Im Rathaus

Ausstellung von Martin Koroscha: „Ich habe einen Schalk im Nacken“

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Der Künstler Martin Koroscha, die Kulturbeauftragte Hedda Stock und ihre Assistentin Laura Janssen (Teilnehmerin des FSJ) hängen die ersten Bilder ins Obergeschoss des Rathauses.

Weyhe - Von Sigi Schritt. „Landschaft mit Haus“ lautet der Name einer Ausstellung, die am kommenden Mittwoch im Weyher Rathaus eröffnet wird. Künstler Martin Koroscha hat am Donnerstag bereits die ersten Bilder an die Wände im Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes gehängt.

Der Titel der Ausstellung ist Programm: Der Künstler und Kunstpädagoge aus Bremen präsentiert insgesamt 39 Arbeiten aus Acryl, die sich allesamt mit dem Thema Raum befassen. Koroscha konstruiert – ohne digitale Vorlage – mit Lineal und Bleistift in Zwei- und Dreipunkt-Perspektiven Orte, Räume und Landschaften allein aus seiner Vorstellung, sagt die Kulturbeauftragte Hedda Stock. Ihre Assistentin Laura Janssen beschrieb die Wirkung seiner Bilder, als würde ein Betrachter aus Fenstern herausblicken. Außerdem bestechen ihrer Meinung nach die Werke durch ihre Leuchtkraft. „Dabei ist die Beleuchtung noch nicht einmal eingeschaltet“, ergänzt Hedda Stock.

Die Bilder des Bremers sind gefragt: So habe die HSH-Nordbank einige Werke gekauft, um ihre Geschäftsräume auszustatten. „Die Bilder strahlen oberflächlich, sind aber nicht aufdringlich“, beschreibt der Künstler die Wirkung.

Geometrische Körper lässt der Künstler schon mal schweben. Was stellen die Würfel und Quader dar? Sind es Möbelteile von Ikea? Oder Hochbeete? Was hat es mit den Würfeln auf sich, die immer wieder inmitten einer Landschaft auftauchen und nur weiß sind? Sollen sie ein Atomkraftwerk symbolisieren? Nein, sagt der Künstler. Wer negativ denkt, könne so etwas vielleicht hineininterpretieren. Er will den Betrachter zum Nachdenken bewegen – politische Botschaften enthalten seine Bilder allerdings nicht. Martin Koroscha räumt ein, dass diese geometrischen Figuren viel Platz zur Interpretation lassen. Das sei so gewollt. „Ich habe einen Schalk im Nacken“, erläutert er.

Der Künstler setzt für seine Bilder unterschiedlicher Formate nicht auf Leinwand, sondern auf Baumwolle. Weitere Gemeinsamkeit: Sie tragen allesamt keinen Namen. Der Bremer möchte vermeiden, dass die Betrachter durch Titel eine vorgefasste Meinung bekommen. Betrachter sollen die Räume lieber mit ihren eigenen Erfahrungen füllen.

Neben den auf das Wesentliche reduzierten Formen durchbrechen in seinen Werken detailreiche Bäume die Linienführung. In neueren Bildern sind es Nordmanntannen, die wie er sagt auch „neben einer Märklin-Eisenbahn“ stehen könnten. In älteren Bildern stehen Zypressen, die er im Ausland kennengelernt hatte. Dieser Baumart-Wechsel habe mit seiner Biografie zu tun, erläutert er.

„Mit 15 Jahren bin ich von zu Hause weg und war viel unterwegs“, blickt er zurück. Geboren 1959 im nordhessischen Korbach führte sein Weg unter anderem nach Griechenland. Er lebte in Berlin, bevor er nach Bremen gezogen ist.

Über den zweiten Bildungsweg gelangte er Anfang der 1990er-Jahre an die Fachhochschule in Ottersberg und studierte unter anderem das soziale Wirken der Kunst.

Die Ausstellung beginnt um 18.30 Uhr mit einem Sektempfang. Kunstexpertin Annika Oshiro Higa wird thematisch in die Ausstellung einführen.

Die Leester KGS-Schülerin Clara Madrid Wessels, die aus der Nachbargemeinde Stuhr kommt, übernimmt die musikalische Begleitung. Die Kulturbeauftragte Hedda Stock schwärmt: Die angehende Abiturientin, die den Musik-Leistungskurs belegt, spielt Saxofon und Piano und hat kürzlich eine studienvorbereitende Ausbildung bei der Kreismusikschule abgeschlossen.

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