Ablauf stellt Senioren zufrieden

Impfzentrum Weyhe nimmt Betrieb auf: „Ein Bilderbuch-Projekt“

Zeigt Herz für Christian-Wilhelm Wehebrink und seine Frau Inge: Bürgermeister Frank Seidel.
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Zeigt Herz für Christian-Wilhelm Wehebrink und seine Frau Inge: Bürgermeister Frank Seidel.

Ein Team des DRK hat am Montag im Impfzentrum Weyhe die ersten Weyherinnen und Weyher über 80 Jahren geimpft, die bislang noch kein Impfangebot hatten oder wahrnehmen konnten. Zu diesem Zweck hatte die Gemeinde Weyhe in Zusammenarbeit mit dem DRK und dem Landkreis Diepholz in der ZSA-Halle ein kleines Zeltdorf errichtet.

  • Impfzentrum in Weyhe eröffnet.
  • DRK-Team mit vier Ärzten hat die Mehrzweckhalle am Rathaus bezogen.
  • Senior kennt die Halle noch aus einem anderen Zusammenhang. Er freut sich über den Impfstoff.

Weyhe – Manche haben Tränen in den Augen gehabt, anderen hat man trotz einer Maske die Freude im Gesicht ansehen können: Weyherinnen und Weyher über 80 Jahre und ihre Begleiter bildeten am Montagmorgen vor dem Eingang zur Mehrzweckhalle Schlangen. Sie haben nur ein einziges Ziel: im neuen Impfzentrum Weyhe eine Spritze mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus zu bekommen.

Ein DRK-Team aus vier Ärzten und elf Helfern hat nicht nur seine Arbeit aufgenommen, sondern machte auch Dampf: Die Mitarbeiter des DRK schleusten die Menschen ohne Wartezeiten durch die Halle. Das sei offenbar deshalb möglich, weil in der ZSA-Halle nicht nur alle an einem Strang ziehen würden, sondern es viel Platz gebe. Außerdem sei das Impfzentrum neben dem Rathaus „ein Bilderbuch-Projekt“ geworden, sagt Simon Becker vom DRK, der zusammen mit seiner Kollegin Theres Mattke für die Organisation und für den Betrieb verantwortlich ist. Das Ziel, am Tag 400 Menschen zu impfen, werde erreicht. Es sei sogar möglich, die Zahl der Impf-Dosen auf 600 zu steigern. Das Limit liege bei 1000 am Tag. Dann müssten aber die personellen Kapazitäten erweitert und die Logistik leicht verändert werden.

Viel Platz fürs Warten, fürs Beraten und Impfen: Die Gemeinde hat zusammen mit dem DRK und dem Landkreis in der ZSA-Halle ein kleines Zeltdorf aufgebaut.

Vor dem Eingang der Mehrzweckhalle achteten zunächst Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung zum Beispiel auf Abstände. Sie beantworteten erste Fragen. Noch im Eingangsflur meldeten sich die Impfwilligen bei einem mobilen Schalter und gaben ihre Personalien an.

Impfärzte führen in Weyhe Aufklärungsgespräche

In der Halle selbst wurden die Senioren vom DRK registriert und im Anschluss auf einen freien Platz im Wartebereich gebeten. Impfärzte wie Dr. Henry Albig erwarteten die Senioren und führten in einem Gartenpavillon-Zelt ein Aufklärungsgespräch. Das sei ein Sichtschutz sowohl für das ärztliche Beratungsgespräch als auch für das Impfen selbst, erklärt DRK-Mitarbeiter Becker. Das Beratungsgespräch sei mit einer Dauer von zehn Minuten das Zeitaufwändigste im Ablauf, erklärt er. Nach dem Piks sollten die Geimpften etwa 20 Minuten in einem letzten Wartebereich Platz nehmen. Dabei würden andere DRK-Mitarbeiter einen Blick auf die Menschen werfen und schauen, ob es ihnen gut geht. Dann könnten sie den Ausgang nehmen. Dieser befindet sich auf der Rückseite der 55 Meter langen Halle.

Bürgermeister Frank Seidel begrüßt Impfwillige persönlich

In den ersten Stunden ließ Bürgermeister Frank Seidel es sich nicht nehmen, den einen oder anderen Senioren persönlich zu begrüßen. Die Gemeinde hatte insgesamt mehr als 2 000 Weyher der Generation Ü-80 angeschrieben. Davon hätten sich laut Sprecher Sebastian Kelm 800 zurückgemeldet, die jetzt ein Impfangebot und einen konkreten Termin bekommen haben. Dazu zählt auch Christian-Wilhelm Wehebrink aus Lahausen. Im nächsten Monat wechselt er ins 100. Lebensjahr und hatte bislang vergeblich auf eine Spritze warten müssen (wir berichteten). Nach einem Bericht in dieser Zeitung hatte ihn Bürgermeister Seidel persönlich angerufen und einen Termin reservieren lassen. „Er hat sich gut um uns gekümmert“, sagt der Lahauser. Seine Ehefrau hatte bereits in Bassum ihren Corona-Schutz bekommen. Nun könne Ostern kommen, freut sich der fast 100-Jährige.

Inge Wehebrink findet die Organisation in Weyhe im Vergleich zum Impfzentrum Bassum erheblich besser: „In Bassum musste ich eine halbe Stunde warten“, sagt sie. Erst danach durfte sie in das Impf-Zelt. Und die persönliche Betreuung durch den Bürgermeister, der sogar mehrfach angerufen hatte, habe Inge Wehebrink gerührt. Frank Seidel blickt zurück, dass er nach dem Zeitungsbericht über den 100-Jährigen spontan zum Hörer gegriffen habe. Es sei ihm ein Anliegen gewesen, dass alle Weyher ein Impfangebot bekommen und dass speziell die ältesten Bürger der Wesergemeinde nicht unter den Tisch fallen. Er und sein Team hätten außerdem dafür gesorgt, dass die Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind und den Hallen-Eingang nicht mit einem Rollator erreichen können, sich sogar mit dem Auto bis zur Tür bringen lassen könnten. Auf Wunsch dürften sie in einen von drei Rollstühlen umsteigen, die die Gemeinde von einem Sanitätshaus besorgt hatte. Auch Wehebrink nutzte diesen Service.

Hinter einer Scheibe: Dr. Henry Albig führt ein Beratungsgespräch mit dem Weyher Horst Kuder.

Senior Klaus Jacobs lobt den reibungslosen Ablauf. Der 82-Jährige berichtete, dass er die ZSA-Halle noch aus der Zeit kennt, in der er über zwei Jahrzehnte lang Tennis gespielt hat. Nun spielt er dort ein Spiel gegen das Coronavirus und sieht sich mit dem Biontech-Wirkstoff auf dem Siegertreppchen.

Das Impfzentrum bleibt für die nächsten fünf bis sechs Wochen dort bestehen. „Es könnte sogar solange bleiben, bis der letzte Weyher eine Impf-Spritze bekommen hat“, sagt Bürgermeister Frank Seidel. Das hänge aber vom Landkreis ab.

Dieser könne auf Nachfrage zu diesem Thema noch nichts sagen, weil es noch zwischen dem Land und den Kommunen diskutiert würde, sagt Mareike Rein aus dem Landratsbüro.

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