Christen freuen sich auf Gäste aus Gravatá

Hilfe kommt eins zu eins bei den Armen an

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Bilden seit mehr als 30 Jahren einen Teil der Partnerschaftsgruppe: (v.l.) Anneliese Sperlich, Rudolf Preuss, Waltraut Rybak, Lourdes Preuss, Horst Krüger sowie Hilde und Jochen Schlegel. 

Kirchweyhe - Von Philipp Köster. Brasilien ist ein Land extremer Gegensätze: An Rohstoffen, kulturellen Reizen und Naturschönheiten gilt es als eines der reichsten Länder der Erde – auf der anderen Seite leben Millionen seiner Bürger in Armut. Es strebt nach wirtschaftlicher Geltung, stemmt eine Fußball-Weltmeisterschaft und olympische Spiele – doch der Kriminalität in den Favelas wird Brasilien nicht Herr. Und die allgegenwärtige Korruption wirkt sich bis in die kleinsten Gemeinden und Stadtviertel aus.

Davon wissen auch Rudolf Preuss, Pastor Horst Krüger und die anderen Aktiven der Brasilienpartnerschaft der Felicianusgemeinde zu berichten. „Wenige Meter neben der ärmlichsten Favela steht ein gigantischer Supermarkt, bewacht von drei Männern mit Maschinenpistolen“, sagt der frühere Sudweyher Pastor Krüger.

Seit 18 Jahren unterstützt die Weyher Brasiliengruppe in einem Armenviertel in Gravatá bei Recife im Nordosten das Projekt „Pro Ludus – O Caminho“. Mit Geldern unter anderem aus der hiesigen Diakoniekasse können sich Diakon Davi Haese und Erzieherinnen um Kinder und Jugendliche im Viertel „Riacho de Mel“ kümmern. Das bedeutet zu Deutsch „Honigfluss“. Was dort bei vielen der etwa 3 000 Einwohnern der Favela aber oft fließt, ist nicht Honig, sondern Drogen. „Klebstoff ist die Einstiegsdroge schon für Zwölfjährige, dann geht es weiter mit dem fast tödlichen Crack“, sagt Preuss. Die Dealer seien geschickt, vermittelten den „Kunden“ Nebenjobs, um sie auf ihre Seite zu ziehen.

Chance auf einen Job

Doch dank des Projekts gebe es Erfolge, würden einige Kinder den Fängen der Kriminellen entrissen. In der familiären Atmosphäre des Gemeindezentrums gebe es Unterricht und damit die Chance auf einen richtigen Job. Aus der reinen Sozialarbeit hat sich im Lauf der Jahre eine lutherische Kirchengemeinde entwickelt. „Nicht von außen vermittelt oder aufgedrückt, sondern auf Initiative der Menschen vor Ort“, berichtet Krüger.

Viele, die bei „Pro Ludus – O Caminho“ groß geworden seien, hätten heute eine Festanstellung als Erzieher oder in Hotels. Das Zentrum helfe inzwischen sogar der politischen Kommune und biete seine Räume für Unterricht an, weil die Schule des Viertels verfalle. Gerade erst wurde der Bürgermeister wegen Korruption entlassen – mit der Folge, dass alle Hilfsmaßnahmen von Nichtregierungsorganisationen keine Gelder mehr bekommen. Umso wichtiger ist die Unterstützung der Kirchweyher Christen im Verbund mit Partnern im schleswig-holsteinischen Tellingstedt. Spenden von Firmen und Jubilaren sind willkommen, auch steht der Gottesdienst am ersten Advent samt Kollekte traditionell unter dem Motto der Hilfe für Gravatá. Das Geld kommt eins zu eins in Brasilien an. Diakon Haese leistet akribisch Rechenschaft über die Zuwendungen.

Fünf junge Leute und ein Diakon

Ende des Monats besuchen fünf in einem strengen Auswahlverfahren ermittelte junge Leute aus dem Armenviertel mit Diakon Davi Haese auf Einladung der nordelbischen Kirche 14 Tage lang Deutschland. Am Donnerstag, 27. Oktober, sind Adriana, Simone, Rutiane, Davi, Germesson und Iractan um 18.30 Uhr im Gemeindehaus am Kleiberweg 31 zu Gast und erzählen allen Interessierten von ihrer Heimat.

Die bereits seit 1984 bestehende Brasiliengruppe freut sich über neue Mitstreiter. Weitere Informationen gibt Rudolf Preuss unter Telefon 04203/22 88.

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