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Illegale Grünschnitt-Deponie im Überschwemmungsareal?

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Von: Sigi Schritt

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Die Überreste von Eibengewächsen im Weyher Außendeichsgelände.
Die Überreste von Eibengewächsen im Weyher Außendeichsgelände. © Sigi Schritt

Hunderte Meter lange Totholz-Barrieren im Außendeichsgelände von Sudweyhe: Kreis leitet Prüfung ein

Weyhe – Naturschützer Josef Teupe ist entsetzt: Auf seinen Streifzügen durch das Außendeichsgelände von Sudweyhe hat er Gehölze entdeckt, die „dort absolut nichts zu suchen haben“. Würden zum Beispiel Rehe an den frischen Blättern knabbern, würden sie Koliken bekommen oder im schlimmsten Fall verenden, sagt er.

Josef Teupe entdeckte vor der ehemaligen Sudweyher Tongrube jene Überreste von Pflanzen, die in manchen Vorgärten oder auch auf Friedhöfen zu finden sind. Diese seien dort zu einer mehreren Hundert Meter langen Barriere aufeinandergeschichtet. Aber auch an anderen Stellen in der Nähe sehe er „das gleiche Bild“. Der Rhododendron würde zu sogenannten Versauerungen des Bodens führen. Man könne davon ausgehen, dass diese Pflanze durch Samenflug oder durch Stecklinge sich hier ansiedelt. Das dürfe im Außendeichsgelände aber nicht sein, schimpft Teupe. Gerade hinterm Deich sollten nur jene Baumarten und Gewächse wie Birken und Weiden und Eschen erhalten bleiben, die dort natürlich vorkommen.

Die neue Barriere vor der ehemaligen Tongrube ist mehrere Hundert Meter lang.
Die neue Barriere vor der ehemaligen Tongrube ist mehrere Hundert Meter lang. © Sigi Schriitt

„Angesichts des massiven Grünguts, das dort verteilt worden ist“, vermutet Teupe, dass „mit den vorgefundenen Gewächsen eine nicht ordnungsgemäße Grünschnitt-Deponie“ geschaffen wurde.

 Das müssen Hecken von gleich mehreren Gärten gewesen sein. Wer hat so viel Grünschnitt schon im eigenen Garten?

Josef Teupe

„Die neue Grüngut-Deponie hat einen Teil der sogenannten Pionierpflanzen, die sich am Rand der ehemaligen Tongrube durch Selbstaussaat angesiedelt haben, unter sich begraben“, so Teupe. Seiner Ansicht nach gehört das Grüngut „nicht in die Landschaft gekippt, sondern geschreddert und untergearbeitet oder aber auf die Grünschnitt-Deponie der AWG“. Die vielen „Greifvögel, die es dort gibt, könnten mit den Zierpflanzen und deren Überresten nichts anfangen“, so Teupe. „Es geht nicht bloß um eine Wagenladung, die aus einem Vorgarten stammt. Es wurden dort Mengen entsorgt. Das müssen Hecken von gleich mehreren Gärten gewesen sein“, mutmaßt der Naturschützer. „Wer hat so viel Grünschnitt schon im eigenen Garten?“, fragt er.

Gemeinde und Polizei sehen zunächst keine strafbare Handlung

Derzeit arbeiten Behörden daran, die abgekippten Grüngut-Mengen im Greifvögel-Biotop zu bewerten: Die Gemeinde Weyhe und die Polizei sehen zumindest keine strafbare Handlung, sagt Thomas Gissing, Sprecher der Polizeiinspektion Diepholz auf Anfrage. Eine Totholzecke sei geschaffen worden, das sei mit der Gemeinde abgesprochen gewesen. „Eine Umweltgefahr geht nicht davon aus.“ Wenn aber Sachen drin seien, die dort nicht hineingehören, müsse man absprechen, was wieder herausgeholt werden müsse, so Gissing. Aus fachlicher Sicht sei eine Hecke aus Totholz zu begrüßen, diese sollte nur mit heimischen Gehölzen angelegt werden, sagt der Weyher Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski. „Inwieweit eine Ordnungswidrigkeit vorliegt, müssten die Untere Naturschutzbehörde beziehungsweise die Untere Abfallbehörde beim Landkreis Diepholz als zuständige Stellen beantworten.“

„Diese Pflanzen gehören nicht dorthin“, sagt Naturschützer Josef Teupe.
„Diese Pflanzen gehören nicht dorthin“, sagt Naturschützer Josef Teupe. © Sigi Schritt

„Es sieht nach Grünabfallentsorgung oder vermeintlichen Überbleibsel eines geplanten Osterfeuers aus“, sagt Thomas Brugger vom Nabu Weyhe. „Vermutlich wird auch gegen gesetzliche Auflagen zur Ablagerung in festgesetzten Überschwemmungsgebieten sowie gegen die Wasserrichtlinie verstoßen“, so der Naturschützer. Es gehe bei der Richtlinie um das Vorranggebiet der Auenentwicklung. Aber letztendlich müsse das abschließend der Landkreis beurteilen.

Kreis leitet Prüfung ein

Die Landkreis-Verwaltung hat durch die zuständigen Fachdienste im Zusammenhang mit naturschutzrechtlichen Regelungen und dem Abfallrecht eine Prüfung eingeleitet, wie Detlef Tänzer auf Anfrage mitteilt. Der Fachdienstleiter Kreisentwicklung teilt die Einschätzung der Polizei, dass „eine Gefahr vom Schnittgut wohl nicht ausgeht, da es vertrocknet ist und von den Tieren nicht mehr verzehrt wird. Das wäre bei frischem Schnittgut zum Beispiel mit Kirschlorbeer anders.“ Dieser müsste sofort entfernt werden, weil er für Wildtiere giftig ist. „In Kirschlorbeer ist Blausäure drin“, ergänzt Tänzer. „Rehe, die die Blätter fressen, bekommen Bauchschmerzen oder können sogar verenden.“

Auch wenn es sich „nicht um heimisches und Standort-gerechtes Schnittgut handelt, so ist zu Beginn der Brut- und Setzzeit davon auszugehen, dass die Hecken bereits von heimischen Tieren besiedelt werden“, sagt Tänzer. Habitate für Mäuse und Vögel sollten jetzt nicht zerstört werden, würde man jetzt die Hecken wieder abräumen. Detlef Tänzer bestätigt die Einschätzung des Nabus Weyhe, wonach in Überschwemmungsgebieten keine zusätzlichen Abflussbarrieren geschaffen werden dürfen. Tänzer weiter: Landkreis-Mitarbeiter werden sich deshalb noch „stärker ein Bild vor Ort“ machen, um zu „bewerten, was die Barrieren für Natur- und Landschaft bedeuten“. Sollte keine Abfallverwertung vorliegen, könne es „gut gemeint, aber nicht gut gemacht“ sein.

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