Integrationsrat wird 20 Jahre alt: Gemeinde sucht für Neuwahl Kandidaten

Türkisch in der Schule unerfüllter Wunsch

Die Rathaus-Mitarbeiter Esref Kizilkara und Sebastian Kelm suchen interessierte Bürger, die als Sprachrohr zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und der Verwaltung fungieren wollen.
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Die Rathaus-Mitarbeiter Esref Kizilkara und Sebastian Kelm suchen interessierte Bürger, die als Sprachrohr zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und der Verwaltung fungieren wollen.

Der Integrationsrat der Gemeinde Weyhe feiert im März sein 20-jähriges Bestehen. Der Integrationsbeauftragte Esref Kizilkara begleitet das Gremium seit zwei Jahrzehnten. Die Gemeinde sieht das Gremium als Sprachrohr der zugewanderten Mitmenschen. Was die Mitglieder des Integrationsrats in der Vergangenheit umgesetzt haben? Sie haben zum Beispiel das Bahnhofsfest mitorganisiert, das aber wegen der Corona-Pandemie zuletzt ausgefallen sei, so Kizilkara.

Weyhe – Die Mitglieder hätten weiterhin Kontakte zu Flüchtlingen aufgenommen und zahlreiche Hausbesuche absolviert. Stets würden Antworten auf Fragen gesucht, was Änderungen in Berlin für die Menschen in Weyhe bedeuten.

Bei den Treffen der Mandatsträger gehe es immer wieder um Wissens- und Informationstransfer zwischen Bürgern sowie der Verwaltung. Dies sei keine Einbahnstraße. Der Integrationsrat hätte nämlich Antrags- und Rederecht in einigen Ausschüssen der Gemeinde. Dieses Recht sei allerdings kaum wahrgenommen worden.

Der Integrationsrat sei auch Mitglied in einem entsprechendem Dachverband auf Landesebene. Deshalb würden die ehrenamtlichen Vertreter nach Hannover fahren, um sich auf großer Ebene auszutauschen.

Nicht alle Wünsche, die die Mitglieder in den vergangenen Jahren hegten, wurden auch umgesetzt. Zwei Beispiele: Dass sich Weyher Bürger mit Migrationshintergrund bei der Freiwilligen Feuerwehr in den Ortswehren engagieren, integrieren und möglicherweise Führungsverantwortung übernehmen, bleibe unerfüllt. Lediglich ein paar Schüler verstärkten derzeit die Jugendfeuerwehr, sagt Kizilkara.

So blieb es ebenso bei dem Projektvorschlag, dass Grundschulkinder mit Migrationshintergrund zusätzlich muttersprachlichen Unterricht bekommen. Türkisch in der Schule lautete einer der Vorschläge. Das wird derzeit nicht umgesetzt, sagt Esref Kizilkara.

Möglicherweise können die neuen Mitglieder dieses Gremiums die Ideen der Vorgänger anpacken: Am Sonntag, 13. März, wird dieser Rat neu gewählt. Esref Kizilkara, Integrationsbeauftragter der Gemeinde, sowie Pressesprecher Sebastian Kelm suchen Kandidatinnen und Kandidaten für dieses Amt. Wer sich zur Wahl stellen möchte, muss folgende Voraussetzungen erfüllen: Am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben und seit sechs Monaten ununterbrochen in Weyhe mit seinem Hauptwohnsitz gemeldet sein. Es gibt zudem eine Besonderheit. Wahlberechtigt sind alle, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben und die, die eingebürgert sind. Die Eingebürgerten müssten sich aber extra in das Wählerverzeichnis eintragen lassen. Dies könne laut Gemeinde nur dann geschehen, wenn sie bei der Wahl das 16. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten in der Wesergemeinde gemeldet sind.

Aufgerufen zur Wahl sind unter anderem Flüchtlinge. Aktuell leben 720 in den neun Ortsteilen. Die Menschen mit Migrationshintergrund, also eingebürgerte Bürger inbegriffen, bilden eine Gruppe, deren Stärke vierstellig ist, so der Integrationsbeauftragte. Die Interessenvertretung soll breit gefächert sein, ergänzt Kelm. Er hofft auf viele Bewerber. Zwar liefen die ersten Gespräche, aber konkrete Vorschläge gebe es noch nicht.

Vor dem Integrationsrat gab es in Weyhe übrigens „den Ausländerbeirat“, merkt der Rathausmitarbeiter Kizilkara an. Das Mandat des Integrationsrates sei aber anders gelagert. Während sich der Ausländerbeirat um die Interessen der ausländischen Einwohner gekümmert hatte, sei das Spektrum des Integrationsrates weiter gefasst. Eingebürgerte mit Migrationshintergrund würden sich nicht als Ausländer sehen.

Von Sigi Schritt

Integrationsrat in Weyhe

Isa Ciftci ist in der scheidenden Wahlperiode Vorsitzender des Integrationsrates. Syla Abdula steht ihm als Vize-Vorsitzender (Serbisch, Deutsch) zur Seite. Weitere Mitglieder: Ibrahim Halil Yildirim, Havazh Djumaev, Mehmet Karakas, Zeynep Gövez und Halit Kaya.

Wer sich eine ehrenamtliche Mitarbeit im Integrationsrat der Gemeinde Weyhe vorstellen kann, kann den Wahlvorschlag bis Montag, 7. Februar, 18 Uhr, einreichen. Sebastian Kelm, bei der Gemeindeverwaltung auch für die Bereiche Integration und Inklusion zuständig, nimmt die Vorschläge entgegen. Er hat dazu Formblätter parat.

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