Bremer Philharmoniker gestalten Hundertwassergrundschule Projektwoche

Leester Schüler inszenieren „Bilder einer Ausstellung“

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Mit vollem Körpereinsatz bringt die Bremer Theaterpädagogin Karina Schieck den Mädchen und Jungen in der Aula der Grundschule bei, was es bedeutet, vor einem Publikum zu agieren.

Leeste - Von Sigi Schritt. Der Weg ist das Ziel. Getreu diesem Motto bereiten seit Montagmorgen die Bremer Philharmoniker mit Erst- bis Viertklässlern der Hundertwassergrundschule eine gemeinsame Aufführung vor. Die Musiker der Hansestadt haben für die Sechs- bis Zehnjährigen nicht das bekannte Stück „Karneval der Tiere“ ausgewählt, sondern diesmal Modest Mussorgskijs „Bilder einer Ausstellung“ herangezogen. Die Besonderheit: Die Kinder führen das Stück nicht etwa für Eltern oder Großeltern auf, sondern nur für sich.

Eine Reise durch ein Kunstmuseum bildet die Rahmenhandlung, sagt Barbara Klein, Sprecherin der Bremer Philharmoniker. Die Schüler tauchen dabei in eine „wunderbare Bilderwelt“ ein, denn die Werke werden plötzlich lebendig. Jede Klasse hat laut Klein ein „Gemälde“ ausgewählt und stellt es den anderen Kindern szenisch vor. Schnell wird klar, dass bei dieser Aufführung in der Aula wenig Platz für ein erwachsenes Publikum ist, denn die Kinder füllen den Raum gut alleine aus.

Mit einem Klebeband haben die Theaterpädagogin Karina Schieck und die Lehrerinnen der Schule in der Mitte auf dem orange-marmorierten Boden ein etwa sechs mal zwölf Meter großes Viereck abgesteckt – das ist die ebenerdige Bühne. Markierungen weisen den Klassen an drei von vier Seiten die Warte- und Zuschauer-Position zu. Vor den Fenstern werden am Freitag die fünf Musiker ihre Instrumente aufbauen, um das bekannteste Werk des russischen Komponisten, den Klavierzyklus, live zu präsentieren.

Kostüme aus schwarzen Plastikbeuteln

In den vier Tagen bis dahin werden die rund 250 Kinder durch die Hilfe ihrer Lehrer und der Theaterpädagogin das musikalische Werk schauspielerisch umgesetzt und sich als Kostüm- und Bühnenbildner versucht haben. Einen Vorgeschmack auf die Interpretation seines achten Satzes mit dem Titel „Die Katakomben“ gibt eine Klasse unter Führung von Konrektorin Kathrin Wolf. Die Nachwuchskünstler haben bereits Kostüme aus schwarzen Plastikbeuteln entworfen, die sie bei der Friedhofsszene tragen werden.

Bis zur Aufführung werden die Kinder noch so manchen Tipp der Theaterpädagogin hören. „Beim Spielen kommt es darauf an, dass man das Gesicht sieht.“ Die Expertin forderte die Mädchen und Jungen auf, mehr Ausdruck zu zeigen. Ihre Worte verhallten nicht. „Anders als bei anderen Stücken sind die Mussorgskijs Bilder nicht vorgegeben, weil sie sich nur aus der Musik ableiten“, nennt Schieck einen Vorteil. „Die Kinder können ihre eigenen Vorstellungen einbringen.“

Musisch-künstlerisches Potenzial erweitern

Darum geht es, sagt, der Schulleiter Martin Stamnitz. „Für die Schüler bietet die Projektwoche eine Möglichkeit, ihr musisch-künstlerisches Potenzial zu erweitern.“ Ziel sei nicht ein perfektes Ergebnis, das am Ende beispielsweise den Eltern präsentiert wird, sondern jener Weg, der positive Handlungen bei Kindern auslöst. Es sei schon vorgekommen, dass Kinder auf dem Schulhof klassische Stücke pfeifen, so Karina Schieck.

Die Projektwoche hilft den Schülern, in ihrer Persönlichkeit zu wachsen, ist sich der Schulleiter sicher. „Besonders die auffälligen, wilden Schüler haben eine wahnsinnige Fantasie, die sie jetzt in Musik und Theater übersetzen. Sie bekommen im Applaus Zustimmung von ihren Mitschülern und anderen Klassen.“ Die Pädagogin gibt ein handfestes Beispiel: Vorgestern hatte „sich ein Junge gesperrt, einen bestimmten Satz zu sagen. Schließlich hat er das doch gemacht – die Klasse hate nur gestaunt“. Der Junge wirkte glücklich.

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