Bürgermeister bekommt anonymen Brief

Bovenschulte: „Hetze darf nicht normal werden“

Weyhe - Von Sigi Schritt. Die Gemeindeverwaltung in Weyhe hat am Holocaust-Gedenktag am vergangenen Freitag einen anonymen Brief erhalten. Bürgermeister Andreas Bovenschulte kommentierte das Schreiben auf Facebook. Er sieht darin einen Beleg dafür, welche „antisemitische Verrohung des Denkens“ der Vorsitzende des Landesverbandes Thüringen der „Alternative für Deutschland“ (AFD), Björn Höcke, mit seiner „Holocaust-Hetzrede“ befördert habe.

„Haben Sie nichts Besseres zu tun, als diese Scheiss-Holocaust-Gedenkveranstaltung durchzuführen?“ Was ging in Ihnen vor, als Sie die ersten Zeilen des anonymen Briefs gelesen haben?

Bürgermeister Andreas Bovenschulte

Andreas Bovenschulte: Obwohl ich schon häufiger rechtsextreme Schmähbriefe erhalten habe, ärgere ich mich jedes Mal wieder, wenn ich solchen Mist lese. Und ich frage mich: Wie innerlich verroht muss jemand sein, der das Gedenken an Millionen ermordeter Menschen beschimpft?

Der anonyme Verfasser spricht von „Holocaust-Schandmal in Berlin“ und hetzt gegen Juden. Wie gehen Sie mit dem Brief um? Stellen Sie Strafanzeige gegen unbekannt?

Ja, wir werden Strafanzeige stellen, wobei ich leider wenig Hoffnung habe, dass der Täter ermittelt werden kann. Wichtig erscheint mir auf die inhaltliche Verbindung zwischen dem anonymen Brief und der Höcke-Rede hinzuweisen. Indem er vom „Holocaust-Schandmal in Berlin“ spricht, knüpft der Verfasser direkt an diese Rede an. 

Höcke hat ja wortreich beklagt, dass sich Deutschland ein „Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“. Er hat in klassischer Nazi-Manier unsere „dämliche Bewältigungspolitik“ beschimpft und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert.

Was raten Sie Bürgern, die beispielsweise im Internet auf Hetze stoßen?

Erstens: Sich auch weiterhin richtig darüber ärgern. Wir dürfen nicht zulassen, dass Hetze irgendwann als normal empfunden wird. Zweitens: Volles Rohr dagegenhalten. Drittens: Vom verantwortlichen Betreiber Löschung verlangen. Viertens: Strafanzeige stellen.

Der Facebookpost von Andreas Bovenschulte zu diesem Thema

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Rubriklistenbild: © Screenshot/Facebook

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