Vor sechs Jahren hat das Seniorenservicebüro mit der Quartiersarbeit begonnen

Hilfe über den Gartenzaun hinweg

Quartiersmanagerin Christin Brümmer und Jürgen Herrmann vom Weyher Seniorenbeirat würden sich über die Unterstützung durch weitere Ehrenamtliche freuen. - Foto: Ehlers

Stuhr / Weyhe - Von Heiner Büntemeyer. Vor sechs Jahren entstand in Lahausen das erste Quartier, inzwischen sind es acht in Weyhe und vier in Stuhr. Für das geplante Quartier in Kirchweyhe, das letzte noch fehlende in der Gemeinde, sammeln die Verantwortlichen bereits Infrastrukturdaten, um zu ermitteln, wie viele Menschen im Alter ab 60 Jahren zu den potenziellen „Gebern“ oder „Nehmern“ zählen.

Quartiersmanagerin Christin Brümmer vom Pro-Dem-Seniorenservicebüro (SSB) und Jürgen Herrmann vom Weyher Seniorenbeirat, die gemeinsam mit vielen Unterstützern die Quartiersarbeit in Weyhe und Stuhr nach vorne gebracht haben, geben sich nicht zufrieden mit dem Gefühl: „Es läuft ja sehr gut, es hat sich erfreulich etabliert.“ Vielmehr möchten sie neuen Elan in die Quartiersbildung bringen. Vor allem vermisst Jürgen Herrmann Damen und Herren zwischen 65 und 70 Jahren.

Den Einwand, da gingen nur alte Menschen hin, lässt er nicht gelten. Im Gegenteil: Jüngere Alte werden besonders dringend gesucht, denn sie sind als „Geber“ unverzichtbar. Damit ist gemeint, dass gerade sie die Quartiersarbeit bereichern, weil sie meistens noch mobil sind und als sogenannte Ansprechpartner der Nachbarschaft (ASPDN) die Arbeit aktiv unterstützen könnten.

Mit den ASPDN steht und fällt die Quartiersarbeit. Als „Sensor“ erkennen sie wesentlich früher als jede offizielle Einrichtung, ob und wo in ihrer Umgebung ältere Menschen hilfsbedürftig sind oder Isolations- und Rückzugstendenzen zeigen. Dazu genügt häufig schon ein Blick über den Gartenzaun oder ein „Schnack“ mit den Nachbarn.

Wer Interesse an dieser ehrenamtlichen Tätigkeit hat, sollte sich bei Christin Brümmer melden. Sie ist die Hauptansprechpartnerin der ASPDN und montags bis freitags zwischen 9 und 16 Uhr zu erreichen. Einmal jährlich gibt es auch einen ASPDN-Zirkel, bei dem sich Weyher und Stuhrer Aktive kennenlernen und austauschen können.

„Nehmer“ der Quartiersarbeit sind jene älteren Menschen, die nicht mehr so mobil sind und Hilfe benötigen, weil sie alleinstehend sind oder ihnen soziale Kontakte fehlen – und die Angst haben, in den eigenen vier Wänden „einzugehen“.

Ihnen Mut zu machen, ihnen eine Möglichkeit zu bieten, im eigenen Quartier Nachbarn besser kennenzulernen, neue Kontakte zu knüpfen, wieder menschliche Nähe zu wagen und einen Ort zu finden, um sich „auszuquatschen“, sind die Ziele in den Quartieren. Dort kann man den regelmäßigen Einkauf organisieren; dort gibt es Hilfe, wenn es um das Ausfüllen von Papieren geht; dort gibt es Informationen zu allen Fragen, die im Alter auftauchen. Und das Beste: Es kostet nichts. Bei Bedarf wird sogar der Fahrdienst organisiert.

Nicht alles sind Aufgaben des ASPDN, aber er sollte diesen Bedarf bemerken und seine Beobachtung weiterleiten. Zudem kann er die Nachbarn anregen, die regelmäßigen Quartierstreffen zu besuchen. „Das ist eine tolle, lohnenswerte Sache, die nur wenig Zeitaufwand erfordert und sogar noch Spaß macht“, wirbt Jürgen Herrmann für diese Tätigkeit.

Inzwischen sind auch quartiersübergreifende Angebote entstanden. Neben Grillnachmittagen, Ausflügen und Filmvorführungen gibt es seit einigen Wochen an jedem ersten und dritten Dienstag im Monat um 15 Uhr in der Melchiorshauser Förderschule einen lockeren Tischfußballtrainingsnachmittag an zwei neuen Spielgeräten. Sogar Turniere wurden bereits veranstaltet.

Das Projekt „Helfende Hände“ ist ebenfalls in den Quartieren entstanden. Dabei unterstützen Senioren andere Senioren mit einfachen handwerklichen Arbeiten: Sie wechseln Glühbirnen, Batterien oder ein kaputtes Scharnier aus, hängen ein Bild auf oder entlüften Heizkörper. In einigen Quartieren helfen Ehrenamtliche Senioren auch beim Einkaufen.

Grundsätzlich sucht Christin Brümmer für jedes Quartier Ehrenamtliche. Besonders dringend ist der Bedarf für alle Stuhrer Quartiere sowie in Erichshof, Melchiorshausen und Ahausen, aber natürlich auch für geplante Quartiere. In Heiligenrode und Moordeich ist die Gründung für den Herbst dieses Jahres vorgesehen, in Kirchweyhe für Frühjahr 2017.

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