Bienenkotze auf Dreyer Parkplatz

Imker: „Jeder Fleck ein totes Tier“

Für Imker Günter Schneider ist klar, dass die Flecken Erbrochenes von Bienen sind. Kurze Zeit später seien die Tiere gestorben.

Weyhe - Von Katharina Schmidt. Unzählige Bienen sind in Weyhe durch Pflanzenschutzmittel vergiftet worden – so lautete die Vermutung des Weyher Imkers Günter Schneider. Eine Dreyer Firma hat den Experten zurate gezogen, nachdem sie auf ihrem Parkplatz unzählige kleine Flecken entdeckt hatte. Für Schneider steht fest: Dort haben sich vergiftete Bienen erbrochen, bevor sie wenig später verendet sind.

Dem Imker zufolge hat ein Landwirt in der Nähe kurz zuvor Pflanzenschutzmittel auf seinem Feld aufgebracht. „Entweder ist zum falschen Zeitpunkt oder etwas Verbotenes gespritzt worden“, meint er.

Schneider hat das Pflanzenschutzamt in Oldenburg informiert. „Ein Landwirt hat etwas getan, das nicht in Ordnung war“, sagt er. Dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird, bezweifelt er. Dafür hätte nicht nur Erbrochenes gefunden werden müssen, sondern auch die toten Bienen. Für den Imker unverständlich. Er ist sich sicher: „Jeder Fleck bedeutet eine tote Biene.“

Kreislandwirt: „Bauern brauchen Bienen“

Kreislandwirt Wilken Hartje warnt vor vorschnellen Urteilen – schließt aber nicht aus, dass im Bereich des Pflanzenschutzes selbst beim Einhalten aller Vorschriften mal etwas daneben gehen kann. Beim Mischen verschiedener Mittel könnten sich zum Beispiel deren Eigenschaften verändern. Außerdem gebe es immer wieder neue Erkenntnisse im Bereich des Pflanzenschutzes.

Wilken Hartje plädiert dafür, sich strikt an die Vorgaben zum Schutz von Bienen zu halten. Nicht nur angesichts unangekündigter Kontrollen. „Wir wollen auf keinen Fall Bienen totspritzen. Das geht nicht, wir Bauern brauchen sie auch“, betont er. Die Landwirtschaft arbeite mit den Imkern, nicht gegen sie. Ganz ohne Pflanzenschutzmittel gehe es nicht. Ohne sie müssten Landwirte auf mindestens die Hälfte ihrer Erträge verzichten.

Bienen haben es derzeit generell nicht leicht. „Bienensterben haben wir nach wie vor“, sagt Günter Schneider. Rückblickend auf die vergangenen 20 Jahre sagt er: „Es ist immer stärker geworden“. Dies liege unter anderem an der Varroamilbe und den Folgeerkrankungen, die sie weitergebe. Hinzu komme der Mangel an Pollen und Nektar. „Die Nahrungsquellen fehlen“, sagt er angesichts von totgespritzten Wildkräutern und Gärten, in denen kaum etwas blüht. Die Faktoren schwächen ihm zufolge die Insekten und rauben ihnen ihre Widerstandsfähigkeit. Manche Tiere würden schon krank schlüpfen.

„Gemeinde für dieses Thema nicht sehr offen“

„Die Gemeinde Weyhe ist für dieses Thema bis heute nicht sehr offen“, kritisiert der Imker. Stuhr fördere zum Beispiel Blühstreifen. Ein Hobbyimker war dort mit der Anregung an die Kommune herangetreten und auf offene Ohren gestoßen. Auch im Landkreis Verden wird Schneider zufolge viel für Bienen getan.

Der Umweltbeauftragte Ulf Panten findet hingegen, dass sich Weyhe in Sachen Bienenschutz nicht verstecken muss. Die Gemeinde habe allein sechs Obstwiesen. Außerdem verweist er unter anderem auf das Grünland-Extensivierungsprogramm, Gehölzbiotope und Sträucher an Waldrändern. Viele dieser Maßnahmen blieben im Gegensatz zu Blühstreifen eher im Verborgenen, würden den Bienen aber ebenso helfen. Hinzu kommt laut dem Umweltbeauftragten, dass die Kommune dort, wo es die Verkehrssicherheit zulässt, erst ab Mitte Juni Seitenränder mäht. So können Insekten Nahrung finden.

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