Jäger beobachtet Wasservögel

Hunde jagen Schwäne in der Leester Marsch

Wirklich kein schöner Anblick: Das ist einer der acht Schwäne, die allesamt gegen Stromleitungen geflogen waren und abstürzten. Die tatsächliche Todesursache ist unbekannt. Foto: Jagdgemeinschaft Leeste
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Wirklich kein schöner Anblick: Das ist einer der acht Schwäne, die allesamt gegen Stromleitungen geflogen waren und abstürzten. Die tatsächliche Todesursache ist unbekannt.

Weyhe - Manche Hundehalter haben ihre Vierbeiner nicht richtig unter Kontrolle. Sie rufen ihren Tieren hinterher – diese reagieren aber nicht darauf. Das kann schlimme Folgen haben, wie Mitglieder der Leester Jagdgemeinschaft jetzt berichten.

Jäger haben kürzlich acht verendete Schwäne in der Leester Marsch gefunden. Die Wasservögel befanden sich allesamt in der Nähe von Stromleitungen und -masten. In mindestens zwei Fällen hätten Hunde von Spaziergängern etwas damit zu tun, so Stefan Böhm. Er ist einer von insgesamt acht Jagdpächtern, die sich in Leeste das Gebiet zwischen Ristedt und der Ochtum teilen.

Jäger fordert: Hundehalter sollen Jagdtrieb kontrollieren können

Ein Hundehalter sollte den Jagdtrieb seiner „Lieblinge jederzeit unter Kontrolle bringen können“, fordert Stefan Böhm. Das geschehe jedoch nicht immer, wie das jüngste Beispiel zeige. Daher wünscht sich der Jäger eine Leinenpflicht nicht nur in der Brut- und Setzzeit, die Mitte April beginnt, sondern auch schon für die Zeit davor.

Vor zwei Wochen habe Olaf von Weyhe – ebenfalls ein Jagdpächter – zwei Hunde beobachtet, die in der Nähe des Weidenweges auf Schwäne zugelaufen seien. Die Hunde der Spaziergänger seien aufs Grünland gerannt, sagt er. Von Weyhe habe erlebt, wie die Halter ihren Tieren zwar hinterhergeschrien hätten – aber diese kehrten nicht zurück. Der Jäger berichtet, dass diese Schwäne versuchten, panikartig zu fliehen. Bei ihrer Flucht seien die Wasservögel mit der Hochspannungsleitung kollidiert und abgestürzt.

Jäger vermutet Hunde als Schwanen-Jäger

Stefan Böhm vermutet, dass auch in den anderen sechs Fällen Hunde mittelbar für den Tod der Tiere verantwortlich gewesen seien. Seinen Verdacht könne er allerdings nicht beweisen, räumt er auf Nachfrage ein. In der Leester Marsch sterben immer mal wieder Tiere, so der Jäger.

Der promovierte Narkosearzt fordert, dass die Notwendigkeit der Leinenpficht zeitlich ausgeweitet werden müsste, weil es seiner Ansicht nach immer wieder Menschen gibt, die nicht so verantwortungsvoll mit den Tieren umgehen, wie die meisten Hundehalter oder den organisierten Hundefreunden in Vereinen. Der Jäger führt ein Beispiel aus Melchiorshausen an. Dort sei nach seiner Schilderung Ende Februar/Anfang März ein Hund in ein Gehege gesprungen und habe die Tiere angeblich gehetzt. Das habe ein Spaziergänger gesehen und Böhm informiert. Der besagte Hund soll an einem anderen Tag auch Rehe gescheucht haben.

Nabu fordert: Hunde an die Leine

Thomas Brugger, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Weyhe, kennt solche Fälle. Er fordert ebenfalls wie die Jäger, dass Halter ihre Hunde auch außerhalb der Brut- und Setzzeit an die Leine nehmen. Solche Situationen wie sie die Jagdgemeinschaft schildert, erleben auch Naturschützer: Schon vor einem Jahr habe ein Hund in der Leester Marsch Wasservögel gejagt, erinnert sich der Nabu-Vorsitzende.

Niemand habe etwas gegen Hunde, aber es gebe eben Menschen, die meinten, sie hätten das Recht, mit ihren Tieren so umzugehen, wie sie es für richtig halten. Geltende Naturschutzgesetze lasse dieser Personenkreis schon mal außer acht, findet Thomas Brugger. Er treffe immer mal wieder auf „uneinsichtige“ Spaziergänger, zuletzt bei einem Gang an der Hache. Dort habe er Hundehalter angesprochen, die mit ihren Vierbeinern auf dem sogenannten Gewässerrandstreifen unterwegs waren. „Das ist ein Areal, das dem Naturschutz gewidmet ist. Das wissen viele jedoch nicht.“ Als Brugger die Hundebesitzer darauf aufmerksam gemacht hat, seien sie pampig geworden. Sie suchten sich danach weiter ihren eigenen Weg.

Nabu-Vorsitzender fordert mehr gegenseitige Rücksicht

„Es ist sehr schade, dass man dann nur mit Rechtsmitteln arbeiten kann“, so Thomas Brugger. Soll heißen: Die Polizei müsste gerufen werden. „Das habe ich aber noch nie gemacht.“

Beleidigungen gehören bei einigen uneinsichtigen Menschen offenbar zur Regel, sagt Brugger. Deshalb wünscht sich der Nabu-Vorsitzende generell mehr gegenseitige Rücksicht.

Die Jagdgemeinschaft Leeste hat noch keine Strafanzeige gestellt, wie es auf Nachfrage heißt. „Wir überlegen aber, diesen Schritt zu gehen“, so Stefan Böhm. Denn es gehe um Verstöße gegen das Tierschutz- und gegen das Jagdgesetz, die zu prüfen wären.

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