Polizistinnen sprechen über Erfahrungen

Polizei: Auf Streife mit der Bodycam

Zeigt die Einsatzweste, an der die Bodycams befestigt sind: Polizeikommisssarin Sina Schlüter.
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Zeigt die Einsatzweste, an der die Bodycams befestigt sind: Polizeikommisssarin Sina Schlüter.

Seit anderthalb Jahren benutzt die Polizei im Landkreis Diepholz auf ihren Streifenfahrten Bodycams. Die Geräte entfalten eine abschreckende Wirkung. Sie wurden wegen der steigenden Anzahl der Angriffe auf Beamte angeschafft. Das Polizeikommissariat in Weyhe hat insgesamt drei Bodycams im Einsatz. Zwei Beamtinnen sprechen über ihre Erfahrungen.

Weyhe – Achtung Aufnahme: Das Gerät ist kleiner als eine Zigarettenschachtel, hängt an so mancher Schutzweste, wiegt laut Polizeikommissarin Melanie Klemm so viel wie etwa zwei Tafeln Schokolade und kann auf Knopfdruck Videos aufzeichnen. Die Rede ist von einer sogenannten Bodycam.

Seit 2020 sind solche Geräte in der Polizeiinspektion Diepholz im Einsatz. Das Weyher Kommissariat verwendet drei Bodycams der Marke Zepcam, Modell T2+, berichtet Polizeikommissarin Sina Schlüter, Sprecherin der Polizeiinspektion Diepholz, auf Anfrage. Die Polizei ziehe ein positives Fazit.

Die Kamera mache das, was sie primär soll: Sie filme, wenn es nötig sei, aber sie schrecke auch ab, macht die Pressesprecherin deutlich. Das Gerät soll aber nicht etwa permanent und alles filmen, was die Trägerin oder der Träger sieht, sondern soll Straftaten verhindern und als ein unveränderbares Beweismittel bei der Aufklärung helfen. Konkret geht es um Übergriffe auf Polizeibedienstete. „Die Kameras sind ein Einsatzmittel und dienen der Eigensicherung“, erklärt Schlüter. Wenn auf einer Streifenfahrt eine Situation zu eskalieren drohe, dann entfalte die Kamera eine abschreckende Wirkung, sagen die beiden Polizistinnen, Melanie Klemm und Sina Schlüter. Als Beispiel führen sie Randalierer und betrunkene Personen an. Wenn also die Stimmung zu kippen drohe und diese Personen sich gegen die Beamten wenden, dann weisen die Beamten, die die Bodycam tragen, darauf hin, dass sie in Kürze das Geschehen aufzeichnen. Sie machen deutlich, dass „diese Videos vor Gericht als Beweismittel verwendet werden können“, so Schlüter. Das sei in den anderthalb Jahren in den Kommissariaten und Wachen der Polizeiinspektion in 29 Fällen mal vorgekommen, sagt Sina Schlüter.

Ein Streifenbeamter führt schon jede Menge an Ausrüstung mit sich. Ist das Gerät nicht ein zusätzlicher Ballast? Nein, sagt Melanie Klemm. Die Geräte seien im Streifendienst anerkannt – man will sie nicht missen. Sie funktionieren simpel: Auf der Vorderseite gibt es einen großen Knopf. „Drückt man den, geht das Gerät in den Standby-Modus. Wenn man noch mal draufdrückt, dann leuchtet eine Diode rot, die Aufzeichnung beginnt“, erklärt Klemm. Das werde von zwei Piepgeräuschen begleitet. Ein Infrarotsensor sorge dafür, dass auch in der Nacht die Aufnahme startet und man durchaus die Menschen gut erkennen kann.

Klein, handlich und leistungsfähig und kostet um die 400 Euro: Diese Bodycam im Streifendienst der Polizei könnte theoretisch neun Stunden lang filmen.

Die Kamera könne schnell an einer Vorrichtung befestigt werden, die wiederum an einer Weste hängt. Ein Klett-Patch mit der Aufschrift Videoaufzeichnung gehöre zur Weste. Diese Weste falle auf und ziehe Neugierige an. Sie sei von Bürgern schon mehrfach auf die Kamera angesprochen worden, so Polizeikommissarin Klemm. Die einen möchten wissen, ob sie gefilmt worden seien, andere interessieren sich für technische Daten. Dann erklären die Beamtin, dass sie in HD-Qualität aufnehmen könne. Aber sie betone jedes Mal, dass die Kamera nur „scharf“ geschaltet werden könne und dürfe, wenn es um das Thema Eigensicherheit der Beamten geht.

Kein Beamter würde die Aufnahmefunktion zum Spaß aktivieren, weil die Videos in einem internen System erfasst würden. Das Gerät dürfe nicht zu einem anderen Zweck verwendet werden, sagt Melanie Klemm. Und sie ergänzt: Die Kamera dürfe zudem in Privaträumen nicht eingeschaltet werden. Das ergebe sich aus dem Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung, klärt sie auf. In der Öffentlichkeit sei Filmen aber kein Problem.

Von Sigi Schritt

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