Poller, Verschwenkungen und Rücksicht

Ideen für ein Leester Verkehrsproblem: Kirchstraße und Gänsekamp als Fahrradstraßen?

Ein Vorschlag: Die Kirchstraße und die Straße Am Gänsekamp könnten Fahrradstraßen werden.
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Ein Vorschlag: Die Kirchstraße und die Straße Am Gänsekamp könnten Fahrradstraßen werden.

Weyhe – Seit einigen Tagen gibt es in Leeste in einem Abschnitt des Gänsekamps keine Einbahnstraße mehr. Die Anwohner der Kirchstraße sind vorläufig zufrieden, das hat ein Stimmungsbild ergeben. Damit ist der verkehrsrechtliche Zustand wieder hergestellt, der vor der versuchsweisen Einführung der Einbahnstraßenregelung vor einem halben Jahr galt. Doch ist damit ein Schlussstrich gezogen?

Die Fraktionen im Weyher Rat werden sich weiter mit dem Thema beschäftigen, teilen sie auf Anfrage mit.

Es gilt, ein größeres Problem zu lösen: Die Anwohner der Kirchstraße, aber auch die des Gänsekamps befürchten, dass in naher Zukunft ohne Regulierung mehr Verkehr vor ihren Wohnungen rollt. Denn südlich des Henry-Wetjen-Platzes entsteht ein ganz neues Quartier. Der Erschließungsweg, die Hildegard-von-Bingen-Straße, verbindet bereits jetzt die Leester Straße mit der Kirchstraße. Die Anwohner wiederum glauben, dass über den Weg vor ihren Häusern die Strecke Hauptstraße, Henry-Wetjen-Platz, Leester Straße und Melchiorshauser Straße abgekürzt wird. Anwohner des Gänsekamps wiederum führen zusätzlich an, dass seit einigen Tagen der alte störende Effekt wieder eingetreten ist: Es rollt wieder mehr Verkehr von der Böttcherei und den davon abgehenden Wohnstraßen an ihren Fenstern vorbei, was zuvor ein halbes Jahr durch die Einbahnstraßen-Regelung nicht möglich war.

Einen eigenen mehrheitlichen Lösungsvorschlag haben die Anlieger aber nicht parat. Das kam dem Vernehmen nach bei einer Anliegerversammlung an Christi Himmelfahrt heraus, zu der die Gemeinde eingeladen hatte. Die Anlieger wollen abwarten, welche Lösungsvorschläge erarbeitet werden, den Verkehr aus ihren Straßen zu reduzieren.

Die Politik hat bereits Ideen. Für Dietrich Struthoff, Fraktionsvorsitzender der CDU, steht fest, dass die Kirchstraße auch an den bislang nicht ausgebauten Stellen ausgebaut wird. Da die Bebauung im Neubaugebiet „Südlich Henry-Wetjen-Platz“ 2024 abgeschlossen ist, komme mehr Verkehr grundsätzlich auf die Straße. Der Christdemokrat sagt, dass die Straße Am Gänsekamp ausgebaut und in Teilen verkehrsberuhigt sei. Dort soll also „nichts passieren“. Im Übrigen fordert er Verkehrsteilnehmer auf, „vorsichtig und umsichtig zu fahren“, zumal viele Schüler über den Kirchweg die Schule ansteuern.

Anwohner des Gänsekamps sprechen ein Problem an der Böttcherei an, das Auswirkungen auf ihre Straße hätte. Sie befürchten, dass Anlieger der Böttcherei auf ihrem Weg nach Bremen die Kreuzung der Hauptstraße solange weiter meiden, bis die Situation dort verbessert werden würde. Weil dort die Sicht nach links also in Richtung Henry-Wetjen-Platz eingeschränkt sei, würden die Böttcherei-Anlieger ihre Wege über den Gänsekamp suchen.

An der Ecke Böttcherei/Hauptstraße gebe es aber keinen Unfallschwerpunkt, sagt Dietrich Struthoff. Deshalb seien an dieser Stelle auch keine Anpassungen geplant.

Antje Sengstake, Fraktionsvorsitzende der FDP, fahre jeden Tag an jener Ecke vorbei. Sie könnte sich an dieser Stelle einen Fußgängerüberweg vorstellen. Autofahrer sollten mehr Gelassenheit zeigen.

Die FDP habe eine Idee, wie sich die Geschwindigkeiten auf den Wegen vor den Häusern an Kirchstraße und Gänsekamp drosseln ließen. Die immer wieder geäußerten Befürchtungen der betroffenen Anwohner, dass ihre Straßen zu überhöhten Geschwindigkeiten einladen, teile die FDP. Um diesen Kreuzungsbereich zu entschleunigen, schlagen die Liberalen eine Aufpflasterung oder Ähnliches vor. Außerdem schlagen sie dem Rat vor, beide Straßen zu Fahrradstraßen umzuwandeln. Die Fahrbahnen würden ohnehin als Schulweg und von vielen Radfahrern genutzt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Zottmann setzt darauf, dass Bürger gemeinsam mit der Verwaltung Vorschläge erarbeiten, die durch das Rathaus dann fachlich und rechtlich geprüft würden. „Es macht keinen Sinn, immer neue Ideen von außen in die Debatte zu werfen.“ Dass die Verwaltung auch an freien Tagen für die Bürger da sei, sei für Zottmann ein Ausdruck der Wertschätzung und Ernsthaftigkeit für die Sorgen und Nöte der Anwohner. Zur Ecke Hauptstraße/Böttcherei merkt der Sozialdemokrat an, dass die Situation an der Einmündung im Zusammenhang mit dem Verkehrsentwicklungsplan der Gemeinde betrachtet würde. „Die Verkehrsführung an der Hauptstraße muss, da sie eine wichtige Verkehrsachse in der Gemeinde ist, ganzheitlich betrachtet werden. „Es macht keinen Sinn, immer nur Einzelprobleme auf dieser Achse zu diskutieren.“

Das Grundproblem in Weyhe sei für die Grünen-Fraktionsvorsitzende Annika Bruck, dass „auf allen Straßen zu viel Auto gefahren wird“. Man selbst lege jede noch so kurze Strecke mit dem Auto zurück, wenn man dann aber an einer Kreuzung warten müsse oder die Autos entlang des eigenen Hauses fahren, sei man mit dem Verkehr nicht einverstanden. „Dabei möchten in allen Anwohnerstraßen die Kinder spielen, Roller fahren oder die Nachbarn mal schnacken können. Das geht den Anwohnern des Gänsekamps wahrscheinlich nicht anders, die jetzt wieder in ihrer ebenso engen Straße den Verkehr aufnehmen müssen.“

Wie Antje Sengstake von der FDP mahnt auch die Grüne zur Gelassenheit. „Generell müssen wir aber mit den engen Straßen und nicht perfekten Kreuzungen leben.“ Annika Bruck betont: „Letztlich hilft es immer, kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu machen, so Straßen zu entlasten. Dies sollte durch gute Planung immer unterstützt werden. Das Tempo der Autos ist für mehr Lebensqualität zu reduzieren, wenn nötig, unterstützt durch Poller, Verschwenkungen.“ Wie auch Dietrich Struthoff mahnt Annika Bruck Verkehrsteilnehmer zu Rücksicht und insbesondere Autofahrer zur Geduld.

Von Sigi Schritt

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