Serie Tante-Emma-Läden

Inge Nienaber betrieb einen Kühlschrank für jedermann

Frieda und Heinrich Nienaber mit ihrem Dreiradlieferwagen um 1950 in der Bremer Neustadt. Auf dem Dach transportieren sie Milchkannen. Repro: Wilfried Meyer
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Frieda und Heinrich Nienaber mit ihrem Dreiradlieferwagen um 1950 in der Bremer Neustadt. Auf dem Dach transportieren sie Milchkannen. Repro: Wilfried Meyer

Am 31. Dezember 2001, dem letzten Tag der Deutschen Mark, schloss Inge Nienaber ihren kleinen Tante-Emma-Laden an der B 6 in Melchiorshausen. Seit 1957 hatte sie hinter dem Tresen ihres „Einzelhandelsgeschäftes mit Waren aller Art“, wie es die Gewerbekartei der Gemeinde Weyhe ausweist, gestanden. Sie hatte nahezu das Warenangebot eines Supermarktes, nur auf kleinster Fläche.

Melchiorshausen – Das 1928 von ihren Schwiegereltern erbaute Wohnhaus an der damaligen Syker Landstraße erhielt schon bald einen kleinen Anbau im Stil des Hauses und wurde danach nie erweitert. Die aus Stuhr-Obernheide stammende Inge Nienaber hatte in Bremen Verkäuferin gelernt und war bis zuletzt mit Leib und Seele für ihre Kunden da. Sie hatte keine Hilfen, machte alles alleine.

Die Grundlage für Inge Nienabers Geschäft wird von Heinrich Nienaber 1921 gelegt

Ihr Ladengeschäft hatte eine längere Vorgeschichte. Die begann noch im Ersten Weltkrieg, als ihr späterer Schwiegervater Heinrich Nienaber schon im Alter von 13 Jahren seinem Onkel half. Er musste frühmorgens zu den Bauern fahren und Milch einsammeln, die der Onkel dann mit Pferd und Wagen in der Bremer Neustadt verkaufte. Heute unvorstellbar, dass Heinrich deshalb die Volksschule abbrach und schon arbeitete. Am 8. September 1921, im Alter von 18 Jahren, übernahm er diesen Milchhandel und legte damit den Grundstein für das spätere Geschäft an der B 6.

Inge Nienaber auf einem Foto von 1996 in ihrem Laden.

Schon bald schaffte er sich einen kleinen Dreirad-Lieferwagen an, bei dem die Milchkannen auf dem Dach standen. Seine Ehefrau Frieda begleitete ihn auf den Touren. Nebenbei verkauften sie auch von Melchiorshauser Bauern übernommene Eier und Gemüse; zahlreiche Stammkunden sorgten für steigenden Umsatz. Später nutzte er einen größeren Lieferwagen und zuletzt einen VW-Transporter.

Inge Nienaber führt das Geschäft von 1958 bis 2001

Anfang der 1950er-Jahre hatte Familie Nienaber noch einen Service in einem Nebengebäude eingebaut: ein sogenanntes Kühl- oder Kalthaus. In einer Zeit, als Kühlschränke in keinem Haushalt vorhanden waren, hatten die Bürger hier die Möglichkeit, vor allem Fleisch einzulagern und nach Bedarf abzuholen.

Das frühere Wohn- und Geschäftshaus an der B 6. Inge Nienabers Sohn Heiner betreibt hier seinen Lift- und Arbeitsbühnenbetrieb.

Als Inge Nienaber ab 1958 das Ladengeschäft führte, lief der Straßenverkauf ihrer Schwiegereltern noch bis in die 1970er-Jahre weiter. Sie nutzte inzwischen die günstige Lage an der B 6 und erweiterte ihr Warenangebot mit Backwaren von Brüne Meyer. Lose Milch und Sahne wurden weiterhin verkauft, und an Festtagen musste sie schon mal bis zu 40 Liter Sahne schlagen, die dann von den Kunden, in mitgebrachten Behältern, nach Hause getragen wurde.

Am 9. Dezember 2010 verstarb Inge Nienaber. Ihr Tante-Emma-Laden ist längst Geschichte. Das Wohnhaus wird inzwischen vermietet, und den Ladenanbau nutzt ihr Sohn Heiner als Büro für seinen Lift- und Arbeitsbühnenverleih.

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