Hinterbliebene ärgert sich über Termingestaltung der Leester Friedhofsverwaltung

„Die spielen mit der Trauer der Angehörigen“

+
Für Saskia Lüllmann verstößt die Leester Friedhofsordnung gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz.

Leeste - Von Philipp Köster. Auch heute noch, viele Wochen nach der Beerdigung ihres Stiefvaters, ist Saskia Lüllmann verärgert und traurig. Ihre Erlebnisse lassen sie zu dem Schluss kommen, dass die Leester Friedhofsverwaltung Nicht-Kirchenmitglieder „mobbt“.

Harald Frese ist am 7. Januar mit 62 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Seine Frau Rita Schmittat, Saskia Lüllmanns Mutter, hat in zweiter Generation ein Familiengrab auf dem Leester Friedhof. Somit kann auch Nicht-Kirchenmitglied Harald Frese bestattet werden. Nach der Einäscherung findet am 13. Januar die Trauerfeier im Bestattungsinstitut Wolle in Kirchweyhe statt. Die Bestattung der Urne soll nach dem Wunsch der Familie am Freitag, 13. Februar, mittags erfolgen, damit auch Auswärtige an der Zeremonie teilnehmen können. Kirchenvorstandsvorsitzender Günther Knief kann jedoch nur 10 Uhr als mögliche Uhrzeit anbieten. Die Termine um 11 und um 13 Uhr sind Mitgliedern vorbehalten. Auch 12 Uhr sei nicht möglich, bei einer Beerdigung eines Mitglieds um 11 Uhr könnte das zu eng werden.

Es bleibt nur die Zeit um 10 Uhr. Saskia Lüllmann weist auf die Friedhofsordnung hin, derzufolge auf die Wünsche der Angehörigen Rücksicht zu nehmen sei, gleich ob Mitglied der Kirche oder nicht. Von Knief und auch Pastor Holger Tietz erhält sie die Auskunft, dass sich noch niemand beschwert habe.

„Wir haben uns schließlich gefügt“, sagt Saskia Lüllmann. Nur der Bestatter darf am 13. Februar um 10 Uhr die Urne zu Grabe lassen. Auch das stößt Saskia Lüllmann sauer auf, denn ihr Mann Torsten wäre bei diesem Ritual gerne beteiligt gewesen. Zu schlechter Letzt geht bei der Beerdigung auch noch eine Motorsäge an.

Die Juristin lässt die Sache nicht auf sich beruhen, wendet sich in Telefonaten und E-Mails an die Friedhofsverwaltung und auch an den Superintendenten Jörn-Michael Schröder. Ende April unterstreicht die Kirchenvorstandsspitze Knief/Tietz in einer E-Mail: „Die Leester Kirchengemeinde und ihre verantwortlichen Organe entscheiden über die Verwaltungspraxis.“

Ihre Mutter Rita Schmittat mag angesichts der Vorkommnisse nicht mehr gerne auf den Friedhof zum Grab des Mannes gehen. „Sie kann sich gar nicht mehr vorstellen, dort irgendwann selbst bestattet zu werden. Das ist eigentlich das Schlimmste an der gesamten Geschichte“, sagt Lüllmann.

Für sie wird mit der Praxis nicht nur gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen, die Verantwortlichen „spielen auch damit, dass die Leute in Trauer sind. Warum verhalten sie sich so starr? Vorhandener Spielraum wird nicht genutzt, und die Individualität bleibt außen vor“. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen aus der Kirche austräten, sei die 2:1-Terminregelung zugunsten der Mitglieder nicht mehr angebracht.

Auf Nachfrage dieser Zeitung betont Pastor Holger Tietz, dass die Kirche als Trägerin des Friedhofs auch die Spielregeln bestimmen dürfe. Das sei auch die Rückmeldung der Verwaltungsmitarbeiter im Kirchenamt. „Die Zeiten dürfen wir vorgeben, und 11 und 13 Uhr sind geblockt für unsere Leute.“ Schließlich würden Pastoren-Kollegen aus dem gesamten Nordkreis Christen auf dem Leester Friedhof beerdigen.

Die Ansicht von Saskia Lüllmann, dass die Praxis gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße, „wird nicht von uns geteilt“, sagt Tietz.

Sein Kirchweyher Kollege Albert Gerling-Jacobi bestätigt für den Kirchweyher Friedhof „im Prinzip“ einen ähnlichen Modus, nach dem die Termine um 12 und 14 Uhr für die protestantischen Kirchenmitglieder reserviert sind und den anderen der Termin um 10 Uhr angeboten wird. „Doch das weicht immer mehr auf. Und wir machen auch kein Dogma draus.“ Um einer Planungssicherheit willen gebe es im Grunde feste Bestattungszeiten. Doch heutzutage müsse „man das flexibler handhaben“, sagt der Kirchenvorstandsvorsitzende für die Felicianusgemeinde.

Das Ehepaar Lüllmann ist inzwischen aus der Kirche ausgetreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Reitturnier in Wechold bei Familie Bösche

Reitturnier in Wechold bei Familie Bösche

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Meistgelesene Artikel

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Fahrt in den Straßengraben endet glimpflich

Fahrt in den Straßengraben endet glimpflich

Kommentare