Dramaturg Frank Pinkus blickt zurück

„Ich möchte auch auf der Bühne stehen“

Frank Pinkus auf mit Bühnenrequisiten. - Foto: Maren Jensen

Kirchweyhe - Von Maren Jensen. „Ein guter Schauspieler ist der, der alles spielen kann.“ So sieht es jedenfalls der Dramaturg des Weyher Theaters, Frank Pinkus. Der 56-Jährige hat bisher selbst bei fast jedem eigenen Werk auf der Bühne gestanden – und das ohne klassische Schauspielausbildung. Derzeit steht er in seiner Komödie „Ein Bett für vier“ auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Ein Lieblingsgenre hat Pinkus nicht. Gerne spielt er heitere Rollen, einen fiesen Bösewicht oder auch mal den Liebhaber von nebenan. „Das Ausprobieren fasziniert mich am Theater“, sagt er. Die Kategorisierung von Genres sieht er als stereotypisch für dieses Land an. „Ich spiele auch gerne etwas anderes. Manchmal verschwimmen die Genres auch ineinander.“

Früh fühlte sich Pinkus vom Theater angezogen. „Mit elf Jahren verbrachte ich den größten Teil meiner Freizeit dort.“ Dreimal pro Woche ging er zu Vorstellungen.

Stundenlang schaute er sich Kinderstücke, Komödien und Boulevard-Vorstellungen an. „Ich habe nichts anderes mehr im Kopf gehabt“. Trotzdem entschied sich Pinkus für ein Studium der Geisteswissenschaften. In Hamburg lernte er Germanistik und Philosophie. „Meine Eltern haben mir nicht im Weg gestanden. Im Gegenteil. Sie haben immer versucht, mich in allen Dingen zu unterstützen“, blickt er zurück. Vielmehr sei sein eigener Mut das Problem gewesen. „Ich habe mich selber nicht getraut, war sehr unsicher und noch ein ziemlicher Amateur“, erinnert er sich.

Nach dem Abschluss des Studiums und zwei Staatsexamina entschied er sich schließlich, doch zum Theater zu gehen. „Ich lernte an diversen Plätzen und hatte so eine andere Art der Ausbildung“, sagt Pinkus.

Ein Jahr nach der Eröffnung des Weyher Hauses im Jahr 2001 zog Pinkus in die Region. In Zusammenarbeit mit Kay Kruppa, dem Intendanten, war er wesentlich an der Entwicklung des Theaters beteiligt. Die beiden kennen sich schon aus der Jugend.

Trotz Quereinstiegs bringt Pinkus viel Erfahrung mit: Nach dem Studium arbeitete der Hamburger jahrelang als Dramaturg an der Altonaer Bühne. Später wechselte er zu einem Theaterverlag in Norderstedt.

In Hamburg gründete er 1978 „Die kleine Bühne Harburg“, mit der er viele Jahre als Darsteller, Regisseur und Autor tätig war. „Ich habe gemerkt, dass es nicht reicht, nur Dramaturg zu sein. Die Arbeit ist toll, aber ich möchte auch auf der Bühne stehen und meine Stücke spielen“, sagt er.

Mehr als 50 Werke zählt der 56-Jährige mittlerweile zu seinem Repertoire. In der neuen Spielzeit hat er erheblichen Anteil an den beiden Stücken „Ein Traum von Irland“ und „Ein Bett für vier“ gehabt, in denen er selbst in einer der Hauptrollen zu sehen ist.

Für die Zukunft des Weyher Theaters hofft Pinkus, dass alles so bleibt, wie es ist. „Ein Publikum gewöhnt sich sehr schnell. Deshalb müssen wir es immer neu abholen. Das ist unsere Aufgabe“, sagt er überzeugt. Freudig erinnert er sich an die vergangenen 14 Jahre zurück, ein persönlicher Höhepunkt war für ihn das Stück „Crazy“, das von fünf geistig Behinderten handelte. Sowohl Tragik als auch viel Humor waren in das Stück integriert. „Das Publikum hat geweint, gelacht und am Ende gestanden und geklatscht. Es war alles da, und das war fantastisch“, sagt Pinkus. Die Reaktionen der Besucher sind dem Dramaturgen besonders wichtig. „Das ist schließlich der Lohn unserer Arbeit.“

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