Mit Igeli zum Traumabi

Noten-Schnitt: 0,8 - Abiturient erläutert Lernmethoden, die jeder anwenden kann

Florian Wichert mit seiner Handpuppe Igeli.
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Florian Wichert mit seiner Handpuppe Igeli.

Sudweyhe - „Ein gutes Zeugnis und einen guten Abschluss kann jeder Schüler bekommen“, ist sich Florian Wichert sicher. Der 18-Jährige weiß, wovon er redet – hat er doch kürzlich sein Abitur an der Kooperativen Gesamtschule in Leeste mit einem Traumnotenschnitt von 0,8 abgelegt. Er schaffte im Rahmen der Prüfungen für die Hochschulreife beachtliche 868 von insgesamt 900 möglichen Punkten und zählt damit zu den besten Abiturienten des Landes.

„Jede Zensur ist hart erarbeitet“, blickt der angehende Student zurück. Es gibt zahlreiche Kniffe und Tipps, die jeder beherzigen könnte, um sich zu verbessern, wenn man es denn möchte. Wichert setzt viel auf die Eigenverantwortung und rät dazu, sich das Lernen grundsätzlich fröhlich zu gestalten. Außerdem sei es hilfreich, eine eigene Bindung zum Stoff aufzubauen.

Schulischer Erfolg fange bereits mit der eigenen Haltung an, sagt er. Was das bedeutet? Schüler sollten sich nicht über die Schule ärgern, sondern eher neugierig sein, Wissen zu erlangen, so Wichert. Es gehe darum, die Welt zu verstehen und um die Anwendung des Gelernten, um Probleme zu lösen.

Abi-Schüler vertändeln viel Energie

Seiner Ansicht nach vertändeln Schüler zu viel Energie mit ineffektiven Dingen. Wichert hält nicht viel davon, wenn angehende Abiturienten fast ganze Bücher abschreiben und daraus unzählige Stichworte extrahieren. Dies bewirke keine langfristigen Effekte. Der junge Sudweyher kennt zudem die Meinung mancher Eltern, die ihre Kinder nach der Schule an den Schreibtisch schicken, damit sie stundenlang büffeln. Wichert lerne nie nur an einem Ort. Und auch im Gespräch mit dieser Zeitung sitzt er in seinem Zimmer mal auf dem Boden, mal auf einem Stuhl, mal auf dem Schreibtisch. Soviel verrät allein das Innenleben seines Zimmers: Wichert ist vielseitig interessiert. 

Nicht weit entfernt von Disneys Lustigen Taschenbüchern stehen Bücher von Hermann Hesse, es türmen sich Stapel des Spiegel-Magazins neben Musikvideos und Büchern über verschiedene Kunst-Epochen, Maler und Techniken. In einer anderen Ecke befinden sich zum Beispiel Bücher über Philosophie. In einem kleinen Regal gibt es einen Plattenspieler sowie die dazu passenden Schallplatten mit Musik von den Rolling Stones und Bob Dylan. Wichert selbst lernte wegen dieser Musik Akkustikgitarre und E-Gitarre. „Ich wollte so spielen wie Dylan“, sagt er.

Der 18-Jährige zeigt sein Abizeugnis.

Lernen ist für ihn ein komplexer Prozess, und deshalb sei er eben oft in Bewegung. Die gehöre dazu, um erfolgreich zu sein. Er treibe grundsätzlich viel Sport: Schwimmen, Laufen und Radfahren. Körperübungen seien beim Lernen ebenfalls wichtig für die Konzentration, findet er. „Und Ingwer-Tee“, fügt er hinzu.

„Lernen bedeutet nicht nur, Stoff zu kennen.“ Das mache höchstens 20 Prozent aus. Wichtiger sei es, das Wissen anzuwenden. Dies mache 50 Prozent aus. Der Rest ist für das Bilden der eigenen Meinung reserviert. Das sei beispielsweise beim Verfassen einer Rezension wichtig. Man könnte persönliche Erfahrungen einfließen lassen. Außerdem könne ein Autor mitteilen, was er mit dem Thema verbinde, so Wichert. Die Verbindung Wissen mit Erlebten, sei nachhaltig.

Methoden stammen aus Führungskräfteseminare

Der 18-Jährige erläutert, wie er an die Abiprüfungen herangegangen ist: Er habe Methoden angewendet, die er in Führungskräfteseminaren seiner Mutter gelernt hat und adaptierte sie. Schüler, die bislang vergeblich den Erfolg suchten, sollten zunächst herausfinden, welchen Lerntyp sie verkörpern: Wenige könnten sich den Stoff abstrakt aneignen, andere wiederum lernen über das Ohr, wiederum andere müssen zwingend etwas Anfassen oder durchs Zimmer laufen. Für Wichert sind Visualisierungen „sehr wichtig“. Er arbeitet zum Beispiel mit farbigen Plakaten, die er mit viel Text, Zeichnungen und Merksätzen gefüllt hat.

Auf seinen Plakaten stehen Aufgaben für einen Tag, die er sich selbst gesetzt hat. Ein Textbeispiel für einen normalen Schultag lautet so: „Jetzt ist jetzt. Ich konzentriere mich auf eine Sache. Ich mache meine Arbeit sehr gut. Ich gönne mir Freizeit. Essen ist gut für die Konzentration und die Freizeit.“ Für eine Prüfung hat er sich diesen Merkzettel mit farbiger Schrift angefertigt: „Ich vertraue mir selbst und spreche ein sehr gutes Englisch. Ich rede flüssig, verständlich und überzeuge die Zuhörer. Ich freue mich auf die mündliche Prüfung und werde sie erfolgreich ablegen.“

Eigene Tagesaufgaben seit der fünften Klasse

Seit der fünften Klasse setzt Florian Wichert sich diese und viele andere Tagesaufgaben. „Ich habe bereits eine dicke Mappe“, berichtet er. Die Worte „sollen sich im Unterbewusstsein festsetzen“, erklärt er. Seine Mutter Gabriele habe ihm geraten, spielerisch zu lernen und dabei den Geist und den Körper bewusst wahrzunehmen. „Das klappt sehr gut“, sagt der 18-Jährige.

Ein große Bedeutung hätten auch die sogenannten Kräftekarten. Damit ist aber nichts Esoterisches gemeint. Es geht dabei um Analysen der momentanen Situation und um die Fragen, welche Kräfte notwendig sind, um das gewünschte Ziel zu erreichen, also um die Veränderung zu erreichen. Er stellt dazu Figuren auf, und erörtert die Ausgangslage und den Weg, zum gewünschten Ergebnis. Auch das sei ein Ergebnis eines Führungskräfteseminars.

Wichert gibt ein Beispiel: Während der Vorabiklausuren erkrankte sein Großvater an Krebs – das lenkte ihn vom Lernen ab. Er fragte sich, was er tun könne, um dieser Situation zu begegnen. Die Antworten waren schnell gefunden: Sich um den erkrankten Großvater zu kümmern und die Großmutter etwa bei der Gartenpflege zu unterstützen.

Handpuppe Igeli seit zehn Jahren dabei

Eine besondere Bedeutung hat auch seine Handpuppe, die er im Alter von zehn Jahren auf einer England-Reise bekommen hat und Igeli nennt. „Die begleitet mich in meiner ganzen Schulzeit“, so Wichert. „Als ich mich für die Philosophie- und Geschichte-Prüfungen vorbereitet habe, schlüpfte ich in die Rolle Martin Luthers auf dem Reichstag zu Worms. Ich stellte mir die Aufgabe, eine Stellungnahme abzugeben. Igeli war Karl V.“

Um mündliche Prüfungen zu simulieren, stellte er sich selbst abirelevante Aufgaben: Was denkt er über die Bürgerrechtsbewegungen der USA? Er machte sich dazu Notizen und nahm seinen eigenen Vortrag mit dem Handy auf und bewertete ihn anschließend.

„Fast alle Länder in Europa gesehen“

Reisen sind für ihn ebenfalls sehr wichtig. „Ich habe fast alle Länder in Europa gesehen“, sagt er. „Europa ist vielfältig und alle Länder haben eine Beziehung zueinander. In St. Petersburg habe er gemerkt, wie „nah uns die russische Kultur ist“. Mit Händen und Füßen konnte seine Familie einem Taxifahrer verständlich machen, wohin sie fahren wollte.

Fragen zur eigenen Zukunft könne er noch nicht beantworten. Er konzentriere sich auf einen Bachelor-Abschluss im Rahmen der Integrierten Europastudien in Bremen. Wie beim Führungscoaching gehe es darum, wie Länder zueinander aufgestellt seien. Ein paar Ideen habe er doch. Er möchte das Europäische Parlament stärker mit einer nachhaltig arbeitenden Wirtschaft verbinden und Firmen europaweit vernetzen. Außerdem plädiert er dafür, Entwicklungshilfen für Afrika nur noch als gemeinsames europäisches Projekt zusammen mit afrikanischen Akademikern anzugehen.

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