Unterwegs mit dem E-Bike: Aufladestationen in Weyhe

Im Lockdown das Fahrrad entdeckt

Solch ein Aufkleber signalisiert: Hier gibt es frische Energie für den Radakku.
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Solch ein Aufkleber signalisiert: Hier gibt es frische Energie für den Radakku.

Weyhe – Immer mehr Radler nutzen ein E-Bike oder ein Pedelec mit einem aufladbaren Akku. Damit der Gast in der Mittelweser-Region, zu der auch Weyhe zählt, möglichst an vielen Orten seinen E-Bike-Akku aufladen kann, möchte die Mittelweser-Touristik ihm ein dichtes Netz von Ladestationen bieten. In Weyhe gibt es laut Geschäftsführer Martin Fahrland insgesamt vier Stationen, die sich in den Ortsteilen Kirchweyhe und Leeste verteilen. Er findet, dass durchaus noch Luft nach oben sei, zumal Weyhe sich am beliebtesten deutschen Fernradweg, dem Weser-Radweg, befindet.

Wer als Radtourist unterwegs sein will, kann in einer Broschüre der Mittelweser-Touristik nachschauen, wer überhaupt eine Steckdose zur Verfügung stellt. An den Orten, an denen das möglich ist, befindet sich ein Aufkleber. Der sollte gut sichtbar sein, ist weiß, hat die Größe einer Postkarte und signalisiert: In diesem Gebäude oder Geschäft können Besitzer von Elekto-Fahrrädern ihren Akku aufladen – und das sogar gratis.

Solch ein Aufkleber befindet sich zum Beispiel in Weyhe am Haupteingang des Rathauses – genauer: auf der Säule zwischen den Eingangstüren. Der Aufkleber ist nicht zu übersehen, und trotzdem gehen sicherlich viele Leute in dem Verwaltungsgebäude ein und aus, die den Hinweis möglicherweise deshalb nicht bemerken, weil sie nicht als Radtourist unterwegs sind.

Auf dem Aufkleber ist unter der Überschrift „E-Bike-Ladestation“ deutlich das Symbol einer Steckdose zu erkennen. Außerdem ist ein stilisiertes Bild eines Fahrrades sowie das Logo des Mittelweser-Verbands zu sehen. „Wir stellen Ihnen gerne unsere Steckdose zur Verfügung“, lautet der Zusatz.

Was das bedeutet? „Radler können während der Öffnungszeiten an der Information ihr Aufladegerät und ihren Akku abgeben“, beschreibt Martin Fahrland das Prozedere. Fahrradtouristen haben außerdem im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes die Möglichkeit, sich über Sehenswürdigkeiten der Region zu informieren. Denn dort befindet sich ein Regal mit zahlreichen Broschüren und Informationen rund um die Wesergemeinde. Gäste dürfen sich an der Wasserbar erfrischen – das ist gratis möglich.

Neben dem Rathaus bietet die Fahrradstation am Kirchweyher Bahnhof den Service, zu den Öffnungszeiten einen Akku samt Ladegerät entgegenzunehmen, um die Batterien wieder aufzufüllen. Weitere Orte: das „Asia New World Hotel“ an der Bahnhofstraße und der Gastronomiebetrieb Garbs am Markt. Beim Gastronomiebetrieb Asia New World gibt es laut einem Schreiben, das an der Tür hängt, eine Besonderheit: Wegen der Covid-19-Pandemie ist das Restaurant vorläufig geschlossen. Der Hotelbetrieb sei aber geöffnet, sagte eine Mitarbeiterin auf Anfrage.

Worum geht es grundsätzlich? Es gehe bei jenem Service nicht darum, dass ein Akku vollständig wieder gefüllt wird, erklärt Martin Fahrland, sondern darum, dass sich der Sicherheitspuffer sich bis zum Endladezeitpunkt vergrößert. „Die modernen Akkus bieten ohnehin Strom für 100 Kilometer“, so Fahrland. „Autofahrer wissen, dass man nicht erst Sprit auffüllt, wenn der Tank fast vollständig leer gefahren ist“.

„Ein Ladevorgang kostet das Unternehmen nur Cent-Beträge“, so Fahrland. Jeder Betrieb könne mitmachen, sagt er. Man müsse nur eine handelsübliche Steckdose für einen Gast frei haben. Wenn sich das herumspricht, würden weitere Unternehmer den guten Beispielen der Gastronomiebetriebe folgen.

„Der Radverkehr boomt“, sagt Fahrland. Er habe sich mit den Fachhändlern unterhalten. „Die Fahrradverkäufe haben zugenommen.“ Die Händler profitierten von der Corona-Krise. Und das lasse sich auch in Zahlen festmachen: Gegenüber dem Vorjahr habe sich die Anzahl der Radwanderer auf dem Weserradweg an einer Zählstelle um 4 000 Radler erhöht. Tagestouristen seien mit Drahteseln auf dem Autodach oder in Anhängern ebenso unterwegs wie mit den Intercity- oder Regionalexpress-Zügen der Deutschen Bahn oder mit den Nordwestbahnen, um zum Beispiel in Weyhe auszusteigen und an der Weser entlang zu fahren. In Weyhe verläuft diese Strecke auf dem Deich. Allerdings sucht der Tourist in den Ortsteilen Dreye, Sudweyhe und Ahausen, die allesamt an der Weser liegen, laut Infobroschüre vergeblich nach einer Steckdose zum Akkuaufladen: Es gibt weder eine offizielle Radwander-Steckdose im Hafen in Dreye noch beim Aussichtspunkt, auch nicht auf dem Marina-Areal Wieltsee, an der Wassermühle Sudweyhe oder im Sudweyher Bahnhof. Und was ist mit dem Freibad sowie anderen Gemeinde-Gebäuden wie das Martha-Schubert-Haus in Kirchweyhe und die Alte Wache in Leeste – Fehlanzeige. Solch ein Service sei der Mittelweser-Touristik nicht bekannt. Weyhe habe noch viele weitere Möglichkeiten, die Anzahl der Lade-Steckdosen zu vergrößern. Supermärkte, Cafés, Bäckereien – wer Interesse hat, meldet sich bei der Mittelweser-Touristik. Dann wird der Ort in die Liste und in den nächsten Flyer aufgenommen, so Martin Fahrland.

Der Gemeinde Weyhe greift den Anstoß der Mittelweser-Touristik gerne auf. Ihr sei sehr daran gelegen, die Lade-Infrastruktur für Fahrerinnen und Fahrer von E-Bikes weiter auszubauen, um „noch mehr Menschen zum Umsatteln zu bewegen. „Das war auch ein Ansatz eines Antrags der SPD-Fraktion aus dem September 2019, der im November von der Politik beschlossen wurde“, teilt die Gemeinde auf eine Presseanfrage mit. Die in dem Antrag ebenfalls geforderte Einrichtung weiterer Luft-Tankstellen wurde in diesem Sommer bekanntlich bereits umgesetzt. Die Installation neuer E-Bike-Ladesäulen sei nun der nächste Schritt, heißt es aus der Gemeindeverwaltung.

Überdies appelliert Weyhes Wirtschaftsförderer Dennis Sander „an alle hiesigen Betriebe, die sich durch Kundenaufkommen, Verweildauer und Lage anbieten, sich der Sache anzuschließen“: „Wir ermutigen alle Gastronomen und sonstigen Unternehmer, die über eine entbehrliche Steckdose im Außenbereich verfügen, diese für E-Bikes zur Verfügung zu stellen.“ Und was sagt die Gemeinde zu den Vorschlägen, ihre Gebäude um den E-Bike-Service zu erweitern? Die Gemeinde selbst prüft derzeit die Möglichkeit im Außenbereich des Rathauses und am Freibad Weyhe sowie für weitere öffentliche Gebäude.

Von Sigi Schritt

In der Liste der Mittelweser-Touristik taucht das „Asia New World“-Restaurant an der Bahnhofstraße in Kirchweyhe zwar auf, es ist aber wegen der Corona-Pandemie vorläufig geschlossen, informiert dort ein Aushang.
Eine Pause einlegen und den Akku laden: Das ist im Herzen von Weyhe, im Gastronomiebetrieb Garbs am Markt, möglich.
Die Fahrradstation am Bahnhof Kirchweyhe ist eine von mehreren Orten in der Wesergemeinde, an denen E-Bike-Besitzer ihren Akku an die Steckdose anschließen können. Wer das macht, kann zum Beispiel die Wartezeit im Kiosk der Weyher (im Bahnhofsgebäude) verbringen oder einen Spaziergang auf der Bahnhofstraße unternehmen.

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