe der FDP in den gerade noch selbstständigen Gemeinden Kirch- und Sudweyhe. Der Endzwanziger kann sich mit den Idealen der FDP identifizieren. Er weiß seine Partei gut in der sozial-liberalen Koalition in Bonn aufgehoben. „Freiheit – das war und ist mir sehr wichtig, und zwar so verstanden, die Freiheit zu haben, etwas nicht tun zu müssen.“

Mit der Freiheit war es aber schnell vorbei: Kaum in die Partei eingetreten und 1974 in den „Interimsrat“ der jungen Gemeinde Weyhe gewählt, musste Borchers, noch nicht einmal 30 Jahre alt, den Parteivorsitz übernehmen. „,Mok du dat man‘, hat Fritz Röhrbein zu mir gesagt, dann heb ek dat mokt.“ Befehl und Gehorsam. „Dass so junge Leute gewählt wurden, war damals ein Novum.“ Auch im Gemeinderat saßen meist ältere Männer.

Und weiter im Sauseschritt: 1976 wurde er wieder in den Gemeinderat gewählt. 1978 trat Borchers als Landtagskandidat an. „Doch das war zum Reinschnuppern. Die vorderen Listenplätze hatten die gestandenen FDPler besetzt.“

In den 1980er-Jahren zog sich der zweifache Familienvater kurzzeitig zurück. 1984 gab er das Gemeinderatsmandat ab und seinen Beamtenstatus auf, um bei der Postversicherung ins leitende Führungsamt zu wechseln. „Mein Chef sagte, ich solle mich entscheiden.“ Auch den Ortsverbandsvorsitz legte er nieder – bis 2005.

Günther Borchers macht aber auch kein Hehl daraus, dass er mit der Kehrtwende seiner Partei in Bonn hin zur CDU Helmuts Kohls nicht einverstanden war. „Wie das abgelaufen ist, hat mir nicht gepasst, das war das Allerletzte.“

Gleichwohl war ihm damals auch bewusst: „Wenn ich austrete, gebe ich auf, meine Linie durchzusetzen. Also entschied sich Borchers für einen Verbleib in der FDP, anders als zum Beispiel Ilse Lübben, die später als SPD-Kandidatin in den Landtag gewählt wurde. Und mit der „Wende“ hat er längst seinen Frieden gemacht. „Man kann von Genscher und Kohl halten, was man will, aber sie haben etwas für unser Land erreicht. Das ist das Entscheidende.

Schon zur Kommunalwahl 1986 war Borchers wieder da: „Ich konnte Beruf und Arbeit in der Partei verbinden.“ 1991 wurde er Fraktionsvorsitzender und zog für am Ende drei Wahlperioden in den Kreistag ein. Dabei hat er festgestellt, dass es auf Kreisebene noch immer Vorbehalte zwischen dem eher nach Osnabrück orientierten Süden und dem Norden gebe. „Für die Lemförder gehören wir zu Bremen.“ Anders die Weyher. Die hätten sich längst mit ihrer Gemeinde identifiziert. Vorbei die „Kloppereien bei Amelung“, wenn die „Kollibris“ spielten und sich Leester und Kirchweyher wegen ihrer Deerns in die Haare kriegten. Auch im Gemeinderat spielen die Gegensätze zwischen westlich und östlich der Bahn keine Rolle. Früher sei es zwar mitunter laut geworden, aber „es gab keine Sitzung, nach der wir nicht anschließend immer noch ein Bier zusammen getrunken haben. Wenn sich die Kommunalparlamentarier in die Haare bekamen, hätte das an den streitbaren Protagonisten gelegen, wie Hubert Dudziak, dem „alten“ Struthoff, August Ratgeber und Walter Zimmermann. „Und wenn der Ton rauer wurde, lag das vor allem an Gemeindedirektor Alfred Wetjen. Der war launig und unberechenbar. Aber ein toller Mensch, der viel für die Gemeinde erkämpft hat.“

Heute sei das Verhältnis im Gemeinderat sachlich-professionell, so wie es dem umfangreichen und komplexen Aufgabenspektrum entspreche. Die Verwaltung des „Unternehmens Weyhe“ mit 500 Mitarbeiter leiste gute Arbeit. Und mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte – „obwohl nicht unser Kandidat“ – ist Borchers zufrieden. Auch wenn er nicht mit allem einverstanden sei, sei Bovenschulte „ein Gewinn für Weyhe“.

Auf dessen Vorgänger Frank Lemmermann ist der 69-Jährige noch immer nicht gut zu sprechen. „Das war keine erfolgreiche Zeit für die Gemeinde. Die sollten wir schnell vergessen.“ Lemmermann sei stets auf Konfrontationskurs mit der FDP gegangen. „Er war für unsere Argumente aus Prinzip nicht zugänglich, stand uns oft feindselig gegenüber“, blickt er ohne Milde zurück.

Für den September plant der zweifache Großvater eine weitere Periode im Gemeindeparlament, vorausgesetzt seine Partei bekommt bei der Kommunalwahl am 11. September genug Stimmen. „Ich bin ja jetzt auch allein hier“, sagt der Witwer, der im Halbtagsjob das Wahlkreisbüro von Marco Genthe führt.

Energie für eine weitere Zeit im Rat hat er genug. „Ich möchte unbedingt beim ,Iron Man‘ auf Hawaii mitmachen.“ Günther Borchers rechnet sich einen von zwei Plätzen für deutsche Starter in der Altersklasse Ü 70 aus. In der Landesliga, in der er für den SC Weyhe an den Start geht, gibt es keine Altersklassen. „Dort werde ich genauso behandelt wie ein 20-Jähriger.“

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